Zeitreise – Ein Gedankenspiel zur Reise mit Oldtimern

Die Meinungen gehen gehörig auseinander. Einerseits ein klares „Nein“ zur Fahrt von weiten Strecken mit Oldtimern. Das Risiko sei zu hoch und das Material zu teuer. Und andererseits ein klares „Ja“. Das haben die Wagen schließlich auch früher geschafft und schaffen es auch heute. Auch Oldtimer sind zum Fahren da. Die Machbarkeit liegt irgendwo dazwischen.

Es stimmt, dass Oldtimer grundsätzlich auch weitere Distanzen meistern können. Doch diese Erkenntnis alleine genügt nicht. Unser Straßenbild hat sich in den letzten Jahrzehnten weitreichend verändert. Die Staus und somit die thermischen Belastungen für Motoren haben definitiv zugenommen und der LKW-Verkehr hat sich vervielfacht. Gerade die „Brummis“ sind für weniger stark motorisierte Oldtimer auch das Hauptproblem, vor allem an Steigungen. Wer nicht mindestens 100 Kilometer pro Stunde bei jeder Steigung gewährleisten kann, wird zum Spielball und sollte Autobahnen tunlichst meiden. Problem Nummer zwei sind die Bremsen. Jeder Kleinwagen von heute bremst deutlich besser als ein Oberklassewagen von damals. Nimmt man jetzt noch die aus heutiger Sicht mangelnde Sicherheitsausstattung (oftmals keine Kopfstützen, keine Gurtpflicht von Fahrzeugen bis 1969) sowie die fehlenden Crashstrukturen mit in das Kalkül, sollte der Oldtimer bei Urlaubsfahrten eigentlich in der Garage stehen bleiben.

Das muss und sollte aber keinesfalls so sein. Nur, vor der großen Fahrt mit dem Klassiker, empfiehlt es sich, einen inneren Schalter umzulegen und sich auf die technischen Gegebenheiten einzulassen. Und das fängt bereits bei der Vorbereitung an. Dort dürfen keine Kompromisse eingegangen werden. Das Thema ist natürlich je nach Fahrzeugtyp sehr komplex. Wir beschränken uns bei der Betrachtung deshalb auf ein paar wesentliche Komponenten. Nehmen wir zuerst die Bremsen. Wie alt ist die Bremsflüssigkeit? Die Zeit vergeht so schnell und gerade wenn man mehrere Oldtimer besitzt, verliert man an dieser Stelle schnell einmal den Überblick. Wenn Passfahrten anstehen, sollten zwei Jahre nach dem letzten Wechsel das Maximum sein. Und dabei bitte auch das gesamte System auf Dichtigkeit prüfen. Ein defekter Schlauch vom Bremsflüssigkeitsbehälter bis zum Hauptbremszylinder kann lange unbemerkt bleiben, da die Funktion der Bremse erst beeinträchtigt wird, wenn Luft in das eigentliche System eindringt. 

Zum Motor: Frisches Öl, vielleicht sogar an die bevorstehenden Belastungen angepasst, hilft auch bei sehr hohen thermischen Belastungen. In der Käfer-Betriebsanleitung von 1961 wird beispielsweise ein Mehrbereichsöl der Viskositätsklasse SAE 10 W 30 empfohlen. Manche VW Käfer-Fahrer schwören aber auf die Viskosität 10 W 60, welche hauptsächlich im Motorsport Verwendung findet. Ist der zweite Wert höher, ist nämlich der Schmierfilm auch bei sehr hohen thermischen Belastungen länger gewährleistet. Desto niedriger die Zahl vor dem „W“ ist, desto besser kommt das Öl mit niedrigen Temperaturen zurecht. Desto höher die Zahl nach dem „W“ ist, desto belastbarer ist das Motorenöl bei hohen Temperaturen.

Auch der optimale Ölstand ist entscheidend, da viele ältere Fahrzeuge nur geringe Ölfüllmengen haben und es keine Kontrolllampe gibt. Um beim Beispiel Käfer zu bleiben. Es sind gerade einmal 2,5 Liter!

Gerne wird auch vergessen, dass auch Zündkerzen nach definierten Zyklen gewechselt werden müssen. Kerzen verrußen gerne bei zahlreichen Kaltstarts und vielen Kurzstrecken. Und da wir heute die Motoren von Klassikern eher schonen, werden die Kerzen auch nicht mehr durch höhere Drehzahlen „frei geblasen“. Die damals bei vielen Fahrzeugtypen vorgeschriebenen Wechselintervalle von 15.000 Kilometern sind heute eher hoch gegriffen.

Vergessen Sie auch bitte die Reifen nicht. Zehn Jahre alte Reifen sorgen nicht nur bei der technischen Hauptuntersuchung für einen mahnenden Blick, sondern sind für ein sicheres Fahrverhalten – gerade auch bei Nässe – einfach zu alt. Dabei ist auch zu beachten, dass Reifen auch gerne einmal schon über ein Jahr alt sind, bevor diese das Lager verlassen. Auch ein zu altes Ventil oder ein zu alter Schlauch führt gerne einmal zu einem unerwünschten Zwischenfall. Und prüfen Sie den Luftdruck. Der Reifen ist die einzige Verbindung zwischen ihrem Fahrzeug und der Straße. Nicht nachzuvollziehen ist dabei, dass manche Tankstellen für Luft inzwischen Gebühren verlangen dürfen und somit die Reifenluftdruck-Prüfkultur noch weiter erschweren. Prüfen Sie bitte unbedingt auch das Reserverad. Bei einer Routineprüfung zur Hauptuntersuchung meldete ein Ingenieur einen Ersatzreifen, der nach 40 Jahren in einem heißen Kofferraum einfach begann, sich aufzulösen. 

Die Planung der Routen ist übrigens heutzutage genauso wichtig, wie die technische Überprüfung. Vermeiden Sie Autobahnen und planen Sie beispielsweise Passfahrten lieber nicht zu Stoßzeiten ein. Beispielsweise ist eine Fahrt auf den Großglockner schon aus technischer Sicht eine Tortur. Wenn man die Geschwindigkeit dann aber nicht den technischen Möglichkeiten anpassen kann, sondern in einer Kolonne „feststeckt“, ist die Belastung für den Oldtimer deutlich höher - aber auch das Nervenkostüm wird belastet. Wir können von Fahrern moderner PKWs aus Unwissenheit kein Verständnis erwarten. Deswegen an dieser Stelle nochmals der Hinweis: Die Großglockner Alpenstrasse öffnet im Sommer bereits um 5.30 Uhr und schließt erst um 21 Uhr.

Übrigens: Die alten Regeln gelten für Klassiker noch heute. Beispielsweise hat man früher in der Fahrschule noch gelernt, dass man in dem Gang bergab fährt, in dem man auch bergauf gefahren ist. Der Motor muss also mitbremsen, vor allem bei Fahrzeugen mit Seilzugbremsen, wie unser weinrotes Fotomodell.

Unsere zwei Fotomodelle von 1956 und 1961 sind ein Beispiel dafür, wie mit Oldtimern genussvoll Urlaub verbracht werden kann, seit Jahren und ohne Zwischenfälle. Im August stand für das Duo Österreich mit dem Großglockner auf dem Plan. Obligatorisch war dabei der Besuch beim „Käfer“. Der richtige Name des ehemaligen Porsche Austria-Mechanikers und somit Teammitglied beim großen Le Mans-Sieg 1970 mit dem 917 ist Helmut Frauenschuh. Nach netten Plaudereien bat er uns, vor dem Aufstieg auf die knapp 3.000 Meter doch einmal den Motorraum zu öffnen und wurde etwas ungehalten. Beide Protagonisten hatten Benzinfilter aus Kunststoff vor den Vergasern. „Ihr habt wohl keine Ahnung wie heiß es im Motorraum bei so einer Passfahrt wird. Das Plastik hält das oftmals nicht aus, wird weich oder bricht. Dann läuft der Sprit munter auf die heißen Wärmetauscher und das Wägelchen fängt lichterloh an zu brennen.“ Ohne auch eine Reaktion zu warten, war er in seiner Werkstatt verschwunden und kam mit etwas Werkzeug und neuen Benzinschläuchen zurück. Die Reise konnte mit 30 Minuten Verzögerung weitergehen, mit dem Segen des Mechanikers, der übrigens auch einen Teil des Fuhrparks der Familie Porsche betreut...

Also, verstehen Sie das Reisen mit Oldtimern doch als Oldtimerwandern. Bei richtiger Planung der Strecke und bei richtiger Vorbereitung des Fahrzeugs ist eine solche Zeitreise ein Hochgenuss.