Jahresauftakt im Auktionsmarkt für Classic Cars

Die Jungen sind stark im Kommen und werden immer wertvoller
Hochwertige Sammlerfahrzeuge unter Preisdruck

Trotz einer leicht zurückhaltenden Grundstimmung im Markt für klassische Automobile, haben die Auktionshäuser Ende 2018 doch eine positive Bilanz ziehen können. Die Nachfrage hat nicht nachgelassen, aber die Ertragslage hat sich leicht verschoben. Hochwertige Sammlerfahrzeuge geraten stärker unter Preisdruck. Insgesamt ist dies aber noch kein Grund zur Sorge, denn wie jedes Jahr gab es auch in 2018 eine Menge Spitzenergebnisse – jedoch nur bei absolutem Topzustand, interessanter Technik und berühmten Vorbesitzern. Diese Ausnahmen retten dann auch meist das gesamte Ergebnis einer Auktion, deren Verkaufsvolumen rückläufig sind.

Ein weiterer Trend ist nicht mehr wegzudiskutieren: die Jungen sind stark im Kommen. Das gilt sowohl für die Fahrzeuge, als auch für die Käufer. Das Lebensgefühl der 1980er/1990er Jahre ist im Vormarsch und mit diesen Käufern werden zunehmend auch die passenden Fahrzeuge von den Auktionshäusern auf die Rampe geschoben. Zu den neuen Stars, die übrigens allesamt zu „normalen“ Preisen neue Besitzer fanden, zählen Fahrzeuge wie Mercedes-Benz 500 E (1994), Ferrari 512 TR (1992), BMW Z1 (1990) oder ein Renault 5 Alpine (1980). Aber auch jüngere Sportwagen, die allemal jünger als 30 Jahre sind, wie beispielsweise die letzten Miniproduktionen oder der Porsche Clubsport, sowie die 4. 911-Generation (Typ 933), sind ein Indiz für diesen Wandel im Auktionsangebot.

Andererseits drückt aber ein stark wachsendes Überangebot von Sammlerfahrzeugen – von Vorkrieg bis Wirtschaftswunderjahre in den Markt, deren Besitzer aus unterschiedlichen Gründen ihre Fahrzeuge zum Kauf anbieten. Hier finden sich neben den altersbedingten Rückflüssen der über 70-jährigen Fahrzeugbesitzer vor allem auch jene, die bei stagnierenden oder leicht sinkenden Preisen ihre Fahrzeuge in den Markt schicken, um eventuellen Verlusten vorzubeugen. Und genau dieses Angebot sorgt für Kummerfalten bei den Auktionshäusern, die immer öfter mit Verkaufsquoten von gerademal 65-70 Prozent der angebotenen Fahrzeuge kalkulieren müssen.

Das Jahr 2019 begann also mit einem leichten Rückgang im Markt und ist damit leicht unter den Werten des Vorjahres. Auf rund 4-7 % beziffern die Auktionshäuser diesen Rückgang, bei gleichzeitiger Steigerung der Einlieferungen um rund 1-2% und leicht gestiegenen Preisforderungen der Einlieferer. Bereits die erste Messe des Jahres in Deutschland, die Bremen Motor Show 2019, hat gezeigt, dass der Optimismus der Fahrzeugbesitzer und Fahrzeugkäufer leicht gedämpft ins neue Jahr ging. Bremen rief durchweg moderate Preise auf. Bestätigt wurde dieser leichte Rückgang durch die ersten großen Auktionsrunden in den USA im Januar. Sowohl Kissimmee, Arizona und Scottsdale bestätigten diese Marktzurückhaltung, bzw. auf allen Auktionen blieben viele Topfahrzeuge und exzellente Sammlerstücke stehen, da die Käufer dieser Marktregulierung Rechnung tragen. Die Bieter sind da, doch in der Regel brechen die Gebote bei 80-90% der geforderten Mindest-Estimates ab. Das Geld wird selektiver eingesetzt und die Preisvorstellungen der Einreicher nicht erreicht.

RM/ Sotheby´s hatte in der Arizona Auktion am 17. und 18. Januar 2019 rund 155 Klassiker aufgeboten. Der Gesamtwert des Angebots betrug nach Angaben des Auktionshauses rund 77 Mio. US-Dollar, der Verkaufserlös lag bei bescheidenen 37 Mio. US-Dollar. Und das obwohl 84 Prozent der Fahrzeuge verkauft werden konnten, den großen Abstand in der Schlussrechnung zum gewünschten Ertrag hatten die hochwertigen Fahrzeuge zu verantworten, von denen sehr viele stehenblieben und deren aufgerufene Schätzpreise nicht erreicht wurden. Im Durchschnitt stiegen die Bieter bei den Top-Fahrzeugen kurz vor der Zielmarke, also bei 85-90 Prozent des verlangten Schätzpreises aus. Die Chance auf Schnäppchen hielt sich in Grenzen, da auch Angebote, die ohne Mindestpreis (No-Reserve) angeboten wurden, keine Bietergefechte auslösten. Die Bieter sind da, aber sie sind disziplinierter und ziehen bei vielen Angeboten ihre Grenzen bei 8-12% unter den Aufrufpreisen.

Auch Bonhams, die am 17. Januar 2019 in Scottsdale 120 Klassiker angeboten hatten, war mit einem Gesamtwert an Fahrzeugen von rund 40 Mio. US-Dollar angetreten und mußte sich nach Abschluss der Auktion mit einem Gesamterlös von rund 16 Mio. US-Dollar zufriedengeben. Auch hier blieb das Ergebnis wegen der nicht veräußerten Supermodelle von Ferrari und Porsche bescheiden. Die Verkaufsquote betrug zwar 89 Prozent der angebotenen Fahrzeuge, da aber rund 80% der Fahrzeuge mit No-Reserve aufgerufen wurden, konnten im Schnitt nur rund 70‘% der mittleren Schätzwerte erreicht werden. Kaufgebote waren vorhanden, aber nicht in der geforderten Höhe. Die Bieter deckelten auch hier die Marktpreise.

Auch die letzte Auktion in Scottsdale, die vom Auktionshaus Gooding & Co. am 18. und 19. Januar mit rund 125 Fahrzeugen an den Start ging, verkaufte nur rund 85 Prozente der angebotenen Fahrzeuge. Auch bei Gooding & Co. wurden im Schnitt lediglich 77 Prozent des mittleren Schätzwertes geboten und die Fahrzeuge ohne No-Reserve nicht verkauft. Ausnahme bildete ein Ferrari 250 GT SWB aus dem Jahre 1963, der für rund 7,6 Mio. US-Dollar verkauft wurde. Nicht unerheblich in der Gesamtbetrachtung auch die angebotenen 23 Fahrzeuge der Marke Porsche, von denen 21 Fahrzeuge neue Besitzer fanden. Insgesamt waren von den aufgebotenen Fahrzeugen im Wert von rund 71 Mio. US-Dollar nach zwei Auktionstagen rund 48 Mio. US-Dollar realisiert. Das beste Auktionshausergebnis im Januar 2019 in den USA.

Ob sich diese Trends im Bieterverhalten auch im Februar 2019 in Paris fortsetzen, bleibt abzuwarten, denn vom 6. Februar 2019 bis 8. Februar werden die Auktionshäuser RM/ Southeby´s, Bonhams und Artcurial in Paris rund 370 Automobile aufbieten und Artcurial bringt zudem noch eine komplette Sammlung MV Agusta Motorräder in den Verkauf.