Wunschkennzeichen: Funktionalität wird zu Kult

Ob Statussymbol oder Glücksbringer. In jedem Fall rundet ein zum Fahrzeug passendes Kennzeichen das Gesamtbild ab. Freilich ist diese Symbiose nicht immer gleich zu erkennen. Der Bezug zum Fahrer noch schwerer als der Bezug zum Fahrzeug.

„Geh zur Seite alter Mann“, grummelt der Fahrer vor sich hin. „Woher willst Du wissen, wer da fährt“, fragt die Beifahrerin von seiner aggressiven Fahrweise etwas genervt. „Steht doch auf dem Kennzeichen, 1956“, folgt die erklärende Antwort. Da das Auto höchstens fünf Jahre alt ist, kann diese logische Ziffernfolge fast nur auf das Alter des Fahrers (In unserem Fall war ein Mann am Steuer) hindeuten und es kann weiter spekuliert werden, was die vor der Zahlenkombination stehende Buchstabenkombination „AB“ bedeuten könnte: Anton Braun? Andreas Bauer?

Nur etwas Fachkenntnis erfordert meist die Herleitung des Kennzeichen-Bezugs zum Fahrzeug. Steht auf einem verbreiterten Porsche 924 mit dem Schriftzug Carrera GT noch dazu die Buchstaben-, Zahlenkombination BB – GT 924 ist das Gesamtbild für diesen Klassiker vollkommen. BB ist dabei der Landkreis, in dem die auf Porsche in Weissach angemeldeten Fahrzeuge zugelassen werden. 

Praktisch schon zum guten Ton für einen Porsche 911-Fahrer gehört die Ziffernfolge „911“. Sollte diese in Kombination mit der gewünschten Buchstaben-Kombination nicht mehr frei sein, weichen die Besitzer gerne auf die internen Typenbezeichnungen wie 996, 997, 991 und jüngst auch 992 aus. Porsche-Pressewagen erkennt man in Stuttgart übrigens an der Buchstabenfolge S - GO, Werkswagen aus Weissach tragen BB - PW, für Porsche Weissach.

Durch die Einführung des Wunschkennzeichens vor über 20 Jahren kam etwas Spannung in den alltäglichen Kennzeichen-Dschungel. Dabei gibt es Kombinationen, welche (fast) jedem auffallen, wie S - EX oder S - AU. Rennfahrerlegende Eberhard Mahle hatte bereits im Jahr 1959 das Kennzeichen S-AU 526 auf seinem Volvo-Rennwagen und meint dazu heute noch schmunzelnd: „Das fanden wir lustig.“ S - AU 2 trug der Porsche 911 von Hobby-Rennfahrer Wilhelm Schapmann von 1967 bis 1972. Um derartig spezielle Nummern zu bekommen, musste man – in der Zeit vor den Wunschkennzeichen – schon extrem gute Beziehungen haben.

Witzige Autokennzeichen ergeben sich beispielsweise durch folgende Kombinationen:  S – SK, AC - DC, FR - AU, KA - NT, KN - UT, MA - NN, SE - XY oder MI - NI. Allerdings sind nicht alle Kombinationen erhältlich, mehr Informationen dazu erhält man bei den Zulassungsstellen vor Ort.

Ein Wunschkennzeichen ist ein Kraftfahrzeugkennzeichen, bei dem der Fahrzeughalter Einfluss auf die Vergabe der Registrierungsnummer nehmen kann. Trotzdem aber sind die Gestaltungsmöglichkeiten durch Regelungen begrenzt. Neben dem Städtekürzel müssen zumindest in den Gemeinden des Großraums Stuttgart zwei Buchstaben und mindestens zwei Zahlen kommen. Handelt es sich zudem noch um ein historisches Fahrzeug und muss deshalb noch das „H“ am Ende stehen oder bei Elektrofahrzeugen das „E“, wird es schon schwer, beispielsweise noch eine saisonale Nutzung unterzubringen.

Kurze Kennzeichen mit nur einer Buchstaben- und Ziffernfolge sind Fahrzeugen vorbehalten, welche aufgrund ihrer Bauart, die 46 beziehungsweise 52 Zentimeter langen Kennzeichen gar nicht unterbringen. Das sind in der Regel amerikanische Fahrzeuge. Bei den Motorrädern hilft man sich heute mit kleinen Buchstaben und Ziffern, welche früher den Kleinkrafträdern vorbehalten waren. Bei einem Umzug kann das Kennzeichen auch in andere Landkreise „mitgenommen“ werden. Aber nur bis zur ersten Stilllegung. 

Immer mehr Länder weltweit ermöglichen eine ähnliche Einflussnahme; man kann Kennzeichen teilweise kaufen. In Belgien beispielsweise sind frei wählbare Wunschkennzeichen mit ein bis acht Zeichen für 1.000 Euro möglich. Den bisher höchsten Preis für ein Wunschkennzeichen zahlte im Februar 2008 Scheich Saʿd al-Khouri in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit umgerechnet rund zehn Millionen Euro für die Nummer 1. Damit lässt er schon am Kennzeichen erkennen, welchen Stellenwert er in der Gesellschaft einnimmt. Je niedriger die Nummer, desto höher der Stellenwert.

In Deutschland sind einheitliche Gebühren von 10,20 Euro für ein Wunschkennzeichen und gegebenenfalls 2,60 Euro für dessen Reservierung festgelegt. Die Fristsetzung von Reservierungen bei der entsprechenden Kfz-Zulassungsbehörde oder online über die Internetpräsenzen der zuständigen Landkreise und Städte kann unterschiedlich lange gültig sein, meist zwischen zehn und 90 Tage.

Egal, ob mit Bezug auf den Fahrer, mit Bezug auf das Fahrzeug oder auch nur durch Einzigartigkeit: Das Anbringen eines Wunschkennzeichens ist die einfachste Art der Individualisierung – und: Zwischen Fahrzeug und Halter entsteht eine persönliche Verbindung. Rund die Hälfte aller Fahrzeugbesitzer nehmen diese Möglichkeit inzwischen wahr.

Fotos: Solitude GmbH