Mollinos "Bisiluro"

[ct-red] Carlo Mollino einen Exzentriker zu nennen, wäre ebenso zutreffend wie unzureichend. Das 1905 in Turin als Sohn eines bekannten Architekten geborene Universal Talent macht sich nicht nur als Architekt und Möbeldesigner einen Namen. Für Nardini zeichnet er einen asymmetrischen Rennwagen, den "Bisiluro" (Doppeltorpedo), der 1955 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans zum Einsatz kommt.

Vorbild Mollinos bei seinem Entwurf war - neben Doppelrumpfkonstruktionen im Flugzeugbau - das Rekordfahrzeug seines Landsmanns Piero Taruffi. Taruffi, ein bekannter Motorradrennfahrer, erreichte 1948 mit seinem von einem 500 ccm-Motor angetriebenen "Doppeltorpedo" eine Höchstgeschwindigkeit von fast 210 km/h und stellte mehrere Rekorde in seiner Klasse auf. Beim Bisiluro von Carlo Mollino befinden sich das enge Fahrercockpit sowie der Tank auf der rechten, das 735 ccm Giannini-Aggregat auf der linken Seite. Zwischen beiden Rümpfen fungieren nebeneinander angeordnete Luftklappen als aerodynamische Bremse. Die Verstellung der Klappen wurde mittels eines eigenen Pedals bewerkstelligt. Im Rennen 1955 kann sich die Nardi-Giannini Konstruktion nicht bewähren: Die Luftturbolenzen eines überholenden Rennwagen heben den Bisiluro in der fünften Runde des Rennens an und das Fahrzeug überschlägt sich. Sein Fahrer, Mario Damonte, kommt zum Glück ohne Verletzungen davon. Das eigenwillige Fahrzeug kann in München besichtigt werden. Das Haus der Kunst widmet dem 1973 in seiner Heimatstadt verstorbenen Mollino unter dem Titel "maniera moderna " eine Sonderaustellung, in der der "Doppeltorpedo" neben anderen Exponaten noch bis zum 12. Januar 2012 zu bewundern ist.

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