Der Markt für klassische Fahrzeuge ist weiter unter Druck

Disziplinierte Bieter bleiben unter den Aufrufpreisen
In den Pariser Auktionen blieb so manche Ikone stehen

Das Bieterverhalten, das sich Anfang des Jahres 2019 in den Januar Auktionen am US-Markt bei Gooding & Co., Bonhams und RM/ Sotheby´s deutlich gezeigt hat, ist auch in Paris und damit in Europa angekommen. Fahrzeuge, um die sich bislang die Bieter mit immer neuen Höchstgeboten stritten, bleiben stehen da die Gebote bei durchschnittlich rund 85% der Aufrufpreise beendet und die Marktpreise gedeckelt wurden. In allen drei Auktionen, die vom 06. bis 08. Februar 2019 in Paris stattfanden, beendeten die Bieter teilweise kurz vor Erreichen des Zuschlagspreises ihre Gebote und die Fahrzeug wurden aus dem Angebot genommen. Diese Tendenz war bei allen drei Auktionen identisch (siehe die Abb. 1 bis 3 der nichtverkauften hochwertigen Sammlerfahrzeuge). 

Die gute Nachricht: Der Trend geht im Moment weiter in Richtung junge Klassiker unter 30 Jahren und hier räumt eine neue Käufergeneration die Auktionsrampen ab. Kurzum: Klassische Fahrzeuge verkaufen sich nach wie vor immer noch bestens und vor allem die Jungen sorgen für frischen Wind. Traditionelle, mit hohem Image versehene Sportwagenmarken werden bei dieser neuen Käufergeneration immer beliebter, das Blech der Vor- und Nachkriegsjahre bis hin zur Wirtschaftswunderzeit scheint bis auf wenige Ausnahmen bei dieser jüngeren Generation nicht anzukommen. Fatal daran ist, dass diese Fahrzeuge von jener Generation eingereicht werden, die sich immer öfter aus Altersgründen von ihren Klassiker-Schätzen trennen. Die demographische Entwicklung sorgt für neue Sammlergenerationen und geändertes Bieterverhalten. Kurzum: Die Verkaufsofferten der Generation 70-80-jährige nehmen zu und die Generation 30-40-jährige sucht Automobile die ihrer Zeit entsprechen. Der Generationswechsel war abzusehen, welche Auswirkungen das in den nächsten Jahren für den Markt klassischer Automobile haben wird, bleibt abzuwarten. Erste Tendenzen lassen sich im Segment der hochpreisigen Sammlerfahrzeuge ablesen.

Diese Sammlerfahrzeuge im hochpreisigen Segment, die in den vergangenen drei Hochpreisjahren teilweise in schwindelerregende Preisregionen abgehoben sind, bekommen die Umkehr des Bieterverhaltens auch in Preis zu spüren. Eröffnet wurden die Auktionstage am 6. Februar 2019 von RM/ Sotheby´s, die Automobile im Gesamtwert von deutlich über als 50 Mio. Euro anboten, davon auch 76 Prozent verkaufen konnten, aber unter dem Strich gerademal 32 Mio. Euro Umsatz erzielten. Schuld an diesem Ergebnis waren vor allem die teuren und eigentlich sehr gesuchten Sammlerfahrzeuge der Marken Aston Martin, Bugatti, Ferrari, Porsche und andere seltene Klassiker. Kaum zu verstehen, dass ein Ur-Porsche 911 aus dem Jahre 1964 (Lot 141), der für 600.000 bis 800.000 Euro angeboten wurde, bei 540.000 Euro von den Bietern abgeriegelt wurde. Das Fahrzeug konnte trotz Erreichung von 90% des geforderten Aufrufpreises nicht verkauft werden. Ebenso erging es dem Porsche 911 aus dem Jahre 1965, der bei 170.000 Euro Höchstgebot aus dem Rennen genommen wurde. Das gleiche bei Ferrari oder den sehr jungen Bugatti Veyron 16.4 Angeboten, die allesamt für Ergebnisse zwischen 84 und 93 Prozent des gewünschten Aufrufpreises nicht verkauft wurden (siehe hierzu die Abb. 1 RM/ Sotheby´s – Nicht verkaufte hochwertige Sammlerfahrzeuge). Besser schlugen sich die „Jungen Klassiker“ mit vernünftigen Preisen und sehr vielen Bietern des überraschend sehr jungen Publikums.

 Auch Bonhams konnte mit seinem Angebot diesen Trend nicht durchbrechen und bot am 7. Februar 2019 rund 140 Automobile im Grand Palais auf mit einem Gesamtwert von rund 32 Mio. Euro an. Davon konnten am Ende des Tages als Verkaufsquote rund 68 Prozent als verkauft angesehen werden und ein Umsatz von rund 11,5 Mio. Euro notiert werden. Die Diskrepanz zwischen Gesamtvolumen und erzieltem Umsatz hatten auch hier die teuren Fahrzeuge zu verantworten. Als Beispiel mögen hier die beiden Mercedes-Benz Roadster 300 SL und 190 SL dienen, Ikonen unter den Sammlerfahrzeugen, die noch vor einem Jahr wahre Bietergefechte ausgelöst hätten. Der Mercedes-Benz 190 SL mit moderaten 160.000 Euro als unterster Zuschlagspreis aufgerufen, wurde noch im vergangenen Jahr auf sehr vielen Messen zwischen 180.000 und 210.000 Euro gesehen. Die Gebote endeten in Paris bei 130.000 Euro und der Wagen ging als nicht verkauft zurück. Ebenso erging es dem Mercedes-Benz 300 SL, der für rund 1 Mio. aufgerufen wurde und bei 820.000 Euro aus dem Rennen genommen werden mußte. Zu den nicht verkauften zählten auch bei Bonhams die Ikonen von Porsche, Maserati, Bugatti und vor allem Ferrari von denen gleich zwei Ferrari 250 GT Berlinetta als nicht verkauft zurückgingen. Während der 1956 mit einer Million Euro angeboten und bei 940.000 Euro gestoppt wurde, ging der zweite mit 600.000 Euro in die Auktion und wurde bei einem Höchstgebot von 550.000 Euro zurückgezogen (siehe hierzu Abb. 2 Bonhams - Nicht verkaufte hochwertige Sammlerfahrzeuge).

 Als letztes Auktionshaus ging am 8. Februar der Platzhirsch Artcurial mit 146 Automobilen im Gesamtwert von rund 72 Mio. Euro an den Start. Am Samstag, 9. Februar folgte dann noch die Versteigerung einer umfangreichen MV Agusta-Sammlung, die regen Zuspruch und gute Ergebnisse hatte. Bei der Automobilauktion waren allein bei Artcurial rund 2000 Bieter und Zuschauer im Auktionsgebäude, doch auch hier waren es die Fahrzeuge aus dem Hochpreissegment, die das Ergebnis eintrübten. Allein die eingelieferten Bugattis vom Typ 51 Grand Prix, der Typ 49 und ein von Gangloff karosseriertes Cabriolet vom Typ 57 C blieben stehen, da die aufgerufenen Preise wegen nicht ausreichender Gebotshöhen stehen blieben. Für den Bugatti 51 Grand Prix war statt der gewünschten 4 Mio. Euro gerademal 3.3 Mio. Euro geboten worden. Nicht anders erging es dem für mindestens 3.8 Mio. angebotenen Porsche 550 A Spyder aus dem Jahre 1957, der bei 3.3 Mio. als unverkauft zurückging. Das gleiche Schicksal teilten sich ein Maserati A6 GCS Fiandri, der statt der gewünschten 3.75 Mio. Euro ebenfalls bei 3.3 Mio. Euro zurückgezogen wurde. Nicht verkauft wurden auch beide Mercedes-Benz 300 SL Roadster aus dem Jahre 1958, die etwas über eine Mio. Euro erzielen sollten, aber bei denen bei 880.000 Euro bzw. 950.000 Euro die Gebote eingestellt wurden (siehe hierzu Abb. 1 Artcurial – Nicht verkaufte hochwertige Sammlerfahrzeuge). Artcurial hatte aber auch 14 jüngere Automobile im Angebot, einen Mercedes-Benz 500 E (1994), einen Ferrari 512 TR (1992), einen BMW Z1 (1990) und weitere neun attraktive Youngtimer, die allesamt neue Besitzer fanden. Unterm Strich beendete Artcurial seine Automobilauktion mit einer Verkaufsquote von 66 Prozent, die durchschnittlich rund 83 Prozent der aufgerufenen Preise erreichten.