Vor 20 Jahren rollte der letzte Wartburg vom Band

[ct-red] Vor 20 Jahren, im April 1991, rollte das letzte Exemplar des Wartburg-Zweitakters im Automobilwerk Eisenach (AWE) vom Band. Noch heute schwärmen ehemalige DDR-Bürger von dem Mittelklassewagen, auf den man Jahre warten musste und dessen Design zum Zeitpunkt der Wende 35 Jahre alt war.

Die Geschichte dieses Autos ist alles andere als eintönig: Sie erzählt von einem stasiüberwachten Designer (in der DDR Formgestalter genannt), Luxuslimousinen, die in die USA exportiert wurden, von schicken Coupés, geräumigen Camping-Kombis, dem Wandel vom 50-er-Jahre-Schick zum Bauhaus-Look und von einem legendären Rennwagen, von dem gerade mal 101 Stück gebaut wurden. Der erste Wartburg ging 1956 in die Testproduktion. Der W 311 war das Nachfolgemodell des IFA F9. Doch im sächsischen Zwickau war man nicht auf Stahlkarosserien spezialisiert und experimentierte lieber mit Plaste-Karosserien, etwa für den Trabant. Die für Automobilbau zuständige VVB (Vereinigung Volkseigener Betriebe) hatte 1953 beschlossen, den F9 im früheren BMW-Werk in Eisenach produzieren zu lassen. Umso schneller wollte man den ungeliebten F9 loswerden und ein eigenes, moderneres Modell bauen. Ausgetüftelt hatte den W 311 der "Karosseriekonstrukteur" Hans Fleischer. Am 25. Februar 1919 in Eisenach geboren (1986 in Erfurt gestorben), wurde er von 1935 bis 1938 bei BMW zum Maschinenschlosser ausgebildet. Fleischer hatte den wuchtigen Wagen in der so genannten Rahmenbauweise konzipiert. Damit war es möglich, verschiedene Varianten auf den Markt zu bringen. Vom 311-9 Kombi, über die 311-5 Camping-Limousine bis zum 313-1 Cabriolet, das es sogar in den USA Export schaffte. Das nur in geringer Stückzahl produzierte Sport-Coupé erregte auf Messen große Aufmerksamkeit. Bis 1961 wurden insgesamt fast 300.000 Exemplare des 37 PS starken Wartburg 311 produziert. Nur fünf Jahre nach dem ersten Wartburg entschied die Werksleitung, dass ein neues, moderneres Modell her musste. 1961 engagierte AWE den diplomierten Formgestalter Karl Clauss Dietel aufmerksam, der für seine Diplomarbeit an der Kunsthochschule Berlin Weissensee an aerodynamischen Formen eines Mittelklassewagens herum experimentiert. Als Angestellter der zentralen Forschungsstelle im heutigen Chemnitz, wurde Dietel nach Eisenach berufen, um den Wartburg neu zu gestalten. Sein bis zu 50 PS starker Wartburg 353 war das Auto, das in nahezu unveränderter Form bis zum Ende der DDR gebaut wurde. Weitere Informationen zum Wartburg und zum diesjährigen Wartburg-Treffen in Eisenach sind unter dem weiterführenden Link auf der Homepage des „Allgemeinen Wartburgfahrerclubs Eisenach“ abrufbar.

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