M.B.G. Heilbronn mit K-Motor

[GTÜ] Harald Hein, Inhaber einer freien Kfz-Werkstätte in Tutow (Vorpommern), staunte nicht schlecht, als er seinen Oldtimerfund beim GTÜ Oldtimerservice einreichte und man dort jubelte. Hier war man seit Jahren auf der Suche nach Beweisen zur Motorradmarke M.B.G. Heilbronn.

Der motorsportbegeisterte Kfz-Werkstattinhaber Hein ist in in Mecklenburg-Vorpommern kein Unbekannter, denn er und sein Sohn Franco sind auch die Vorstände eines kleinen, aber erfolgreichen Stockcarteams, den „Red Scorpions“, die ihr zuhause im Tutower-Senf haben. Und auf dem Weg zum alten Tutower Flugplatz kommt man in der Pappelallee an der Kfz-Werkstatt Hein vorbei. Wo genau Harald Hein das nachfolgend beschriebene Motorrad gefunden hat, bleibt vorerst sein Geheimnis. Fakt ist, in Mecklenburg-Vorpommern steht seit neuesten ein Motorrad – ziemlich vollständig erhalten – und mit einem Typenschild ausgestattet, das einen Hersteller nennt, der mit Mecklenburg-Vorpommern wenig am Hut hatte. Es handelt sich um eine M.B.G. Heilbronn, K-Motor, System Küchen (Doppelportmotor) aus dem Jahre 1934 (siehe Abbildung Motorrad und Typenschild), mit 22 PS Leistung. Aber so sehr sich Harald Hein auch mühte – ein Motorrad-Hersteller namens M.B.G. Heilbronn war weder in den einschlägigen Motorrad-Lexikas des Motorrad-Papstes Tragatsch noch im Internet zu finden. Also kurzerhand den GTÜ Oldtimerservice angerufen und nachgefragt. Hier wusste man zwar, dass es einen Hersteller namens M.B.G. Heilbronn gab, dass dieser Hersteller in den 1930er Jahren auch Küchen Motoren baute und verwendete, aber gesehen hatte man im GTÜ Archiv auch noch kein Motorrad dieses Herstellers, geschweige denn Unterlagen im Archiv. Und da im GTÜ Archiv nur jene Marken und Hersteller aufgenommen werden, zu denen auch technische Unterlagen, Testberichte, Fahrzeugpapiere oder zumindest signifikante Nachweise vorliegen, war dieses Marke noch nicht gelistet. Dank Harald Hein ist der Nachweis der Marke jetzt gelungen. Hier also die Historie in Kurzform: Richard Küchen (1897-1974) entwickelte in den 20er Jahren den als K-Motor bekannt gewordenen 350 ccm Königswellen-Einzylinder-Motor, der zunächst in Baden-Baden bei den Schiele-Bruchsaler Industriewerken, ab 1927 dann in Lahr (Baden) bei der M.B.G. Maschinenbau-Gesellschaft Heilbronn gefertigt wurde. Der enorme Erfolg der Küchen-Motoren machte die Auslagerung der Herstellung notwendig, zumal Richard Küchen bereits in Nürnberg und München (Zündapp) neue Ideen entwickelte. Im Gefolge der Weltwirtschaftskrise wurden dann ab etwa 1931 eigene Motorräder auf den Markt gebracht. Die Fabrikation der 500er M.B.G. Heilbronn fand ausschließlich in der neu eingerichteten Werksabteilung der M.B.G. im badischen Lahr statt. Das Unternehmen brachte diese Modelle unter der Herstellerbezeichnung M.B.G. Heilbronn auf den Markt. Die in Tutow von Harald Hein entdeckte Maschine weist sowohl den Hersteller des Rahmens als auch den Hersteller des Antriebssystems als Maschinenbau-Gesellschaft Heilbronn aus. Diese vollständig mit Fahrzeugbrief erhaltene Maschine trägt die Fabriknummer 152 und wurde 1934 hergestellt. Die vollständige Konfektionierung des Motorrads erfolgte mit Hurth Getriebe, Bosch Zünd- und Lichtanlage, sowie Bauteilen der Metallwerke GmbH Frankenberg / Sa. (Sattel, Lenker, Griffe, etc.). Wer mehr über die K-Motoren nach System Küchen und den Hersteller der M.B.G. Heilbronn wissen möchte, dem steht der GTÜ Oldtimerservice im Bereich Motorrad mit den Markeneinträgen KÜCHEN (Motoren) und MBG (D) zur Verfügung. Unser Dank gilt unseren aufmerksamen Nutzern des Systems, die erneut eine Lücke in der spannenden Historie deutscher Hersteller geschlossen haben.

weitere Informationen