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Mythos Gepäckträger

Heute sieht man im Straßenverkehr vorwiegend Fahrräder auf Gepäckträgern – und im Winter Skiboxen. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde praktisch alles auf das Dach geschnallt, genau genommen auf offene Trägersysteme. Der Grund war, dass die Fahrzeuge deutlich kleiner waren, und es kaum Kombis und schon gar keine SUVs gab. Und: Die Familien waren zahlenmäßig größer. So haben wir noch abenteuerlich beladene Dachgepäckträger in Erinnerung, nur mit vier Klemm-Verschraubungen an den Dachkanten befestigt.
Das Jahr 2020 war für die Oldtimer-Szene nicht gerade üppig gesegnet mit Veranstaltungen und Messen. Umso dankbarer wurde die Sonderausstellung des ADAC-Nordrhein in der Motorworld Köln | Rheinland aufgenommen, die mit zahlreichen Exponaten aus der über 100jährigen Tradition des Automobilclubs aufwarteten. Anlässlich der Ausstellungseröffnung am 27. Oktober 2020 war dieser Termin eine willkommene Gelegenheit in Corona-Zeiten Gleichgesinnte zu begegnen und „altes Blech“ zu bewundern. Selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Corona Schutzmaßnahmen präsentierte der ADAC Nordrhein e.V. sechs besondere Exponate aus der über 100-jährigen Clubgeschichte des größten ADAC-Regionalclubs, die über das Areal des ehemaligen Flughafens in den neuen Hallen der Motorworld Köln ausgestellt wurden.
Wir, das GTÜ-Classic-Team, blicken an einem dieser schönen Herbsttage zurück auf insgesamt acht Generationen der Jaguar XJ-Serie. Das Fotofahrzeug wurde entsprechend der besonderen Jahreszeit ausgewählt: Ein Jaguar XJ 6 4.2 L der zweiten Serie in Chestnut Brown.
Das Marktsegment der klassischen Fahrzeuge beginnt mit den sogenannten Oldtimern und Youngtimern, deren Alter bei rund 15-20 Jahren beginnt (Youngtimer) und mit 30 Jahren die Schwelle zum Oldtimer – im Idealfall mit Historischen Kennzeichen - überschreiten. Aktuell verfügbare Untersuchungen haben gezeigt, dass nicht nur das Durchschnittsalter der Kraftfahrzeuge permanent steigt und der Bestand an klassischen Fahrzeugen jährlich zunimmt. Diese Marktentwicklungen hat die GTÜ bereits vor Jahren lokalisiert und als größte amtlich anerkannte Überwachungsorganisation freiberuflich tätiger Kfz-Sachverständiger ein flächendeckendes Netz von Kfz-Sachverständigen mit spezifischen Oldtimerkenntnissen aufgebaut – die GTÜ Classic Partner.
GTÜ Classic geht einem neuen Trend im historischen Motorsport auf den Grund, der immer mehr Enthusiasten in den Bann zieht: Strandrennen. Die Königsklasse sind dabei die „Belly Tank Racer“. Bildlich gesprochen sind damit „Rennzigarren“ gemeint. Diese besondere Rennszene geht auf die Aktivitäten eines Automobilclubs in Carlsbad, Kalifornien zurück. Sie nennen sich „Oilers“ und gelten als der coolste Rennclub der Welt. Dieser wurde am 30. November 1947 gegründet und durch seine Hot Rod-Rennen am Strand schnell bekannt. Hot Rods sind in der Regel stark modifizierte US-Cars der 1920er bis 1940er Jahre mit leistungsgesteigerten V8-Triebwerken und erleichterten Karosserien. Diese Fahrzeuggattung geriet nie in Vergessenheit und hat bis heute eine große Fangemeinde. An die Strandrennen hingegen erinnerte sich kaum noch jemand. Bis zum Jahr 2012. Der Oiler Car Club überraschte mit einem Revival nach altem Vorbild, für Fahrzeuge bis 1949. Zugelassen wurden auch nur Teilnehmer, die sich stilgerecht kleideten. Gefahren wurden Sprintrennen über die 1/8 Meile. Dabei muss die Streckenführung ständig an die Ebbe- und-Flut-Gegebenheiten angepasst werden. Das kultige Event sorgte am Strand von Wildwood in New Jersey als „The Race of Gentleman“, kurz TROG, für weltweit große Aufmerksamkeit.
Der Schutz, der Erhalt und die Förderung historischer Fahrzeuge als herausragendes technisches Kulturgut ist das Ziel der vor einem Jahr gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Historische Fahrzeuge“, die von den Vertretern der maßgebenden deutschen Oldtimer-Verbände und Klassikressorts der Automobilclubs gemeinsam ins Leben gerufen wurde. Auf Einladung des Oldtimer-Weltverbandes FIVA (Fédération Internationale des Véhicules Anciens), trafen sich Vertreter der acht bedeutendsten Veteranen-Clubs, Oldtimer-Verbänden und des Verbands der Automobilindustrie (VDA), um die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden zu stärken und verbandsübergreifende Themen zu erörtern.
Matthias Kemmer und Marcel Schoch, die im Frühjahr 2020 den 1. Band ihrer Zusammenarbeit im Bereich Klassische Kraftfahrzeuge in Kooperation mit der GTÜ im Fachbuchverlag Vogel Communication Group vorgelegt haben, liefern jetzt den 2. Band mit einer erweiterten Autorenriege und in Kooperation mit dem Lackspezialisten Glasurit ab. Mit dem Untertitel „Werkstatt, Blechbearbeitung, Lackierung und Technik“ ist der zweite Band auf stolze 950 Seiten gewachsen und behandelt in detaillierten Einblicken in die technische Umsetzung des „Classic Business“ alle Themen der Restaurierung und Instandsetzung von Old- und Youngtimern.
Mit zuverlässiger Regelmäßigkeit veröffentlicht das Kraftfahrt-Bundesamt jährlich eine Auswertung der aktuellen Bestandszahlen der Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger mit Stand zum 1. Januar. Zusammengefasst ergeben die Veröffentlichungen folgendes Bild:

• Insgesamt 65,8 Millionen Kraftfahrzeuge und Kfz-Anhänger in Deutschland zugelassen
• 595.046 Kraftfahrzeuge und Kfz-Anhänger haben den Oldtimer-Status mit H-Kennzeichen
• Zuwachs der Fahrzeuge mit H-Kennzeichen im Jahre 2020 um 10,9 Prozent
• Motorrad-Bestand beträgt dabei rund ein Zehntel des Pkw-Bestandes
• Das Durchschnittsalter aller 65,8 Mio. Kraftfahrzeuge beträgt in 2020 rund 9,6 Jahre. Vor 10 Jahren betrug das Durchschnittsalter noch 8,1 Jahre

POWERPLAY

Noch bis zum 11. Oktober 2020 findet in der Motorworld Region Stuttgart die große Sonderschau „50 Jahre Interserie“ statt. Die GTÜ Classic hat recherchiert, wie es zu dem europäischen Pendant der amerikanischen CanAm-Serie kam und portraitiert den erfolgreichsten Interserie-Rennwagen aller Zeiten, den Porsche 917/30.
Ein Aufschrei in Halle 3 einer beliebigen Oldtimer-Messe, gefolgt von heftigen Diskussionen über Originalität, historisch korrekte Restaurierung und der Fluch dieser neuen Modewelle, die als „Restomod“ wie die Corona-Pandemie durch die Szene wabert. Die Rede ist von einer bereits seit Jahren zaghaft in Erscheinung getretenen Restaurierungswelle, die zwar möglichst nah am Erscheinungsbild des Originals arbeitet, aber unter dem Blech vorwiegend modernste Technik verwendet, eben wie es der Name schon sagt: RESTO (Restaurierung) und MOD (mit modernster Technik). Die Krone des Ganzen setzen aber jetzt jene Restomod-Fahrzeuge diesem Trend auf, die auch noch den Verbrennungsmotor verbannen und durch alternative Antriebe ersetzten. Allen voran die elektrogetriebenen Tesla Powerpacks, die in allen Leistungsstufen zu haben sind und für jedes Auto modifiziert werden können.
Es ist die Blütezeit der Cyclecars, die seit 1912 die Welt im Sturm eroberten und vor allem in den USA, in England, in Frankreich, in Deutschland und in Belgien als kostengünstige Alternative zu den für den Normalbürger nicht erschwinglichen Automobilen galten. Der Boom dauerte bis Ende der 1920er Jahre, bis erste Automobile, allen voran das auf dem Fließband montierte Ford T-Modell, die Cyclecars durch günstigere Preise und in Punkto Sicherheit verdrängten.
Vier Jahrzehnte Sammelleidenschaft der beiden Museumsgründer Erich Schenkel und Norbert G. Mylios ergaben ein Inventar von über 70 Jahren europäische Fahrzeuggeschichte mit rund 130 Exponaten, deren Marken heute aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sind und die eine Ära der Kleinautomobile, Roller und Motorfahrräder repräsentieren. Die Sammlung RRRollipop aus Eggenburg wurde jetzt vom Auktionshaus Dorotheum in Vössendorf bei Wien am 10. Juli 2020 versteigert. Die Besonderheit der Auktion: alle Fahrzeuge wurden ohne Mindestgebot versteigert. Wer aber glaubte hier das eine oder andere Schnäppchen nach Hause rollen zu können, sah sich getäuscht, denn die Nachfrage war enorm. Ausnahmslos alle angebotenen Lots wurden verkauft, denn alle Fahrzeuge waren Raritäten und in diesem Zustand wohl kaum noch zu haben.
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