Wann brauche ich welches Gutachten?

[GTÜ] Erwerb eines Oldtimers, Wiederverkauf oder Abwicklung eines versicherungsrelevanten Schadens, Herstellungswert oder Wiederbeschaffung – in der Regel benötigen Besitzer von Klassikern für solche Fälle ein Wertgutachten. Wann brauche ich welches Gutachten?

Alle reden von Wertgutachten – und jeder meint etwas anderes. Für den Laien nicht einfach, das Gutachten-Fachchinesisch zu verstehen. Je nach Geschäftsvorfall kann der richtig ermittelte „Wert“ eines Fahrzeuges jedoch entscheidend sein. So ist der „Marktwert“ eines Klassikers oder Youngtimers immer der gegenwärtigen Wert des Fahrzeuges am Markt. Im Klartext: der Marktwert ist der zum jetzigen Zeitpunkt geschätzte Betrag beim An- bzw. Verkauf, der für das Fahrzeug bezahlt bzw. realistischerweise erzielt werden könnte. Es handelt sich beim Marktwert in der Regel um den Durchschnittspreis am Privatmarkt und dieser ist Mehrwertsteuerneutral und als Endpreis zu verstehen. Welche Höhe der Marktwert letztendlich ist, bestimmt nicht allein die Marktlage sondern auch die Verhandlung zwischen Anbieter und Käufer. Dies ist bei oft gehandelten Fahrzeugen am Markt z.B. durch die An- und Verkaufslisten der Gebrauchtwagenhändler, den sogenannten DAT Marktspiegeln oder Schwacke-Listen gewährleistet. Was aber bei selten gehandelten Fahrzeugen? Fahrzeuge die schwerpunktmäßig gewerblich gehandelt werden oder auf Auktionen erworben wurden, fließen als Durchschnittspreise (Nettopreis des Handels) oder als Auktionspreis (ohne MWSt.) in die offiziellen Marktwert-Listen ein, hinzu kommen – soweit diese bekannt geworden sind – die erzielten Netto-Preise des Privathandels. Die aus solchen Marktsituationen abgeleiteten Marktanalysen ergeben einen durchschnittlichen Marktwert, der für diese Fahrzeuge je nach Zustand gezahlt werden. Egal ob Sie jetzt für Ihren Young- oder Oldtimer diesen Marktwert mehr oder weniger bezahlt haben, die getroffene Wertermittlung ist beispielsweise die Basis der Versicherungseinstufung (Kaskobedingungen) bei Oldtimersondertarifen. Dieser Marktwert gilt als Taxe (festgesetzter Preis) im Sinne des Versicherungsvertragsgesetzes. Doch Achtung – hier ist noch zu unterscheiden in Wiederbeschaffungswert (Haftungsrecht) und Wiederherstellungswert (Aufwand, Restaurationskosten). Ein Wertgutachten sollte also klar mit seinem Verwendungszweck verbunden sein, denn der Marktwert eines Kurzgutachtens zur Versicherungseinstufung eignet sich nicht für Handel, Schadensregulierung oder Verkaufsgrundlage. Der Gutachter und Sachverständige sollte also gleich zu Beginn seiner Tätigkeit darüber informiert werden, welchen Zweck das Gutachten erfüllen soll. Der Wiederbeschaffungswert (Haftungsrecht § 249 BGB) bestimmt sich nach der Summe, die der Geschädigte im Falle eines Unfalls oder anderen Gesamtschadens aufwenden muss, um ein gleichartiges oder gleichwertiges Ersatzfahrzeug zu beschaffen. Dabei wird der Wiederbeschaffungswert zum Zeitpunkt eines Unfalls am freien Markt ermittelt. Der angegebene Wiederbeschaffungswert ist demnach die Basis für die Abwicklung eines Haftpflichtschadens. Der Wiederherstellungswert schließlich beziffert den Preis, den das Fahrzeug an Aufwendungen gekostet hat, um es in den jetzigen Zustand zu bringen (Restaurierungskosten) zuzüglich Fahrzeuggrundpreis, also Anschaffungswert. Die sicht- und vor allem belegbaren Investitionen der Restaurierung ergeben eine Differenz zum Marktwert. Der Wiederherstellungswert ist also wichtig, wenn nach einem Schaden der Versicherung eine Restaurierung glaubhaft gemacht werden soll. Der Aufwand spiegelt jedoch nicht unbedingt die Marktsituation wider, da sich bei einem Verkauf selten die erbrachten Investitionen nur selten amortisieren lassen. Details und weitere Informationen finden Sie unter dem weiterführenden Link oder jedem GTÜ-Sachverständigen.

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