Silberstreif

Niemals zuvor wurden auf den Social-Media-Kanälen so viele Erinnerungen gepostet. Die meisten Veranstaltungen liegen tatsächlich bereits zwei Jahre zurück. Aber über Pfingsten gab es einen Silberstreif in der automobilen Eventlandschaft. Die meisten Lichtblicke waren in der Schweiz auszumachen. Ist das die Trendwende?

Am 20. Mai 2021 eröffnete in der Motorworld Manufaktur Region Zürich die Sonderschau „Die Interserie lebt“, mit rund 50 geladenen Gästen. Natürlich war innerhalb des Gebäude-Ensembles Maskenpflicht und es musste Abstand gehalten werden. Aber vor dem Gebäude konnten sich die Besucher sogar an einem Buffet bedienen. Gäste schwärmten danach, dass in ihr Leben ein Stück Normalität zurückgekehrt sei. Nur wenige Tage später, vom 23. auf 24. Mai 2021, trafen sich deutlich mehr Personen auf dem großzügig angelegten Areal des Forellensees im Schweizer Zweisimmen. Der Verein „Freunde von Herbert Müller“ hatte zum 40. Gedenktag des Schweizer Rennfahrer-Idols eingeladen. Ja, es gibt in der Schweiz bereits Perspektiven und eine gewisse Planungssicherheit. So wurde vor wenigen Wochen vom 10. bis 19. September 2021 das Revival der „St. Moritzer Automobilwoche“ von 1929 angekündigt. Der Veranstalter organisiert die „Bernina Gran Turismo“ seit 2015 und glänzte bereits im letzten Jahr mit einem ausgeklügelten Corona-Konzept. Das Bergrennen am Berninapass wird die Abschlussveranstaltung der Automobilwoche bilden. Auftakt ist das Revival des „Kilometer Rennens“.

Zurück nach Deutschland: Über Pfingsten war auch auf den deutschen Rennstrecken wieder etwas geboten. Am 21. bis 23. Mai kamen die „Weekend Heros“ am Nürburgring zusammen und im Experience Center auf dem Hockenheimring fand, fast unter dem Radar, eine kleine Porsche-Insider-Veranstaltung statt; organisiert von „Onassis“. Das international bekannte Brand ist angetreten, um alte Denkstrukturen in Bezug auf Porsche aufzulockern. 

Noch vor wenigen Wochen hagelte es von den Veranstaltern eine Absageflut. Am 14. März machte der Solitude Revival e.V. den Anfang und sagte das Mitte Juli geplante Revival ab. Am 6. April 2021 verkündete Joachim Althammer die Verschiebung des Roßfeld-Rennens ins Jahr 2022; schon letztes Jahr wurde auf dieses Jahr verschoben, Und am 7. Mai 2021 sagte der ADAC sehr kurzfristig die Deutschland Klassik ab, welche am 30. Juni hätte starten sollen – mit Bezug auf die aktuell bundesweit einheitlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bis zum 30. Juni 2021. 

Die Veranstalter der Schloss Dyck Classic Days (6. bis 8. August 2021) geben sich in einem Newsletter von letzter Woche indes optimistisch. Die vier Wochen später stattfindende Classic-Gala Schwetzingen wird das vom Vorjahr bewährte Konzept wieder umsetzten. Dieses schließt übrigens zahlreiches Publikum mit ein. 

Und was wird aus den Oldtimermessen? Am 21. April 2021 verkündete Roland Bosch die Verschiebung der Motorworld Classics Bodensee ins nächste Jahr. Die Retro Classic-Veranstalter hadern noch mit der Entscheidung. Mit Hochdruck wird an einem Konzept der bereits von März auf 8. bis 11 Juli 2021 verschobenen Leitmesse gearbeitet. Ob das Publikum überhaupt eine Klassikmesse im Sommer annimmt, bleibt ebenfalls abzuwarten. Kämpferisch zeigen sich auch die Veranstalter des großen Motorrad Kultfestivals „Glemseck 101“ für Anfang September auf der ehemaligen Solitude Rennstrecke vor den Toren Stuttgarts. Sie haben sich beim zuständigen Landkreis als Pilotveranstaltung beworben, um die Veranstaltung, zu der noch im letzten Jahr rund 40.000 Besucher strömten, mit Testzentren und anderen Maßnahmen möglich machen zu können. Derartige Massen auf kleinem Raum sind aber unwahrscheinlich. Das Oktoberfest ist ja schließlich auch abgesagt, da sich auf der Wiesn kein vernünftiges Hygienekonzept umsetzten lässt.

Ein Großteil der Zurückhaltung resultiert auch darauf, dass Sponsoren abgesprungen sind. Von Automobilkonzernen ist sogar zu hören, dass es Vorstandsbeschlüsse gibt, welche für 2021 sämtliche Beteiligungen an Veranstaltungen untersagen. Dadurch dreht sich die Spirale freilich noch weiter nach unten. Ohne Sponsoren und Besucher sind Oldtimer-Veranstaltungen kaum möglich; reine Fahrveranstaltungen aber schon, da sich diese hauptsächlich über Nenngelder finanzieren.

Summa summarum ist es sicherlich zu früh, von einer Trendwende zu sprechen. Aber es geht langsam wieder los, mit kleineren Oldtimerveranstaltungen. Und aus politischen Kreisen heißt es: Wir seien auf der Zielgeraden; gestützt darauf, dass sich alle Kennzahlen kontinuierlich verbessern. Aber es scheint eine sehr lange Zielgerade zu sein. Trotzdem: Die Hoffnung steigt von Woche zu Woche.

Fotos: Archiv Solitude GmbH