Blick hinter die Kulissen - Weihnachtsbaumfotos

Es gibt immer mehr Fotos von Klassikern mit Weihnachtsbäumen auf dem Dach. Vor allem in den Social-Media-Kanälen werden die Kombinationen immer spektakulärer. Schaut man allerdings genauer hin, entstanden viele Produktionen im Fotostudio oder werden gänzlich am Rechner kombiniert. Viele Motive wirken zu gekünstelt. Auf jeden Fall sind diese meist Supersportwagen keinen Meter mit dem Baum auf dem Dach gefahren. Das hätte nämlich zu größeren Lackschäden geführt und bestimmt auch nicht der Straßenverkehrsordnung entsprochen.

Als das Team der GTÜ Classic das Shooting für die Weihnachtsaussendung plante, erwachte der Ehrgeiz: „Wir wollten ein reales Shooting umsetzen, als hätten wir den Auftrag einer etablierten Autozeitung“, betont das Team. Gesagt getan. 

Aufgrund der CI-Farben der GTÜ bot sich ein roter Oldtimer an. Im Kundenkreis unseres GTÜ-Partners Stoll + Kollegen in Sindelfingen wurden wir fündig: Ein Porsche 911 L mit dem authentischen Gepäckträger. GTÜ Classic-Leser werden sich an den schmucken Elfer im Zusammenhang mit unserem Beitrag über den „Mythos Gepäckträger“ erinnern. 

Treffpunkt zum Shooting war bereits der letzte Sonntag im November um 14 Uhr vor der Motorworld in Böblingen. Den Baum aus nachhaltigem Anbau konnte ein örtlicher Lieferant bereitstellen und brachte uns diesen sogar zum Zentrum für mobile Leidenschaft. Schnell war die 2,80 Meter lange Fichte auf dem Dach montiert, mit Spanngurten, wie sie Möbelpacker verwenden. Durch das Netz, mit welchem die Äste des Baumes zusammengehalten werden, berührte kein Ästchen das Fahrzeugdach, worauf der Besitzer natürlich sehr achtete. 

Die Fahrt kann beginnen. Windgeräusche sind kaum zu vernehmen und wir sind natürlich der Hingucker in dieser vorweihnachtlichen Zeit. Die Route führt uns zum Rotwildpark bei Stuttgart, wo wir sogar mit etwas Sonne belohnt werden. Von dort geht es über Warmbronn zu einem Hochplateau zwischen Renningen und Magstadt. Immer wieder wird unser Fotowagen positioniert und wir sind mit Anbruch der Dunkelheit mit der Produktion zufrieden. Aber eben nur zufrieden und nicht begeistert. Irgendwie fehlt die weihnachtliche Stimmung. Die Motive sind zwar alle real fotografiert, aber toller als die vielen künstlichen Fotos im Netz ist das deshalb noch nicht.

Also checken wir schnell den Wetterbericht und verabreden uns am Folgetag um 5 Uhr morgens, um das Fahrzeug rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang positioniert zu haben. Und wie überreden den Fahrzeugbesitzer, den Baum auspacken zu dürfen, damit er voluminöser wirkt und die aufgehenden Sonnenstrahlen das Geäst in warmes Licht tauchen können.

Es ist bitterkalt, genau genommen minus sechs Grad. Die Felder sind gefroren. Es sieht aus, als hätte es leicht geschneit. Die Gesichtshaut spannt und die Hände erstarren. Ende November sind wir Kälte noch nicht gewohnt. Die Minusgrade finden jede Ritze, während wir dem Spektakel am Waldrand stehend beiwohnen. Immer wieder fällt unser GTÜ-Magnetschild von den Türen des Wagens ab. Durch die Kälte kommt nur eine sehr schwache magnetische Verbindung zustande. Ein willkommener Anlass, sich zu bewegen und das Schild wieder anzudrücken. Unser Fotograf springt förmlich im Kreis, vor Glück, oder um die Position zu optimieren. Die Sonne taucht den roten Elfer in wunderbares Licht. Das Farbspiel am Himmel verändert sich alle paar Sekunden. Die Lichtspiele sind einmalig. Wir machen den Zweiliter-Sechszylinder nicht mehr aus. Wir wissen ja nicht, wie kräftig die Batterie noch ist. Mit sonorem Klang haucht der Porsche die Natur an, sichtbar, wie übrigens auch unser Atem.

Unsere innere Zufriedenheit lässt die Minusgrade langsam vergessen. Bereits um 7.30 Uhr sitzen wir in einem kleinen Café und wärmen uns mit einem Cappuccino. Was für ein Erlebnis. So haben wir uns das vorgestellt. Doch sehen sie selbst.