Markt- und Preisorientierung für Oldtimer Die aktuelle Diskussion zum Thema Zustandsnoten Teil II

Aus den Daten der in Teil I unseres Berichts genannten vier Teilgebiete der Marktbeobachtung werden dann Interpretationen durch Marktspezialisten in Form von allgemeingültigen bundesdurchschnittlichen Werten gebrauchter Fahrzeuge pro Baujahr angelegt. Die Allgemeingültigkeit ergibt sich aus Zulassungsdaten (Erstzulassungsdatum), Laufleistungen (je nach Fahrzeugtyp), serienmäßigen Ausstattungspaketen, Vorbesitzer und Unfallfreiheit oder frei von Vorschäden

Die Allgemeingültigkeit oder auch Normierung der Fahrzeuge wird auch dadurch gewährleistet, dass Fahrzeuge, die nach der Berechnung weit von der Norm abweichen (z.B. Laufleistung, Ausstattung, usw.) mit Hilfe von berechneten Zu- oder Abschlägen korrigiert werden. Weist ein berechnetes Fahrzeug also eine geringere Laufleistung auf als der Durchschnitt, so bewirkt dies einen Preisaufschlag. Gleiches gilt für Sonderausstattungen oder Schäden, die sich wertmindernd oder wertsteigernd auf den Händler EK oder Händler VK auswirken können.

Marktbeobachtung ist der Schlüssel aller Price Guides

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass alle genannten Preise keine Marktpreise (mehrwertsteuer- und margenbereinigte Preise zwischen Privatpersonen) sondern immer Händlereinkaufswert EK und Händlerverkaufswert VK repräsentieren. Falls eine Privatperson ihren Wagen an einen Händler verkauft, wird der Verkaufspreis maximal in der Nähe des Händlereinkaufspreises liegen, da der Händler das Fahrzeug selbstverständlich mit Gewinn weiterverkaufen will. Zudem muss ein Händler beim Weiterverkauf in der Regel Gewährleistungen einräumen und in etwa abschätzen können, mit welchen Standzeiten er für den Gebrauchten rechnen muss, bis dieser wieder an einen Käufer weitergebeben werden kann. Es ist also unschwer zu erraten, dass der Verkauf eines gebrauchten Fahrzeuges über Privatbörsen mehr Ertrag verspricht, als die Inzahlungnahme beim Händler. Die über Online-Marktplätze oder andere Inseratsformen angebotenen Fahrzeuge repräsentieren also genausowenig einen „Marktpreis“ wie Auktionswerte auf Versteigerungen. Der Marktpreis ist immer der zwischen zwei privaten Marktteilnehmern festgelegte steuerbereinigte Preis für das Fahrzeug.

Nimmt man jetzt bei der Suche nach dem historischen Kraftfahrzeug auch die teils sehr gut gemachten Filterfunktionen der Online-Börsen zu Hilfe und sucht beispielsweise einen Citroen 2 CV in der Region München und anschließend in der Region Paris, wird man die Unterschiede regionaler Märkte ebenfalls sehr schnell herausgefunden haben. Das Kultfahrzeug ist in Frankreich günstiger zu haben.

Price Guides für Fahrzeuge über 12 Jahre

Um es vorwegzunehmen: Price Guides für klassische Fahrzeuge gibt es international gesehen schon seit Jahrzehnten. Geboren wurden diese noch ausschließlich gedruckten Preislisten für historische Fahrzeuge in England und USA Anfang der 1960er Jahre. Zu nennen wäre hier der Preisführer für Sammlerfahrzeuge, der „Lewis Guide“ oder der „Quentin Crafts Old Car Value Guide“. Die heute international übliche, aber nicht unumstrittene Einteilung in fünf Zustands- oder Pflegekategorien hatten erstmals die „Hemmings Motor News“ in Abstimmung mit dem AACA (Antique Automobil Club of America) zum Standard erhoben und 1958 veröffentlicht. Im deutschsprachigen Raum folgte Anfang der 1970er Jahre die Firma Schwacke (heute SchwackeEurotax) dieser Idee und brachte ab 1977 den eigenständigen Price Guide „InterClassic“ heraus.

Frei zugänglich, kostenlos und schnelle Orientierung

Bei den frei zugänglichen Price Guides – die ebenfalls in der Tradition des oben genannten „Lewis Guide“ oder des „Quentin Crafts Old Car Value Guide“ stehen, sei noch die „Collector Car Market Review“ (-www.collectorcarmarket.com) genannt, die ebenfalls in fünf Kategorien nach Baujahren und Marken sortiert die aktuellen Classic Car Preise in US Dollar auflistet und die Situation auf dem nordamerikanischen Kontinent abbildet. Das wohl umfassendste, aber leider nur für amerikanische Bürger öffentlich zugängliche Marktwerte-Online-Portal in den USA sind jedoch die NADA Guides - National Appraisal Guides (– www.nadaguides.com), die neben Automobilen, Motorrädern, Booten und Motorhomes (Wohnmobilen) auch Classic Cars auflisten. Die Besonderheit an den NADA Guides für Classic Cars ist ebenfalls die differenzierte Auflistung der Automobil- und Motorradmarken nach Baujahren und Karosserieformen. Die Marktpreise werden in drei Kategorien ausgegeben (Low, Average und High Retail) und als Besonderheit listen die NADA Guides auch den Original MSRP (Manufacturer Suggested Retail Price) der mit unserem „vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis“ gleichzusetzen ist.

Die Europäer: La Cote, Classic Data und Classic Analytics

Frei zugängliche Classic Car Marktwerte bietet in Europa zum Beispiel der französische „La cote de l´automobile de collection“ (www.lva-auto.fr/cote.php) der die Marktwerte von über 11.000 Automobil-Modellen listet und zudem jährlich rund 2.300 Auktionswerte veröffentlicht. Getragen wird dieser Price Guide von der unabhängigen Editions LVA in Avon und jährlich auch als gedruckter Preisguide herausgegeben. In der gedruckten Ausgabe finden sich dann auch die über 150 Expertenbüros europaweit, die die Marktergebnisse ermitteln und im La Cote zusammentragen. Im deutschen Sprachraum haben sich die im Ruhrgebiet ansässigen Marktwert-Ermittler für klassische Kraftfahrzeuge, die „Classic Data“ (www.classic-data.de) und die Classic Analytics (www.classic-analytics.de) etabliert. Öffentlich zugänglich und abrufbar sind die Classic Data Marktwerte derzeit nur kostenpflichtig bei Classic Data-Partnern. Das Unternehmen, einst von Jochen Strauch etwa Mitte der 1980er Jahre gegründet, gibt seit nunmehr 17 Jahren jährlich den sogenannten Marktspiegel heraus, der in gedruckter Form rund 8.000 Modelle von 175 Automobil- und von 83 Motorrad-Herstellern verteilt auf die 5 Zustandsnoten veröffentlicht. Die Modelle werden nach Karosserieform, technischen Grunddaten und in zusammengefassten Baujahrgruppen veröffentlicht. Eine direkte Abfrage nach Durchschnittspreisen in der hauseigenen Datenbank ist nur über ein Netz von Vertragspartnern kostenpflichtig möglich. Nachteilig an der Printausgabe ist hier die nicht mehr vorhandene Aktualität zum Zeitpunkt der Drucklegung, da die Daten in der Regel aus dem zurückliegenden Erhebungsjahr stammen. Auch die zwischen den jeweiligen Jahresbänden veröffentlichten Marktpreise in der Zeitschrift Oldtimer-Markt oder den Sonderheften dieses Verlages können diesen Nachteil der Print-Ausgabe gegenüber einer Online-Ausgabe nicht ausgleichen.

Anders der Wettbewerber Classic Analytics (-www.classic-analytics.de), dessen Wurzeln ebenfalls in der Unternehmensgründung von Jochen Strauch zu finden sind. Nach der Übernahme der Geschäfte bei Classic Data durch die beiden Gründer der Firma Olditax (Unternehmen ist heute nicht mehr aktiv), formierten sich ehemalige Mitarbeiter der Classic Data zur Classic Analytics, die heute eine Beteiligung der amerikanischen Hagerty Gruppe ist und stärker auf die Online-Verfügbarkeit der Daten setzt. Eine Printausgabe ist von Classic Analytics über Partnerausgaben (Hiscox, Motor Klassik, u.a.) erhältlich, dafür eine kostenlose Online-Abfrage von Durchschnittswerten, zu denen der gesuchte Klassiker aktuell gehandelt wird und eine online verfügbare Auktionsdatenbank, die ebenfalls Marktwerte liefert, sofern das gesuchte Modell zeitnah auf Auktionen angeboten wurde und den Besitzer gewechselt hat. Auch bei diesem Unternehmen ist ein Netzwerk von rund 500 Sachverständigen tätig, die die entsprechenden Fahrzeuge im Rahmen von Oldtimerbegutachtungen kostenpflichtig bewerten.

 

GTÜ Classic Partner helfen weiter

Tagesaktuelle Marktwertanalysen (siehe Abbildung) liefern auf Anfrage die Vertragspartner der GTÜ. Hier sind es vor allem die GTÜ Classic Partner, bei denen zu jedem Fahrzeug die akuellen Marktwerte in einer Dreijahresübersicht abgerufen werden können. Liegen zu dem Modell auch Auktionsergebnisse vor, werden auch diese in die Marktanalyse aufgenommen, um zumindest grob die Tendenzen am Markt abzubilden. Die GTÜ unterstützt das GTÜ Classic Partnernetz mit ihrer Marktbeobachtung, sammelt Veräußerungspreise im privaten und gewerblichen Bereich, sichtet Auktionsergebnisse und hält Kontakt zu den Clubs im Oldtimermarkt. Grundlage der Marktwertanalysen sind auch die eigenen Erhebungen und die Datenbasis der von den GTÜ-Sachverständigen gefertigten Gutachten.

 

Fazit: Falls Sie auf der Suche nach einem geeigneten Klassiker sind, genügen zur ersten Orientierung die weltweit offen zugänglichen Price Guides, die über Selektionsmöglichkeiten wie Baujahr, Marke, Modell, Leistung und Karosserieform sehr schnell die Bandbreite der Anschaffungskosten angeben. Zustandsnoten werden in Anzeigen, Offerten oder anderen Kaufangeboten eher selten angegeben, da die Nennung einer Zustandsnote juristisch eine „zugesicherte Eigenschaft“ darstellt. Letztendlich wird eine Zustandsnote meist durch einen geeigneten Sachverständigen ermittelt, der in seiner Beurteilung und seinem Gutachten auch klar zum Ausdruck bringen muss, wie er die Werte ermittelt hat und welche Bewertungsnote daraus für das Fahrzeug festgelegt wurde. Der ermittelte Zustand und Wert ist im Gutachten ausgeführt. Finden sich diese Angaben nicht, entspricht das Gutachten nicht den allgemein festgelegten Regeln einer Fahrzeugbewertung.

Tagesaktuelle Marktwertanalysen zu klassischen Kraftfahrzeugen (Automobil, Motorrad, Nutzfahrzeuge) können jederzeit über das Netzwerk der GTÜ Classic-Partner abgerufen werden. Diese Marktwertanalysen bilden immer einen zurückliegenden 3-Jahres-Zeitraum ab und ergänzen die Analyse durch die zuletzt erhobenen Auktionen.