120 Jahre Dieselpatent und 100. Todestag

[ct-red] Der Selbstzünder, Diesel oder die "Verbrennungskraftmaschine mit hohem Wirkungsgrad" ist heute im Verkehr kaum mehr wegzudenken. Ob Pkw, Busse, Lkw oder Schiffe, sie alle profitieren von einer Erfindung, die vor rund 120 Jahren im Jahre 1893 von Rudolf Diesel als Patent angemeldet wurde: dem Dieselmotor.

Die Historie berichtet von einem Experiment im Physiklabor der Augsburger Industrieschule, die für den jungen Rudolf Diesel eine Initialzündung gewesen sein muss. Das so genannte "Pneumatische Feuerzeug" (durch Verdichtung wird Luft in einem Zylinder so stark erhitzt, dass sich der Docht daran entzündet) weckt in Diesel die Idee zu einer Wärme-Kraftmaschine, die durch verdichten von reiner Luft den Kraftstoff entzündet: der sogenannte Selbstzünder. Vertiefende Kenntnisse in den Thermodynamik-Vorlesungen des Professors Carl von Linde brachten Diesel schließlich bei der Suche nach einem besserem Wirkungsgrad voran. Seine Ausbildung in Augsburg beendet Diesel als Jahrgangsbester und wechselt anschließend als Volontär zur Lindeschen Eisfabrik in Paris. 1881 steigt er bei Linde zum Direktor auf, meldet bereits einige Patente an und heiratet seine Frau Martha Flasche im Jahr 1883. Nach der Weltausstellung 1889 in Paris wechselt er 1890 im Auftrag der Firma Linde nach Berlin. Dort wird er Vorstand der neu gegründeten Aktiengesellschaft für Markt- und Kühlhallen. Mit im Gepäck: Ideen, Zeichnungen und Pläne für seine Wärmekraftmaschine. Versuche, sein Konzept der Gasmotoren-Deutz AG anzubieten, scheitern erst einmal im Jahr 1892. Ein Jahr später schließt er mit der Maschinenfabrik Augsburg (später MAN) einen Vertrag über den Bau einer Versuchsmaschine ab. Finanziell beteiligt an diesem Projekt ist auch die Firma Friedrich Krupp. Zeitgleich erhält Diesel das Patent mit der Nummer 67207 erteilt. Die ersten Motoren, die in Augsburg entstehen, geben zunächst wenig Hoffnung auf eine zufriedenstellende Serienreife. Nicht selten explodieren die Motoren, da die Einspritzung des Kraftstoffes zunächst Probleme bereitet. Erst der Dialog und fachliche Austausch mit Robert Bosch bringen Diesels Entwicklung wieder voran. Mit einem sogenannten Abnahmeprobelauf an der Technischen Hochschule München wird Rudolf Diesel die Funktionstüchtigkeit des Motors bescheinigt. Der Dieselmotor ruft seine ersten Neider hervor. Sowohl die Gasmotorenfabrik Deutz als auch der französische Ingenieur Emil Captaine bestreiten Diesels Patent. Trotz dieser Seitenhiebe ist der Siegeszug des Dieselmotors nicht aufzuhalten - und mit dem Erfolg kommen die Sorgen, geschäftlichen Fehlentscheidungen und finanzielle Verluste. Im Bewußtsein sein gesamtes Vermögen bereits verloren zu haben, die Auflösung der Augsburger Fabrik vor Augen, macht sich Diesel Ende September 1913 an Bord des Dampfers "Dresden" auf den Weg ins englische Harwich, um dort britische Geschäftsleute zu treffen. Er sollte dort nie ankommen. Bei der Ankunft des Schiffes war die Kaküte leer, von Diesel keine Spur. Zwei Wochen später fand die Besatzung eines Lotsenbootes die Leiche des genialen Erfinders. Die genaue Todesursache wurde nie geklärt.

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