Udo Dörichs Unikat - die MV Agusta F4 750 Lustale - das Naked Bike wurde bei Motorrad Lust gebaut

Die MV Agusta F4 750 Lustale, ein „Lustobjekt“ des ehemaligen MV Agusta Deutschland Vertreters und Designers Udo Dörich, wurde im Jahre 2000 als Einzelstück gemeinsam mit der Firma Motorrad Lust in Köln realisiert. Udo Dörich nahm die Gelegenheit wahr, mit dem Händler Lust Motorrad GmbH seinen Anspruch an ein Naked Bike der absoluten Oberklasse umzusetzen. Der Prototyp seiner Vision hat überlebt und wurde vor kurzem der GTÜ zur Hauptuntersuchung vorgestellt. Dieses in der Geschichte von MV Agusta wohl einmalige Projekt ist nach 21 Jahren immer noch eine technische Meisterleistung, die mit der zwei Jahre späteren und offiziell vorgestellten MV Agusta Brutale S durchaus mithalten kann. Befreit von den Seitenverkleidungen der ursprünglichen Umbaubasis MV Agusta F4 750, die durch weitere Eingriffe technisch modifiziert wurde, eilte das Design dem späteren Modell Brutale S voraus. Auf den ersten Blick scheint das Unikat Lustale der Brutale S als Vorlage gedient zu haben, denn zwei Jahre später wurde die Brutale S der wiederbelebten Marke MV Agusta ebenfalls als Naked Bike vorgestellt.

MV Agusta, eine Traditionsmarke mit wechselvoller Geschichte

MV Agusta, der Ferrari unter den italienischen Motorrad Marken, startete seine Erfolgsgeschichte direkt nach Kriegsende und konnte im Motorsport der ausgehenden 1960er und den 1970er Jahren mit zahlreichen Erfolgen brillieren. Das eigene MV Agusta Werksrennteam, die „Reparto Corse“ konnte bis zur endgültigen Schließung des Werkes im nationalen und internationalen Motorsport über 35 Fahrer- und Konstrukteurs-Titel erringen. 1980 wurde die Produktion wegen finanzieller Probleme eingestellt. Mit der Übernahme der Namensrechte des Markennamen MV Agusta durch die Castiglioni-Gruppe, keimte Hoffnung auf, denn neue Modelle wurden angekündigt. Claudio Castiglioni, damals schon erfolgreich bei der Sanierung von Aermacchi und Ducati, brachte unter der Federführung der Marke Cagiva die traditionsreiche Motorradmarke MV Agusta wieder ans Laufen.

Neustart mit der MV Agusta F4 750 Serie Oro

Castiglioni entwickelte einen neuen 750 ccm Reihenvierzylinder-Motor und stellte 1997 die MV Agusta F4 vor. Ein Superbike in den traditionellen Farben rot und silbern. In den Handel kam die mit einer Vollverkleidung ausgestattete F4 750 aber erst 1999 als F4 750 Serie Oro. Zeitgleich baute Castiglioni seinen Konzern um und firmierte seither unter dem Namen der weltbekannten Marke als MV Agusta Motor. Die Marke Cagiva wurde Teil von MV Agusta und die mit Cagiva erworbene Marke Husqvarna wurde 2007 an BMW verkauft.

Mit der Neuvorstellung der MV Agusta F4 750 baute Castiglioni auch das Händlernetz neu auf. Einer der Neuen war in Deutschland Udo Dörich, der mit dem ebenfalls aktiven MV Agusta Händler Motorrad Lust in Köln den Plan einer modifizierten MV Agusta F4 750 verfolgte. Das Ergebnis war die MV Agusta F4 750 Lustale, deren neues Erscheinungsbild dem späteren Serienmodell Brutale S vieles vorwegnahm. Doch kaum hatte sich die Marke MV Agusta und ihre Händler nach dem Neustart neu aufgestellt, kam nach fünf Jahren der erneute Umbau. 2008 gab der US-amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson bekannt, dass er die MV Agusta Group vollständig übernehmen werde. Daraufhin verließ der Designchef Massimo Tamburini, der unter anderem auch die F4 und die Brutale S schuf, das Unternehmen. Die Harley-Davidson Ära währte jedoch nur zwei Jahre und 2010 kaufte Claudio Castiglioni das Unternehmen MV Agusta für einen symbolischen Dollar zurück, nachdem Harley-Davidson selbst in Schwierigkeiten geraten war. Das spätere Engagement der Mercedes-AMG GmbH ist seit 2017 ebenfalls Geschichte und ein russischer Investor übernahm die Mercedes-AMG Anteile. Geblieben sind der Fan-Gemeinde von MV Agusta jedoch jene technisch ausgereiften Vierzylinder-Maschinen F4 750 und die Brutale S, die mit 750 ccm Hubraum und einer Leistung von rund 70 PS bei einem max. Drehmoment von 59 Nm bei 7.500 U/min aufwarteten. Geblieben ist auch die nahezu neuwertige MV Agusta F4 750 Lustale. Nachfolgend die technischen Daten:

 

Technische Daten MV Agusta F4 750 Lustale (2000):

Motor & Getriebe: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder radial angeordnet, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung Ø 46 mm, Motormanagement, keine Abgasreinigung, E-Starter. Bohrung x Hub 73,8 x 43,8 mm, Hubraum 749 cm³, Nennleistung 93 kW (126 PS) bei 12 200/min, max. Drehmoment 74 Nm (7,5 kpm) bei 9000/min Kraftübertragung, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Fahrwerk: Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Gleitrohrdurchmesser 49 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Einarmschwinge aus Aluguss, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, schwimmend gelagerte Bremsscheiben Ø 310 mm Sechskolbensättel, Scheibenbremse hinten Ø 210 mm Vierkolbensattel. 

Fahrwerksdaten: Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 98 mm, Radstand 1398 mm, Federweg v/h 118/120 mm.

Räder & Reifen: Bereifung vorne 120/65 ZR 17, hinten 190/50 ZR 17. 

Maße & Gewichte: Sitzhöhe 790 mm, Gewicht vollgetankt 198 kg, Zuladung 172 kg, Tankinhalt/Reserve 20 Liter.

Farben: Rot/Silber

Preis im Jahr 2000: Euro 24 999 (Einzelanfertigung auf Bestellung)