GTÜ: Rometsch Lawrence Cabriolet zu Gast

[ct-red] Einer der Stars auf der diesjährigen Veterama war am Stand der GTÜ zu bewundern: Ein seltenes Rometsch Lawrence Cabriolet war der Publikumsmagnet des GTÜ Standes in Halle 1 am Stand 4. Der seltene Roadster (siehe Foto) wurde von der Karosseriefirma Rometsch aus Berlin auf Basis eines VW Käfers 1959 hergestellt.

Elegant in rot-weißer Lackierung, die übrigens perfekt zu den GTÜ-Farben passte, stand das extravagante Luxusgefährt aus den Goldenen Jahren des Wirtschaftswunders in der Halle des größten Veteranenmarktes auf dem europäischen Festland. Und weil die GTÜ am Stand so viele Fragen zu diesem Fahrzeug erhalten hat, hier die Geschichte in groben Zügen. Friedrich Rometsch arbeitete gemeinsam mit seinem späteren Mitarbeiter, dem berühmten Designer Johannes Beeskow, beim renommierten Karosseriebauer Erdmann&Rossi in Berlin. Diese Firma warf zum Beispiel den atemberaubenden Kompressor-Mercedes-Roadster in Schale, der an den König des Iraks ausgeliefert wurde. Heute gibt es davon eine Kopie im Auto- und Technikmuseum Speyer zu sehen. Das Original soll, eine der großen Legenden, in Bagdad in einem ehemals königlichen Keller verrotten. 1924 gründete Friedrich Rometsch sein eigenes Unternehmen in Berlin. Die Beziehung zu VW begann in den ganz frühen 50ern, als sein Konstrukteur Johannes Beeskow Käfern das Chassis verlängerte und sie zu viertürigen Taxen umbaute. 1951 entstand schließlich, ebenfalls auf Basis der Käferplattform, bei Rometsch ein Sportmodell, das als Coupé und Cabriolet ausgeliefert wurde. Heute benannt nach seinem Schöpfer, ist es der Rometsch Beeskow, gebaut bis 1956, der auch als „Blechbanane“ in die Geschichte eingegangen ist. Die glatte gestreckte Pontonkarosserie mit den „Radpfeifen“, langen Zierblenden über den Radläufen, sollte stilbildende Wirkung auf den Sportwagenbau in Deutschland haben. Johannes Beeskow ging später zu Karmann in Osnabrück und wurde einer der Väter des Karmann-Ghia, ein Welterfolg. Das Nachfolgemodell des „Rometsch Beeskow“ wurde von 1957 bis 1961 der „Rometsch Lawrence“, ebenfalls benannt nach dem Designer, Bert Lawrence, der zuvor auch Möbel gestaltet hatte. Der sehr gelungene Entwurf errang 1957 die Goldene Rose auf dem Genfer Automobilsalon. 1200 Stunden Arbeit steckten jedoch in jeder der Karosserien aus Aluminium, und das Auto wurde für etwa 8000 DM verkauft. Mehr konnte man auf dem Markt nicht verlangen, denn ein Borgward Isabella Coupé mit 75PS, das waren 45 mehr, kostete keine 11.000 Mark. Da war kein echter Gewinn zu machen. Zudem musste Rometsch für die benötigten Fahrgestelle über Strohmänner ganze VW kaufen, weil Volkswagen-Patriarch Heinrich Nordhoff keinerlei Interesse an Konkurrenz zum eigenen Karmann-Ghia hatte, der ab 1955 gebaut wurde. Das Ende des Rometsch Lawrence ist eine echte deutsch-deutsche Tragödie. Als 1961 über Nacht die Berliner Mauer gebaut wurde, konnte plötzlich die Hälfte der gut 90 Mitarbeiter nicht mehr ihren Arbeitsplatz erreichen. Somit war abrupt Schluss für einen der schönsten Entwürfe der deutschen Nachkriegszeit. Die Firma Rometsch existierte bis ins Jahr 2000. Zuletzt wurden Busse umgebaut und Unfallwagen instand gesetzt. Text/Fotos: Achim Gandras. Mehr zu den VW-Sonderkarosserien der 50er Jahre gibt es unter dem nachfolgenden Link.

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