IROC: International Race of Champions – das Porsche Rudel Roger Penskes „Beste der Besten als Rennserie für TV-Events“

Man nehme 15 vollkommen identische Porsche 911 Carrera RSR Rennfahrzeuge und lackiere diese wie eine bunte Haribo-Mischung in 15 verschiedenen Farben. So geschehen 1973 im Porsche Werk Weissach. Anschließend liefere man das Porsche Rudel in die Vereinigten Staaten an einen gewissen Roger Penske aus, der damit das erste Rennen einer Veranstaltung bestreiten ließ, in denen die Besten der Besten gegeneinander antraten. Die IROC Rennserie, International Race of Champions, wurde 1973 vom Präsidenten des Riverside International Raceway, Les Richter und Roger Penske gegründet. Eigentümer aller 15 Porsche Carrera RSR Rennwagen war Roger Penske, die Fahrer kamen aus den bekanntesten Rennserien der Welt, die in der Rennsaison zuvor als Champion daraus hervorgingen. Aus der Formel 1 wurde Emerson Fittipaldi nominiert, der 1972/73 als F1 Sieger hervorging. Die weiteren Fahrer kamen alle aus den US-Rennserien American NASCAR, Indy 500, CAN-AM, Stock Car und mit Anthony Joseph Foyt trat auch ein Le Mans Gewinner an. Insgesamt standen 12 Fahrer auf den Starterlisten, die alle einen der nagelneuen Porsche 911 Carrera RSR IROC Rennwagen bekamen. Die Meisterfahrer aus Sportwagenrennen, Indy-Car-Rennsport, Formel 1 und NASCAR World Champion waren das Ereignis der US-Rennsaison 1974 und sorgten wie von Roger Penske beabsichtigt für Einschaltquoten und Werbeeinnahmen beim Fernsehsender ABC.

 

Porsche Weissach baute 15 identische Rennwagen

Auf der Basis der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Porsche und dem Rennpartner Penske Racing, der gemeinsam mit Les Richter und Mike Phelps das IROC Format entwickelt hatte, baute Porsche eigens und exklusiv für die erste IROC-Saison fünfzehn maßgeschneiderte 911 Carrera RSR in Weissach. Diese Porsche-Armada stand 1973 abholbereit im Hof der Porsche Rennabteilung in Weissach und bot den von Penske eingeladenen 12 Champions der Rennserien ein Fahrzeug für den Wettbewerb. Drei Fahrzeuge waren als Ersatz gedacht. Die erstklassige Rennplattform war eine Kombination des 1973er Porsche Carrera RS und Leistungsmerkmalen der kommenden Porsche Generation 1974. Besondere Merkmale der IROC-Fahrzeuge, die heute zu den gesuchtesten Sammlerfahrzeugen gehören, waren der sogenannte Heckflügel, den Insider als Walschwanz bezeichneten, stark verbreiterte Fuchs-Leichtmetallfelgen und ein ausgefeiltes Paket an Sicherheitsfeatures. Angetrieben wurden die IROC-Modelle vom damals neuen 315 PS starken 3,0-Liter-911/74-Flat-Six Motor mit mechanischer High Butterfly Einspritzanlage, die in Weissach speziell für die IROC-Rennserie entwickelt und gebaut wurde. Der Boxer-Motor beschleunigte in 5,5 Sekunden auf 60 mph (100 km/h). Die Höchstgeschwindigkeit war mit 180 mph angegeben. Das Fünfganggetriebe und die Innenausstattung kamen hingegen direkt aus der normalen Porsche-Produktion.


Die 1. IROC Saison startete mit Porsche 911 Carrera RSR

Von den seit 1974 gestarteten IROC-Rennveranstaltungen war der Porsche IROC die erste und einzige Marke, die Sammlerstatus erreichen konnte. Die in den nachfolgenden IROC Rennserien eingesetzten Marken und Modelle kamen meist aus US-Produktion und US-Rennserien. 1975 bis 1981 wurden Chevrolet Camaro eingesetzt, von 1990 bis 1993 Dodge Daytona, 1994-1996 Dodge Avenger und ab 1996 Pontiac Trans Am, um die besten Fahrer der Welt gegeneinander antreten zu lassen. Keines dieser Nachfolge-Modelle in der IROC-Rennserie hat bei Sammlern aber so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wie die 15 maßgeschneiderten Porsche 911 Carrera RSR der ersten Serie. Die 15 Fahrzeuge sind alle in festen Sammlerhänden und wenn tatsächlich mal ein echter IROC Porsche angeboten wird, gehen die Preise durch die Decke. Nach Beendigung der ersten IROC-Serie verkaufte der Eigentümer der IROC-Fahrzeuge, Roger Penske, alle 15 Autos an private Rennfahrer und Rennteams. So wurde auch der nur in einer Saison von Emerson Fittipaldi gesteuerte Porsche 911 RSR IROC an den Privatrennfahrer John Tunstall verkauft, der ihn zusammen mit Charlie Kemp bei einigen IMSA-Rennen einsetzte. Der Wagen wurde bis etwa 1978 genutzt und nahm auch an den 24 Stunden von Daytona teil. Der gelbe Porsche IROC, der 1974 von Emerson Fittipaldi gefahren wurde, ging nach 1978 an den ehemaligen Drogenbaron und Kopf des Medellin-Kartells, Pablo Escobar. Escobar ließ den Porsche umbauen und fuhr ihn mit 935er Karosserie. Anfang 2021 wurde der Ex-Fittipaldi IROC in Florida von der Atlantis Motor Group in Boca Raton zum Verkauf angeboten. Umgerechnet 1,85 Mio. Euro hatte der US-Händler für dieses Porsche 911 Carrera RSR IROC-Modell aufgerufen. Das Fahrzeug war binnen kurzer Zeit für 2.31 Mio. US-Dollar verkauft.


Pole für Fittipaldi, aber Sieg für Donohue

Bleibt noch die Rennhistorie dieser ersten IROC Rennserie der zwölf besten Rennfahrer der Welt. Im ersten Rennen holte sich der damalige Formal-1-Weltmeister und spätere Indianapolis-500-Sieger, Emerson Fittipaldi, die Pole-Position, wurde aber wegen eine Reglement-Verletzung gemeinsam mit Georg Follmer am Ende des Feldes platziert. Gewonnen hatte das erste Rennen der CAN-AM Champion und Indy-500-Gewinner, Mark Donohue, der von Anfang an das Rennen dominierte und als erster die Zielflagge sah. Follmer landete mit seinem blauen Porsche 911 Carrera RSR IROC auf dem vierten Platz. Dieses Fahrzeug, das in den drei Rennen der ersten IROC Serie von Follmer und Bobby Unser gesteuert wurde, durften wir vor einiger Zeit im Original im Rahmen einer GTÜ-Classic Begutachtung genauer unter die Lupe nehmen (siehe Fotos).

Das zweite Rennen der ersten IROC-Rennserie, das ebenfalls in Riverside stattfand, konnte Follmer, der CAN-AM Champion, an Donohue vorbeiziehen und sich vom neunten Startplatz kommenden den Sieg holen. Mark Donohue schied früh aus dem Rennen aus und verlor dieses eine Mal das Rennen. Im dritten Lauf holte sich Donohue aber wieder das Siegerpodest. Das Finale und vierte Rennen dieser ersten IROC-Rennserie war dann der Straßenkurs von Daytona, an dem das Fahrerfeld gemäß den Rennbedingungen halbiert wurde. Nur sechs Fahrzeuge gingen an den Start und kämpften um die Preisgelder. Sieger wurde erneut Donohue, der 54.000 US-Dollar Preisgeld (damals über 200.000 DM) bekam. Peter Revson, CAN-AM Champion, holte mit 21.200 US-Dollar den zweiten Platz und Bobby Unser, der Indy-Car Champion den dritten Platz mit knapp 20.000 US-Dollar.

Das Poster der ersten IROC-Rennserie aus dem historischen Archiv von Porsche zeigt die 15 speziell für diese Rennserie gefertigten Porsche 911 Carrera RSR IROC Fahrzeuge mit den Namen der Rennfahrer an der Fahrertür und der Fahrgestellnummer unter dem Bild. Der Sandgelbe 911.460.0100 wurde von Fittipaldi gesteuert, der Blaue 911.460.0059 von George Follmer. Donohues IROC war der Weiße 911.460.0025. Der hier abgebildete orangefarbene IROC Porsche mit der Aufschrift Donohue, der an historischen Rennveranstaltungen teilnahm, war eigentlich das Fahrzeug von Roger McClusky, einem Stock Car Champion, der die Fahrgestellnummer 911.460.0090 trug. Mark Donohue, der die erste IROC Rennserie mit seinem Porsche dominierte und als Gesamtsieger hervorging, verunglückte am 17. August 1975 beim Training zum Großen Preis von Österreich der Formel-1.

Für Porsche war diese IROC-Rennserie ein enormer Prestigegewinn und der Auftakt weiterer Nachfragen. Der Porsche 911 Carrera RSR IROC hat viel zur Imagebildung der Marke Porsche beigetragen und ist heute eine Legende.