Baujahr 1992: Nachschub für das H-Kennzeichen im Jahr 2022 / Genf zeigte erste Elektroautos, düstere Stimmung auf der IAA

Das Automobiljahr 1992 startet in Genf mit dem 62. Automobilsalon und dem Schwerpunkt Elektroantrieb. Im Rahmen einer Sonderschau präsentieren die Marken Volkswagen den Chico, BMW den E1 und General Motors den Impact. Allesamt Elektroautomobile und erste Ansätze wie sich die Hersteller die Zukunft des Autos vorstellen. Gedauert hat diese Elektroinitiative dann rund 30 Jahre, bis sie so richtig ans Laufen kam. Das gilt auch für die internationale Konferenz für Umweltschutz und Entwicklung, die im Juni 1992 in Rio de Janeiro stattfand und strengere Gesetze zur Verringerung der Abgas-Emissionen forderte. An beide Themen kann also getrost im kommenden Jahr 2022 das H-Kennzeichen vergeben werden, denn getan hat sich seither nicht viel.

Schneller voran kam hingegen der Aufruf des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (CDU), der eine Erhöhung des Benzinpreises im September 1992 auf dem Deutschen Umwelttag forderte. Kurz zuvor hatte die IAA in Frankfurt a.M. ihre 55. Internationale Automobil-Ausstellung eröffnet, die trotzt zurückliegender Rekordergebnisse eher ein düsteres Stimmungsbild zeichnete. Angesichts eines gesättigten ostdeutschen Automarktes und einer allgemein schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage befürchteten die Autohersteller negative Auswirkungen auf das Konsumverhalten. Gleichwohl wurden in 1992 rund 4,39 Mio. Personenkraftwagen produziert und die Autohersteller überboten nochmals das Ergebnis des Vorjahres. Mit rund 437 Pkw auf 1000 Einwohner war Deutschland hinter Italien (486) der stärkste motorisierte europäische Staat. Die USA kamen 1992 auf 560 Pkw pro 1000 Einwohner. Umweltthemen, strengere Abgasgesetze, steigende Benzinpreise und eine eingetrübte Wirtschaftslage wirkten sich deshalb auch auf die Automobilindustrie aus. Allen voran brachten Fiat, Renault und Daihatsu neue Kleinwagen auf den Markt.

 

Fiat Cinquecento und das Raumwunder Renault Twingo

Fiat präsentierte mit dem Modell Cinquecento zum einen den lang erwarteten Nachfolger des legendären 500 und zum anderen basierte der Fiat Cinquecento auf einer großangelegten Umfrage unter Frauen. Die weiblichen Verkehrsteilnehmer sollten Ausstattungsdetails für einen Kleinwagen nennen und ihre Prioritäten beim Autokauf verraten. Kein Wunder also, dass Fahrleistungen sekundäre Bedeutung hatten. Klein sollte er sein, wenig verbrauchen, in jede Parklücke passen und neben einer farbenfrohen Ausstattung ansprechende Farben und einen großzügig bemessenen Shopping-Laderaum besitzen. Gefertigt wurde der 4-Zylinder mit 899 ccm Hubraum und einer Leistung von 29 kW bei Polski-Fiat.

Ähnliche Zielgruppen verfolgte Renault mit dem neuen Raumwunder Twingo, der zudem einige ungewohnte Stilelemente aufwies. Variable, verstellbare Sitze und umklappbare Rückbänke, boten ein Platzangebot eines Mittelklassewagens. Die Motorisierung des Renault Twingo stand aber im krassen Gegensatz zu seiner ungewohnten äußeren Erscheinung. Zum Einsatz kam ein 1.3 Liter-Motor, der bereits in den 1960er Jahren bei Renault seinen Dienst tat und mit 55 PS ausreichende Fahrleistungen besaß. Die Ausstattung beschränkte sich auf das Notwendigste, was sich auch auf den Preis auswirkte. Rund 16.000 DM kostete das Basismodell mit seiner wärmedämmenden Rundumverglasung.

Am anderen Ende der Modellpalette des Jahres 1992 stehen dann die luxuriösen Sportcoupes der Oberklassen. Allen voran das Aston Martin Vantage Sportcoupe. Das neue Spitzenmodell der britischen Traditionsmarke gehörte 1992 zu den weltweit leistungsstärksten Sportwagen. Angetrieben von einem neuentwickelten Achtzylinder-V-Motor, der über zwei Kompressoren 550 PS entwickelte, lagen die Spitzengeschwindigkeiten bei rund 300 km/h. Das 5.341 ccm Hubraum-Modell kostete 1992 rund 500.000 DM.

Ein anderer Vertreter der Super-Sportwagen sollte der Tatra MTX werden, der auf dem Prager Autosalon 1992 als Prototyp vorgestellt wurde, aber wegen der wirtschaftlichen Probleme der Marke Tatra nicht in Serie ging. Der Super-Sportwagen sollte einen V8-Motor bekommen mit 4.0 Liter Hubraum und 218 PS Leistung, der immerhin noch für eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h sorgte. Ein weiterer Super-Sportwagen kam aus England, denn von dem legendären Jaguar XJ 220, von dem gerademal 275 Exemplare gefertigt wurden, waren alle schon beim Marktstart verkauft.

Daimler-Benz war 1992 vor allem mit der Neugliederung seiner E-Klasse beschäftigt und mit der damit verbundenen Voranstellung der alphabetischen Buchstaben vor den Ziffern der Hubraumbezeichnung. Im Bereich der hubraumstarken S-Klasse W140 folgte 1992 das Coupe C140. Auch hier das zeitlos wirkende Design mit den charakteristischen „Sacco-Brettern“ und beim Luxus-Coupe Mercedes-Benz 600 SEC mit einem leistungsstarken Zwölfzylinder. Für kostensensiblere Kunden hatte man auch V8-Motoren im Angebot, die die Baureihe C140 antrieben. Aber auch hier folgten die Namensänderungen in zwei Schritten. Aus dem 600 SEC wurde das S 600 Coupe und später das CL 600 Coupe, bevor die Baureihe 1998 eingestellt wurde und die Nachfolgermodelle antraten. Mit H-Kennzeichen und der damit verbundenen Einheitssteuer kann so ein Dickschiff, das zudem recht günstig zu haben ist, durchaus viel Fahrspaß bieten.

 

US-Fahrzeuge 1992 weiterhin mit großen Motoren

Die US-Hersteller blieben bei ihren bewährten Konzepten, große Motoren, viel Platz und tradiertes US-Design. Die zu Ford gehörende Marke Lincoln brachte 4.6 Liter Lincoln Mk VIII mit neugestalteter Karosserie. Chrysler schob zwei 6-Zylinder-Modelle auf den Markt, die dem neuen Tempolimit in den USA Rechnung trugen. Der Chrysler Concorde und der Chrysler New Yorker der Baujahre 1992 waren beide auf 180 km/h gedrosselt.

Chevrolet brachte den Chevrolet Corvette 5.7 V8 Sportwagen als Targa und Cabriolet auf den Markt und eine Neuauflage des zweitürigen Chevrolet Blazer K 5.7 mit einer ungewöhnlich reichhaltigen Sonderausstattung. Cadillac stellte eine 5.7 Liter V8 Limousine vor, die als Cadillac Fleetwood mit 5.7 Meter Länge in der Tradition der Straßenkreuzer stand. Ford brachte einen sparsamen 4 Zylinder mit 2.0 Liter Motor heraus, der auch in Europa zahlreiche Käufer fand. Der Ford Probe Sportwagen basierte auf dem Modell Mazda MX-6 und war eine Neuauflage des bereits im Jahr 1988 veröffentlichten Vorgängermodells mit gleichem Namen.

Die von General Motor gegründete Marke Saturn schob 1992 eine Kombiversion seiner Limousine nach. Saturn SW-1 (Kombi) und Saturn SL-1 (Limousine) besaßen 4-Zylinder-Reihenmotoren mit 1.9 Liter Hubraum und leisteten 86 PS. Ende 1992 kam dann noch ein Saturn SC-1 Coupe hinzu mit gleicher Motorleistung. Eine weitere General Motors Tochter, die Marke Buick, brachte eine komplett überarbeitete Version des Buick Le Sabre auf den Markt. Die zu Chrysler gehörende Marke Jeep stellte ihren Geländewagen Cherokee in einer geräumigeren Version vor. Der Jeep Grand Cherokee 4.0 war sowohl als 6-Zylinder mit 193 PS als auch als V8 mit 223 PS erhältlich.

 

Europas Hersteller im Trend der Zeit

Die Hersteller in Frankreich brachten mit dem Renault Safrane 2.2 i eine Schrägheck-Limousine und mit dem Renault R19 ein Cabriolet heraus. Neu bei Renault 1992 war der Renault Espace RN als Nachfolger der bereits bekannten Großraumlimousine Espace. Peugeot brachte mit dem Peugeot 405 GL einen Mittelklassewagen heraus, während in Deutschland Volkswagen den Vento CL 1.8 vorstellte. Audi erweiterte seine Modelltypenreihe 80 um das Audi 80 Coupe, den Audi 80 Avant 2.6 E und den Audi 80 Avant RS2. Bei Opel kam das neue Spitzenmodell aus der Vectra Reihe und nannte sich Opel Vectra Turbo 2.0 i 16 V.

Großbritannien bereicherte den Automobilmarkt 1992 mit dem Jaguar XJ 6 Majestic. Während Land Rover den Range Rover LSE vorstellte, brachte AC, eine bis dahin zum Ford Konzern gehörende Marke und seit 1992 wieder eigenständig, den AC Ace heraus und McLaren präsentierte den Prototypen McLaren F1 Sportwagen, der von einem BMW 12-Zylinder-Motor befeuert wurde.

Sportlich und mit klarer moderner Linienführung die italienischen Hersteller. Allen voran die Marke Alfa Romeo, die mit dem Alfa Romeo R.Z. ein bemerkenswertes Cabriolet auf Basis des Zagato Coupes in einer limitierten Auflage von 1.000 Exemplaren am Markt anboten und mit dem Alfa Romeo 155 eine Stufenheck-Limousine mit kompakten Abmessungen lancierten. Ferrari brachte seinen Ferrari 512 TR, der als Nachfolger des Testarossa galt und den Ferrari 456 GT heraus, der im Jahre 1992 das neue Spitzenmodell der Marke war. Maserati stellte in seinem Programm den Maserati Ghibli V6 Biturbo vor.

 

Japan konterte mit Carina, Opti, Swift und Infiniti

Ganz im Trend der Zeit brachte die japanische Marke Daihatsu auf der Basis des Cuore den Daihatsu Opti Kleinwagen auf den Markt, dessen 700 ccm 3-Zylinder mit 50 PS ziemlich flott auf den Straßen mithalten konnte. Toyota brachte eine Neuauflage eines gängigen Modells, den Toyota Carina 2.0 GLI und Suzuki bot ein zweisitziges Suzuki Swift 1.3 Cabriolet an. Honda blieb seinen sportlichen Genen treu und lancierte den Honda CRX 1.6 ESi, der mit 1.6 Liter Hubraum eine Leistung von 125 PS entwickelte und mit rund 190 km/h recht flott daherkam. Hingegen der Honda Domani 1.6 16V mit technisch aufwändiger und luxuriöser Ausstattung das Segment Mittelklasse bediente. Die zu Nissan gehörende Marke Infiniti produzierte ebenso wie Toyotas Marke Lexus vornehmlich für den Export und stellte 1992 den Infiniti J30 für den Export in die USA vor. Die im europäischen Design gehaltene Luxuslimousine war die japanische Antwort auf die Dominanz der deutschen Limousinen im US-Markt.

Insgesamt genügend Auswahl beim historischen Nachwuchs, wenngleich die Automobilproduktion 1992 durchaus mit zeitlosen Formen aufwartet, bei denen ein H-Kennzeichen wohl eher Verwunderung und Erstaunen beim Betrachter hervorrufen wird.