Historie der Custom Cars

[GTÜ] Amerikas erster Custom Car steht heute im Museum für Moderne Kunst in New York. Von Millionen von Kunstfreunden und Autofans aus aller Welt bestaut, ist aus dem „früheren Protestauto“ der Nachkriegszeit heute ein Kunst- und Kultgegenstand geworden.

Erste Custom Cars, also „handgefertigte Wagen“, entstanden in den späten vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zunächst in Kalifornien. Frei von Massen- und Fließbandproduktion entwickelte sich rasch eine Bewegung, die unter dem Namen „Custom Car“ Amerikas Automobilproduktion mehr beeinflusste, als dies von den traditionellen Herstellern jemals zugegeben wurde. Nicht wenige der schönsten, aufwendigsten und teuersten Unikate haben selbst eine Hollywoodkarriere gemacht, die denen ihrer berühmten Fahrer in nichts nachsteht. Einer der Hauptprotagonisten, Georg Barris, eine König der Customizers in den 50er bis 60er Jahren hatte mit seinem Bruder Sam im September 1946 das gemeinsam gebastelte Fahrzeug mit wuchtigem Achtzylinder-Motor aus ihrer kleinen Hinterhofgarage auf die Straße geschoben, den Zündschlüssel rumgedreht und losgedonnert. Die Fan-Gemeinde wuchs schnell und stellte immer wuchtigere Modelle auf die Straße. Es bildeten sich damals allmählich diverse Custom Car-Richtungen heraus. Für die meisten Pioniere waren zunächst die Ford Mercury Modelle die Basis für Custom Cars, es folgten Chevrolets und Plymouth – hauptsache nicht schlicht und ruhig. Nach den zunächst offenen Custom Rods der 50er Jahre folgten bald die geschlossenen wuchtigen Custom-Car Limousinen – Präsentation, Farben und Innenausstattung wurden jetzt wichtiger als Motoren. Ende der 60er Jahre lud General Motors zur ersten prunkvollen Custom Car Wanderausstellung und die Medien hatten das Thema über Nacht entdeckt. Heute hat das Thema in den USA eine Fangemeinde von rund 30 Millionen Leser und eine Unmenge an Fachzeitschriften und Veranstaltungen. Eines der wichtigsten Custom Car Treffen in Deutschland ist das „Kustom Kulture Bottrop“, das jährlich auf dem Flughafen Schwarze Heide in Bottrop stattfindet. Wer einmal dort war versteht das Custom Fieber dieser Fangemeinde. Begonnen hat das Ganze in Deutschland, als 1986 der Zigarettenhersteller Philip Morris eine Ausstellung der besten und teuersten Custom Cars nach Europa brachte. Heute ist der Markt der Custom Cars ein Millionengeschäft. Profi-Hersteller von Farben, Wachs, Chrompflegemittel, Goldgravuren und anderen Zubehörteilen zeitigen Fahrzeuge, die für Normalbürger nahezu unerschwinglich sind und häufig das fünf- und mehrfache kosten, als das Original vom Fließband. Der Preis hingegen ist gerechtfertigt, da in manchen Custom Cars mehrere Jahre Arbeit stecken. Eine internationale Vereinigung zur Regelung von Custom-Car-Fälschungen wurde bereits Mitte der 80er Jahre gegründet. Die von Designern und Autoshowveranstaltern gegründete ISCA International Show Car Association ist auch jene Vereinigung, die Custom Cars entsprechend definierte. Ein echter Custom Car besitzt demnach eine selbsttragende Stahlkarosserie, die nur mit großen technischen Eingriffen verkürzt oder verlängert werden kann. Dabei muss das Basisauto in zwei Teile zerlegt und wieder zusammengesetzt sein. Alle Änderungen am Ausgangsprodukt werden mit Punkten bewertet. Aufgeklebte Plastikteile sind grundsätzlich unerwünscht. Die ISCA kennt Ende der 90er Jahre rund 171 Fahrzeugklassen, die in zehn Kategorien eingeteilt wurden. Aktuell kennt der ISCA „Classification and Rules Catalog“ rund 52 Seiten an Richtlinien zum Bau von Custom Cars. Nebenstehendes Custom Car ist ein Ford 34 Coupe, ein sogenannter Street Rod, der in drei Jahren Arbeit entstand. Die Alukarosserie ist handgearbeitet, der 7,6 Liter-Motor leistet 480 PS.

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