Jüngere Marktteilnehmer mit weniger Kaufkraft sorgen für wachsendes Angebot aber auch für sinkende Erlöse

[GTÜ] Die gute Nachricht zuerst: Der Markt für Classic Cars, Sammlerfahrzeuge und Neoklassiker wird weiterwachsen und sich in den kommenden Jahren im Segment der Old- und Youngtimer deutlich erhöhen.

Grund dafür ist die wachsende Zahl gut erhaltener Modelle der ausgehenden 1980er und 1990er Jahre, die zudem mittelfristig die Schwelle zum Historischen Kennzeichen erreichen. Vor allem die formschönen Cabrios wie z.B. der Opel Calibra (1990), die sportlichen Versionen eines Renault R5 Turbo 2 (1984) und die begehrten Freizeitfahrzeuge wie der Volkswagen T3 (1985) stehen dabei auf den Einkaufslisten der wachsenden jüngeren Käuferschicht.

 

Die weniger gute Nachricht für den Klassik-Markt ist der sich abzeichnende Generationenwechsel. Die jüngere Käuferschicht wird als wachsende Kundengruppe den Klassiker- und Sammler-Markt verändern, indem immer mehr Marktteilnehmer nachrücken, aber mit deutlich weniger Kaufkraft als die Vorgängergenerationen. Oder anders ausgedrückt: Diese jüngere Käuferschicht sucht die Traumfahrzeuge ihrer Jugend, gibt dafür aber deutlich weniger Geld aus und kauft vernunftbetonter. Motto: der Spaß am Fahren ist auch mit günstigeren Kraftfahrzeugen möglich.

 

Zu spüren bekommen dies immer stärker die weltweit operierenden Auktionshäuser, die Anfang März anläßlich der Amelia Island Auktionen in den Vereinigten Staaten ihr Fahrzeugangebot bereits in Teilen auf diese neue Käuferschicht abstimmten. Allen voran startete Bonhams am 07. März mit rund 107 Automobilen, deren Durchschnittsalter bei rund 72 Jahren lag. Anvisiert war ein Umsatz von 24 Mio. US-Dollar, realisiert wurden hingegen rund 15,4 Mio. Ein passables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass Bonhams rund 50% seines Angebotes mit Vorkriegsfahrzeugen bestückte. Unumstrittener Star der Auktion war das Veritas Scorpion Cabriolet aus dem Jahre 1950, das zwischen 350.000-450.000 US-Dollar angeboten wurde, aber bei 275.000 US-Dollar war das Höchstgebot erreicht und die Ikone der Nachkriegswagen blieb stehen. Verkauft wurden hingegen alle Neoklassiker, darunter zwei Nissan Skyliner, ein 2000 aus dem Jahre 1970 und ein R32 GTR aus dem Jahre 1989.

 

Tags darauf am 08. März warf RM/ Sotheby´s rund 141 Fahrzeuge in die Waagschale. Die auf zwei Tage angesetzte Auktion brachte die angebotenen Fahrzeuge mit einem geringeren Durchschnittsalter als Bonhams auf die Rampe. 52 Jahre war das Durchschnittsalter der Fahrzeuge bei RM/Sotheby´s. Während die Vorkriegsfahrzeuge schleppend die Besitzer wechselten, konnten die Youngtimer wegen der günstigeren Preise alle über dem Schätzwert an die Bieter verkauft werden. Darunter Mazda RX-F (1993), Nissan 300 ZX Twin Turbo (1996), Porsche 928 (1988), Toyota Supra Twin Turbo Targa (1994) und weitere sportliche Fahrzeuge, denen RM/Sotheby´s letztendlich eine Verkaufsquote von 83 Prozent verdankte und einen Gesamtumsatz von 38 Mio. US-Dollar.

 

Der dritte im Bunde war am 08. März das Auktionshaus Gooding & Co., die mit 89 Automobilen an den Start gingen. Mit einem Durchschnittsalter von rund 40 Jahren hatte Gooding das größte Angebot an Neoklassikern im Angebot. Insgesamt 28 Fahrzeuge waren jünger als 30 Jahre und allen voran waren die Youngtimer von BMW und Mercedes gesuchte Sammlerfahrzeuge, aber auch Freizeitautomobile wie der Volkswagen Thing (181, Kübel), ein Fiat Jolly Strandwagen und die derzeit sehr gesuchten Volkswagen T3 Busse gingen mit Höchstgebot an neue Besitzer.

 

Diesen Trend wachsender und günstigerer Fahrzeugangebote vermelden auch die beiden Fahrzeug-Leitindizes HAGI und Hagerty. Während HAGI in seinen vier Indizes HAGI TOP, -Porsche, -Ferrari und -Mercedes zwischen – 1,93% bis - 3,93% Wertverluste verzeichnen, notierte der US-Versicherer Hagerty im März erstmals wieder einen leichten Anstieg im Market Rating, der auf die gestiegenen Auktionstätigkeiten und einen agileren Privatmarkt zurückzuführen sei. Trotz leichtem Rückgang des Optimismus bei den Sammlern und Classic Car Besitzern, ist eine Zunahme der Marktangebote und Fahrzeug-Umschreibungen bei diesem Marktführer für Klassiker-Versicherungen feststellbar. Aber auch hier die klare Feststellung, stetige Zuwachsraten bei den Fahrzeugangeboten bei fallenden Erträgen.

 

Das Fazit: Die Marktindikatoren zeigen deutlich auf, das sich das Interesse an Classic Cars und Sammlerfahrzeugen in absehbarer Zeit nicht abschwächt, sondern innerhalb der Generationen verlagert. Veränderungen ergeben sich aber hinsichtlich der Angebotslage mit kontinuierlichen Steigerungen bei sinkender Ertragslage. Während die hochpreisigen Klassiker Mangels Kaufkraft der nachrückenden Käuferschicht stagnieren und besteht das Interesse dieser jungen Käuferschicht im Hinblick auf Vorkriegsfahrzeuge nur noch Marginal.