125 Jahre Automobil an der Saar

[GTÜ] Das Stadtarchiv Saarbrücken zeigt noch bis zum 30. Mai historische Fotos, Werbeanzeigen, Filme und Modellautos zur 125-jährigen Geschichte des Automobils im Saarland. Die Ausstellung nimmt die Spur des Automobils im Jahre 1888 auf.

Denn im Jahr 1988 soll ein Motorwagen von Carl Benz nach Ensheim, einem Vorort von Saarbrücken, geliefert worden sein. Damit wäre eines der frühesten Automobile der Welt im Saarland gelaufen. Eine faszinierende Anekdote, einzig historische Belege lassen sich dafür nicht finden. Nachweisbar allerdings ist, dass der Arzt Dr. Max Schaede in St. Johann 1895 ein Velociped von Benz bekam. So bleibt in der ersten Phase der Ottomotor-getriebenen Mobilisierung festzuhalten, dass sich die geografische Lage des Saarlands insofern als günstig erweist, als die Nähe sowohl zu den Geburtsstätten des (deutschen) Automobilbaus in Bad Cannstatt (Gottlieb Daimler) und Mannheim (Carl Benz) wie auch zu Frankreich gegeben war, jenem Land, in dem Automobilisierung nach der Weltausstellung 1889 in Paris rasant voranschritt. Während der „goldenen“ zwanziger Jahre beflügelt der starke französische Einfluss den Autohandel im Saargebiet; die ersten „Garagen“ entstehen, große Betriebe, die unter einem Dach die Funktionen eines Autohauses, einer Reparaturwerkstatt, einer Tankstelle und eines Parkhauses vereinen. Die Zahl der zugelassenen Wagen in Saarbrücken steigt von 1923 auf 1924 um 87,2 Prozent, was nicht bedeutet, dass das Automobil zum Massenartikel geworden war. 1930 sind erst ca. 10.000 Autos in Saarbrücken zugelassen. Nach den Jahren des Dritten Reiches, die u.a. durch Fotos von einem Besuch Hitlers in Saarbrücken veranschaulicht werden, bleibt das Saarland unter dem Einfluss seines westlichen Nachbarn. So lagen die Preise für französische Autos im Saarland noch bis 1969 um bis zu 20 Prozent unter denen in der übrigen Bundesrepublik und bis heute hat Peugeot hier einen Marktanteil von 20 Prozent (im Vergleich zu knapp 3% deutschlandweit). Neben der Entwicklung zur Massenmotorisierung zeigt das Saarbrücker Stadtarchiv die Zusammenhänge zur Stadtentwicklung und zur Wirtschaftsstruktur im Saarland auf. Neben Hinweisen auf eine über 100-jährige Tradition saarländischer Automobilzulieferer fehlt auch nicht der auf die Firma ZF, die heute der größte Arbeitgeber in Saarbrücken ist. Im Begleitprogramm zur Ausstellung findet sich u.a. der Saarbrücker Oldtimer Concours, der am 6. Mai um 10.00 Uhr am Gustav-Regler-Platz in Saarbrücken startet. Das Buch zur Ausstellung vermittelt auf 239 Seiten und unterstützt von 240 Abbildungen weit über die Ausstellung hinausgehende Informationen.

weitere Informationen