Charta von Turin: Historische Debatte

[GTÜ] Vor drei Jahren, am 25.10.2008 hatte die FIVA auf ihrer Generalversammlung die neuen Definitionen für historische Fahrzeuge verabschiedet. Nun folgte Anfang 2011 ein neues Diskussionspapier, die „Charta von Turin“, mit den Positionen zum Begriff „Historisch wertvoll.“

Zum Hintergrund der neuen Diskussion: Die Charta von Turin wurde ohne Mitwirkung der in der FIVA organisierten Oldtimerclubs und –vereine von einem FIVA-Mitgliederteam und professionellen Restauratoren erarbeitet. Die Working Group um Thomas Kohler, Gundula Tutt, Rainer Hindrischedt und Yves Campion veröffentlichten die Charta von Turin als Diskussionspapier und hatten zumindest einen Erfolg zu verbuchen. Sie ernteten nicht nur Zustimmung, sondern auch harsche Kritik für ihren Vorstoß. In Anlehnung an ähnliche Satzungen zur Erhaltung von historisch technischen Errungenschaften wie Schiffe und Eisenbahnen, sowie der bekannten Charta von Venedig zur Denkmalpflege, erarbeitete das FIVA-Team die vorliegende Charta von Turin. Dem Vorschlag alle Oldtimer möglichst in originalem Zustand zu belassen und auf Komplett- und Überrestaurierungen weitesgehend zu verzichten, wird aber nicht von allen Oldtimerfreunden mitgeragen. Dabei hätte man die jetzige kontrovers und hitzig geführte Debatte zwischen „Restaurations-Fundamentalisten“ und „Modernisierern“ ganz einfach vermeiden können, wenn die „guten Absichten der Charta von Turin“ zunächst in den nationalen Mitgliedsverbänden diskutiert worden wären. Das gebietet schon die Organisationsform des FIVA Weltverbandes. Die Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA) ist der Weltverband aller Oldtimer-Clubs. Die 1966 gegründete Organisation repräsentiert derzeit über eine Million Oldtimerfreunde in 60 Ländern. In Deutschland sind neben der ADAC Oldtimer-Sektion, der Allgemeine Schnauferl-Club (ASC) und der Deutsche Automobil-Veteranen-Club e.V. (DAVC) in der FIVA organisiert. Das Präsidium der FIVA vergibt zudem in den jeweiligen nationalen Sektionen immer einem Mitgliedsverband den sogenannten ANF-Status (Autorité Nationale de la FIVA). Mit dem Beschluss des FIVA-Präsidiums vom 12. April 2008 hat in Deutschland die ADAC Oldtimer-Sektion diesen ANF-Status. Zuvor hatte der DEUVET diesen Status inne. Die auf der FIVA Generalversammlung am 25.10.2008 verabschiedete Definition für historische Fahrzeuge wurde von der ADAC Oldtimer-Sektion wie folgt übersetzt: „Ein historisches Fahrzeug ist ein mechanisch angetriebenes Fahrzeug das mindestens 30 Jahre alt ist, das in einem historisch korrekten Zustand erhalten und gewartet wird, dessen Nutzung nicht auf täglichen Transport ausgerichtet ist und wegen seines technischen und historischen Wertes bewahrt wird.“ Soweit der Wortlaut, der damit weitestgehend der nationalen, deutschen Definition zur Erlangung eines Historischen Kennzeichens (H-Kennzeichen) entspricht. Die nunmehr veröffentlichte Charta von Turin ist eine Zusammenfassung von Grundsätzen, welche die Nutzung, den Unterhalt, die Konservierung, die Restaurierung, und die Reparatur von im Betrieb stehenden historischen Fahrzeugen anleiten soll. Die gesamte Charta, die derzeit in drei Sprachen vorliegt, kann in ihrer deutschen Fassung auf der FIVA-Internetpräsenz heruntergeladen oder online eingesehen werden.

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