Schön werden Rennwagen durch Siege und die Farben der Sponsoren

Fahrzeugbeklebungen und das H-Kennzeichen sind ein strittiges Thema und werden von den einzelnen Prüfern innerhalb der Toleranzgrenzen behandelt. Die GTÜ Classic zeigt Beispiele berühmter Sponsoren-Designs auf, welche geschichtlich verankert sind. Es gibt Rennboliden, die sich für immer in die Köpfe von Motorsportfans gebrannt haben. Deren legendäre Designs haben dabei mindestens genauso ihren Teil dazu beigetragen wie ihre Siege auf den berühmtesten Rennstrecken der Welt. Die farbliche Vielfalt machte einen Rennwagen zwar nicht schneller, aber allemal begehrenswerter. Porsche-Designer Stephen Murkett geht dazu in einem Interview sogar noch einen Schritt weiter: „Das Design von Rennwagen ist erst einmal nicht besonders aufregend. Begehrenswert und letztendlich auch schön werden die Rennboliden dann erst durch die Siege und durch die Farben der Sponsoren.“ „Livery“ ist der Begriff für das Farbschema eines Unternehmens auf Fahrzeugen. Das Wort selbst stammt vom französischen „Livrée“, was mit Rennlackierung übersetzt werden kann.

Es gibt heute sogar bedeutende Sammlungen, welche in Reinkultur um die Farben eines Sponsors herum aufgebaut werden. Ein Paradebeispiel ist hier die ROFGO Gulf Heritage Collection von Roald Fridtjof Goethe, welche normalerweise in England wohl behütet wird und ausnahmsweise im Jahr 2019 die Retro Classics in Stuttgart bereicherte. Diese umfangreiche Show im Foyer der Messe war der absolute Blickfang. John Wyer gehört sicher zu den erfolgreichsten Teammanagern des Rennsports. Der Manager gewann mit finanzieller Unterstützung von Gulf Oil für Porsche mit dem 917 die Sportwagenweltmeisterschaft 1970 und 1971. Die auffällige hellblau-orangefarbene Lackierung blieb vielen Zeitzeugen bis heute im Gedächtnis. Löwenanteil daran hatte auch der Auftritt in Steve McQueens Film „Le Mans“.  Der Gulf-917 ist ein echter Hollywood-Star und gehört zu den wertvollsten 917-Modellen.

Ein zweites Beispiel ist die in Deutschland beheimatete Jägermeister-Sammlung von Eckhard Schimpf. Jägermeister-Racing brannte sich durch die zahlreichen Siege zwischen 1972 und 1990 in die Köpfe der Fans ein. Unter dem Namen „‘72STAGPOWER“ bleiben einige dieser Renn- und Sportwagen der Oldtimer-Szene erhalten. “72“ steht dabei für das Gründungsjahr 1972. „Stag“, zu Deutsch „Hirsch“, weist auf das Markenlogo hin. Dieses Team bestand bis zum Jahr 2000. ‘72STAGPOWER setzt nun diese Tradition fort. Eckhard Schimpf, der von 1972 bis 2000 für das Unternehmen Jägermeister das Rennteam leitete, steht gemeinsam mit Sohn Oliver hinter dem Projekt. Unterstützt werden sie von der Unternehmensgruppe Mast-Jägermeister SE aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel. Der letzte große Auftritt vor der Pandemie war im Januar 2000 beim GP Ice Race in Zell am See mit vier Fahrzeugen. Zur großen Verwunderung der Fans pilotierte Joachim „Strietzel“ Stuck seinen ehemaligen Formel-1-Rennwagen, den March-Cosworth 741 mit Zwillingsbereifung. Dadurch sorgten auch bei dem Boliden der Königsklasse moderne Spikes-Reifen für den notwendigen Vortrieb. 

Vor allem auch der Rennstall Martini gehört zu den begehrenswerten Livery-Marken.  Unvergessen bleibt, wenn ein Porsche 935 auf Basis des 911 im weißen Martini-Kleid an der Hunaudiéres-Geraden von Le Mans vorbeiflog. Der Getränke-Hersteller gehörte zu den aktivsten Sponsoren überhaupt, in den unterschiedlichsten Fahrzeugklassen. So unterstützte die Marke beispielsweise auch den Rallye-Sport. Hier bleiben die schnellen Lancia Rallye 037 unvergessen. Martini war immer gut für Überraschungen. So tauchte plötzlich in den Fahrerlagern von 1979 an die Yamaha XS 1100 in einem eigenständigen Martini-Design auf. Promoted wurde dieses eigenständige Motorrad mit der ausladenden Verkleidung von einem der schnellsten und populärsten Motorrad-Rennfahrern überhaupt: Mike Hailwood.

Es gab vor allem in Bezug auf Porsche-Fahrzeuge noch einen Sponsor, dessen Farbenwelt unauslöschlich in den Köpfen der Fans verankert ist: Vaillant. Der Heizungshersteller schickte von den siebziger Jahren an die schnellsten Porsche der Welt auf die Rennpisten; lackiert in Grün und den signifikanten Streifen in Gelb-Rot-Lila. Die zwei stärksten Vaillant-Rennboliden trafen erst vor wenigen Monaten in Böblingen bei Stuttgart zusammen. Der Stuttgarter Fotograf Max Leitner lichtete die Boliden vor einem der ältesten Gebäude-Ensemble in Böblingen ab. Die Rennboliden waren Protagonisten in der Pop-up-Veranstaltung „50 Jahre Interserie“ in den Räumlichkeiten der Motorworld Region Stuttgart. Highlight war dabei zweifelsohne der Porsche 917/30-001 aus dem Porsche Museum. Der bis zu 1.200 PS starke 917 fuhr sich mit den Fahrern Vic Elford und Herbert Müller in die Herzen der Rennsport-Enthusiasten. Die Vielfalt der Interserie zeigt, dass teilweise auch Gruppe 5-Fahrzeuge in den Starterlisten zu finden waren. Der bekannteste Vertreter dieser Fahrzeuge mit optischer „Serienanmutung“ war der 935 von Kremer Racing aus dem nordrhein-westfälischen Köln, genaugenommen der aufregende K2. Das Kundenrennsport-Team Kremer hatte es vor allem auf aerodynamische Verbesserungen der Werksvariante des 935 ab 1977 abgesehen. Rennpilot Bob Wollek siegte zur Feuertaufe auf dem Nürburgring, was den Sponsor und Heizungshersteller Vaillant internationale Bekanntheit einbrachte. Die Nürburgring Nordschleife, im Volksmund auch als „Grüne Hölle“ bekannt, passt zum Livery dieses 935 K2 besonders gut.

Liveries erfreuen sich so großen Beliebtheit, dass Porsche ab Werk das limitierte Sondermodell 935 in verschiedenen „Kriegsbemalungen“ anbot. Dazu hat Design-Team um Grant Larson sieben Liveries vergangener Motorsportzeiten neu interpretiert. „Der Auslieferungszustand des 935 umfasst achatgraue Blechteile, nacktes, werkzeugfallendes Carbon! Doch das ist noch nicht alles“, erzählt Grant Larson begeistert. „Wir haben die verschiedenen Renn-Epochen des 935 mittels Designprogrammen am Computer neu interpretiert, uns anfangs geometrisch am Design der Martini Racing-Variante orientiert. Alle grafischen Daten mussten wir jedoch neu gestalten und per Virtual Reality schließlich auf die Außenhaut des 935 legen. Das allein war schon ziemlich aufregend.“ Die Livery-Farbpalette des neuen Porsche 935 umfasst neben der Hommage an das legendäre Porsche Salzburg-Team, das 1970 zum ersten Mal für Porsche einen Gesamtsieg der 24-Stunden-von-Le Mans einfuhr, viele Ikonen der Kundenrennsport-Teams, die den Porsche 935 einsetzten. Neben den bereits beschriebenen Teams sind noch zu erwähnen: Der charakteristische schwarz-goldene Look der damaligen Kooperation mit John Player Special, bis hin zur auffällig roten Momo-Variante, die erstmalig 1979 in Giro Italia erfolgreich war. Oder die Hommage an das Sponsoring mit der Firma Sachs.