Entwicklungsaufträge bei VW, die nie in Serie gingen

[ct-red] Bei Volkswagen begann die Entwicklung neuer Fahrzeuge meist unspektakulär mit einer EA-Nummer. EA steht für Entwicklungsauftrag, und davon zeigt Volkswagen Classic im Automuseum derzeit einige EA-Modelle, die nie in Serie gingen, aber als Vorserie oder Studie die Entwicklung der Modelle vorantrieb.

Der neue, aktuell am Markt eingeführte Volkswagen UP! hat einen Ur-Ahnen, der bereits alle revolutionären Eigenschaften eines Kleinwagens aufweist. Die Rede ist vom Entwicklungsauftrag EA 48, der 1955 mit einem für damalige Verhältnisse fortschrittlichen Technik-Package aufwartete. Noch heute sind viele innovative Details dieses Prototyps in allen Kompaktklassewagen selbstverständlich. Der "Entwicklungsauftrag 48" war nicht nur die erste Wolfsburger Kleinwagenkonstruktion, obwohl der Käfer bereits seinen Siegeszug angetreten hatte. Volkswagen wollte auch den Markt unterhalb des Käfer-Bestsellers bedienen. Der von Entwicklungsingenieur Heinrich Seibt vorgegebene Masterplan für den EA 48 liest sich noch heute zeitgemäß: kompakte Abmessungen bei höchstmöglichem Nutzwert, vier Sitze, Frontantrieb. Der kleine Viersitzer trumpfte mit zahlreichen erstaunlichen Details auf. So besaß er als erster frontgetriebener Kleinwagen überhaupt ein Schrägheck: ein Gestaltungsmerkmal, das sich in der Kompaktklasse erst in den 1970er Jahren endgültig durchsetzte und damals die Antwort der Stylisten auf die Vorgabe war, auf kleinstem Raum maximale Raumökonomie zu erzielen. Ebenfalls zukunftsweisend: die selbsttragende Pontonkarosserie und die kleinen 13-Zoll-Räder, die bei Continental speziell für den Prototyp angefertigt wurden. So entstand ein kleines Raumwunder, dessen Innenmaße die der Wettbewerber deutlich übertraf. Der spätere VW-Transporter-Entwickler Gustav Mayer gab dem EA 48 eine weitere Innovation mit auf den Weg: Ihm gelang es erstmals, das platzsparende McPherson-Prinzip mit Frontantrieb und dessen Lenkmechanismus zu kombinieren. Heute steckt die Kombination aus Schraubenfeder, Stoßdämpfer und Querlenker in nahezu allen Fahrzeugen mit Frontantrieb. Ein anderer Entwicklungsauftrag, der als Vorläufer des Golf gilt, war der EA 266, der Ende der 60er Jahre unter VW-Chef Dr. Kurt Lotz an die Dr. Ing. h. c. F. Porsche KG vergeben wurde. Volkswagen hatte im Lastenheft u.a. folgende Forderungen aufgestellt: der neue VW sollte sportlich, komfortabel, fahrsicher, geräumig und kompakt sein. Volkswagen entschied sich 1972 gegen die Produktion des EA 266, da der EA 337 – der Golf – zu diesem Zeitpunkt serienreif war. Der präsentierte EA 266, eine Leihgabe der Autostadt, ist eines von zwei noch existierenden Exemplaren dieses Typs. Kommen wir zum dritten EA, der derzeit im Automuseum zu bewundern ist. Der EA 272, gemeinhin als Vorläufer des Passat vorgestellt, kam mit der raumsparenden Queranordnung des Motors in die Entwicklung. Für das Design des EA 272 zeichnete der Italiener Giorgio Giugiaro verantwortlich. Der erste Serienpassat erschien jedoch als Audi 80-Parallelmodell mit längs angeordnetem Motor.

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