Zwei deutsche Ehepaare mit Goggomobilen um die Welt - Goggo T 300, Goggo Coupe TS 300 und Glas Isar T 700

Die ersten Weltreisenden mit einem Goggomobil waren Ilse und Eitel Lange. Sie starteten am 21. Juni 1956 mit ihrem Puck, einem Goggomobil T 300 zu ihrer 365 Tage dauernden Weltreise und kehrten wohlbehalten am 20. Juni 1957 nach Deutschland zurück. Kurz darauf brach das Ehepaar Marlotte und Peter Backhaus im November 1957 in Hamburg mit einem Goggomobil TS 300 Coupe auf, um fünf Jahre später, im Juni 1962, mit einem Glas Isar T 700 nach 200.000 Kilometern Weltreise heimzukehren. Die Reise des Ehepaars Backhaus hatte allerdings einen ungewöhnlichen Verlauf. Der erste Teil ging von Deutschland über Griechenland und die Türkei durch den Orient bis nach Thailand, Kambodscha und Vietnam und wurde mit dem Goggomobil Coupe TS 300 bewältigt. Das Fahrzeug gab in Vietnam den Geist auf und der Hersteller Glas stellte den damals gerne den neuen Fahrzeugtyp Isar T 700 werbewirksam zur Verfügung, da die dringend benötigten Ersatzteile nicht durch den Zoll gelassen wurden. Kurzerhand lieferte Glas also den damals fabrikneuen Isar T 700 unter der Bedingung, dass nur dieses Fahrzeug in den von Backhaus hergestellten Reiseberichten gezeigt werden darf. Prompt wurde die erste Strecke Hamburg-Vietnam mit dem neuen Fahrzeug nochmal in umgekehrter Reihenfolge bewältigt und im Film chronologisch verändert geschnitten. Insofern gibt es die Backhaus-Reise in zwei Versionen. Während auf dem im Christian Verlag erschienen Buch auf dem Buchtitel das Goggomobil Coupe TS 300 abgebildet wurde, war in der 1964 angelaufenen Kinofassung „Traumreise zu Dritt“ nur der Glas Isar T 700 zu sehen. Doch zunächst die Geschichten der Reihe nach.

Ilse und Eitel Lange und der Puck

Die ungewöhnliche Weltreise der Langes mit ihrem Puck, dem Goggo T 300, begann am 21. Juni 1956 in Dingolfing in den Glas Werken. Firmenchef Hans Glas verabschiedete das Ehepaar persönlich auf ihre einjährige Weltreise, die zunächst über Österreich ins damalige Jugoslawien führte. Über Mazedonien ging es weiter nach Griechenland und über Efzoni, Thessaloniki und Alexandroupolis zur Staatsgrenze und in die Türkei. Hier durchquerte der Puck das türkische Staatsgebiet von Edirne und Istanbul aus in Richtung Üsküdar, über das Taurus Gebirge nach Iskanderun und Antakya zur syrischen Grenze. In Syrien reiste das Ehepaar Lange mit dem Puck über Aleppo, Hama, Homs und Damaskus in den Süden nach Jidaidit Jabws und den Grenzübergang in den Libanon. Von dort wieder zurück nach Damaskus und zur Staatsgrenze nach Jordanien und in den Irak. Eines der größten Abenteuer erwartete die Weltreisenden im Iran, das damals noch Persien hieß und mit dem Puck von der Grenze in Kermasha über den Asadabad Pass nach Hamadan, Teheran, Isfahan bis zur Staatsgrenze nach Pakistan durchfahren wurde. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, erhielten die Langes dann doch die Genehmigung die Ölfelder von Chum zu durchqueren. Die Reise ging weiter über Pakistan, Indien, Singapur und die Philippinen, wobei der Puck mehrmals auf Schiffen in Kalkutta, Singapur und Hongkong verladen wurde, bis er in Yokohama in Japan wieder auf die Räder gestellt wurde. Von Japan aus schipperte das Goggomobil nach Hawaii und in die USA. Der kleine Goggo durchquerte von San Francisco aus die gesamte USA über Los Angeles, Saint Louis bis an die Ostküste nach New York. Dort ging es dann auf die S.S. Amerika und per Dampfer zurück nach Bremen. Das letzte Stück seiner Weltreise führte den Goggo T 300 von Bremen quer durch Deutschland nach Dingolfing zu seiner Geburtsstätte in den Glas Werken. Zu Ehren der Weltenbummler richtete Hans Glas für den Puck eine Willkommens-Party aus. Eitel Lange hat über die Weltreise im Goggomobil T 300 ein Buch veröffentlicht, das 1957 im Verlag Rudolf Thalhammer in München unter dem Titel „Puck und die Welt. Im Kleinauto um die Erde“ erschienen ist. Sämtliche Informationen zur Weltreise und die hier abgebildeten Fotografien stammen aus diesem antiquarisch erhältlichen Werk.

 

Marlotte und Peter Backhaus – das ganz große Kino

200.000 Kilometer Abenteuer mit zwei Fahrzeugen aus Dingolfing, die über vier Kontinente und 80 Länder ging, das sind die Eckdaten des Ehepaars Backhaus, das nach fünf Jahren Weltreise einen großen Dokumentarfilm produzierte, der 1964 in die deutschen Kinos kam. Marlotte und Peter Backhaus starteten 1957 von Hamburg aus zu ihrer Weltreise im Goggomobil. Ein halbes Jahrhundert nach der Filmpremiere ist der Film wieder als neu erschienen und als DVD antiquarisch erhältlich. Gestartet sind die beiden mit einem Goggomobil Coupe TS 300 in Hamburg. Mit 30 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h durchquerte das Ehepaar mit ihrem „Schnüffelchen“ die Welt. Die ersten Reiseziele von Marlotte und Peter Backhaus führten von Deutschland über Griechenland, die Türkei und den Orient bis nach Thailand, Kambodscha und Vietnam bevor das Goggo Coupe streikte und der Zoll die Einfuhr von Ersatzteilen verweigerte. Ein Fahrzeugwechsel wurde notwendig und ein Glas Isar T 700 wurde geliefert. Die Folge dieses Fahrzeugwechsels ist auf zwei Covern der später veröffentlichten Weltreise zu sehen. Während im Kinofilm ausschließlich der Glas Isar T 700 gezeigt wurde, prangt auf dem Cover des Christian Verlages das ursprüngliche Goggomobil Coupe T 300 mit Ehefrau Marlotte Backhaus beim Kartenstudium.

Während also im Kinofilm die Weltreise von Hamburg über Spanien nach Gibraltar, anschließend durch die Sahara bis nach Nigeria verläuft und später mit dem Schiff nach Rio de Janeiro in Brasilien wieder aufgenommen wurde und über Mittelamerika in die USA führte, hat das Ehepaar Backhaus in San Francisco den Glas Isar T 700 nach Japan verschifft. Der weitere Reiseverlauf von Japan nach Thailand, dann auf dem Landweg durch Burma, Indien und Persien auf den afrikanischen Kontinent, durch Sudan und Ägypten bis zur Verschiffung nach Hamburg ist im Prinzip der Reiseverlauf in umgekehrter Reihenfolge, den das Ehepaar Backhaus schon mal mit dem Goggomobil Coupe T 300 von Hamburg nach Japan zurückgelegt hatte. Der rund 1½-stündige Kinofilm, den Peter Backhaus aus den Unmengen von Material zusammengeschnitten hatte, kam unter dem Titel "Traumreise zu Dritt" 1964 in die Kinos und war ein großer Erfolg der eine Auszeichnung bekam.

 

Nitro-Filme vernichtet und Ursprungsmaterial wiederentdeckt

Das einzigartige Zeitdokument der Weltreise mit den Goggos des Ehepaars Backhaus wurde dann im Verlauf einer allgemeinen Umstellung von brandgefährlichen Nitro-Filmen auf Sicherheitsfilmen vernichtet. Sämtliche Kopien des Kinofilms gingen dabei verloren und das phantastische Zeitdokument galt als unwiederbringlich zerstört. Den beiden Filmemachern Matthias Kirketerp und Jörg Heven ist es zu verdanken, dass die Filme von Peter Backhaus gerettet wurden. Bei ihren Recherchen entdeckten sie auf dem Dachboden des Ehepaars Backhaus zwei alte Kartons mit den Filmrollen der Originalaufnahmen. Zwei Jahre lang wurden die Filme gereinigt, neu geklebt und digitalisiert. Sowohl der Film „Im Goggo um die Welt. Eine Traumreise in den 50er Jahren,“ der als DVD mit Isar T 700 Abbildung im Jahre 2006 erschien, als auch die DVD-Fassung des Jahres 2007, die mit dem Goggo Coupe T 300 erschien, ist antiquarisch erhältlich. Die Fotos stammen aus der Veröffentlichung des Christian Verlages, die unter dem Titel „Im Goggo um die Welt. Eine Traumreise in den 50er Jahren“ ebenfalls antiquarisch erhältlich ist.

Marlotte und Peter Backhaus waren fünf Jahre mit dem „Schnüffelchen“ und seinem großen Bruder auf Weltreise und sie besuchten ebenso wie das Ehepaar Ilse und Eitel Lange vor ihnen Orte, zu denen normale Touristen damals nicht gefahren wären und heute teilweise nicht mehr bereist werden können, da für Touristen nicht mehr erreichbar. Die Weltreisenden Lange und Backhaus machten sich damals einfach mit ihren Goggos auf den Weg, um die Welt mit eigenen Augen zu sehen und die Menschen anderer Kulturen kennenzulernen. Diese Zeitdokumente zeigen uns auch die Grenzen auf, was heute so nicht mehr machbar ist und welche Länder und Kulturen uns heute verschlossen bleiben.