Die Legende lebt

BMW Alpina, BMW 3.0 CSL und BMW Motorsport GmbH. Wie gehört dies Anfang der siebziger Jahre zusammen. Die GTÜ Classic hat gleich zwei Gründe, dieser spannenden Frage nachzugehen. Erstens wurde Jochen Neerpasch, der erste Geschäftsführer der BMW M GmbH am 23. März 2021 stolze 82 Jahre alt und wir konnten bei seinem Gratulationsanruf noch die eine oder andere unklare Frage auflösen; zweitens findet in der Motorworld Region Stuttgart bis zum 6. Juni 2021 die beeindruckende Sonderausstellung „50 Jahre BMW 3.0 CSL“ statt.

Zugegeben, die Zusammenhänge sind auf den ersten Blick etwas verwirrend, letztendlich aber auch nicht, wenn man geschichtlich etwas „ausholt“. Die Produktion des BMW 2800 CS Coupés begann im Dezember 1968. Im Folgejahr konnten immerhin 3.400 Einheiten verkauft werden, bis Juli 1970 sogar 5.242 Einheiten. Daraufhin ließ man das Sechszylinder-Coupé auslaufen. Schließlich war für März 1971 auf dem Genfer Autosalon die Präsentation des Nachfolgemodells angekündigt. Das 3.0 CS Coupé mit 180 PS oder wahlweise dem 200 PS starken Einspritzmotor, dann mit der Modellbezeichnung 3.0 CSi.

Der elegante CS war von Anfang an nicht nur formal ein großer Wurf, sondern hatte auch sportliche Gene. Kein Wunder also, dass sich Spezialisten für Renn- und Rallyefahrzeuge von Anfang an mit der sportlichen Optimierung der Coupés befassten. 1970 schenkten sich die 2800-Versionen von Alpina und Schnitzer auf den europäischen Pisten keinen Meter. Die bis heute legendären Erfolge wurden aber erste erzielt, als sich BMW für die Leichtbauversion CSL entschieden hatte. Mit Schützenhilfe von Alpina wurde 1971 auf Basis des 3.0 CS mit Vergasermotor der CSL entwickelt. Durch Aluminiumteile an den Türen und Hauben, einem Dünnblech-Dach, Plexiglasscheiben (hintere Seitenfenster und Heckscheibe), einer nur 2,5 Kilogramm schweren Kunststoff-Stoßstange hinten sowie durch Weglassen von Dämmmaterial und Luxusaccessoires konnten über 200 Kilogramm eingespart werden. Doch der Verkauf war schleppend. Es fanden sich 1971 nur 165 Kunden, die für weniger mehr ausgeben wollten. Zur Homologation in der Gruppe 2 mussten aber mindestens 1.000 Wagen produziert werden. Dies war erst möglich, als 1972 die neu gegründete BMW Motorsport GmbH, heute BMW M GmbH, das Leichtbau-Projekt in die Hände nahm. Als erste Maßnahme bekam die Leichtbau-Variante den auf 3.003 ccm leicht vergrößerten Motor des 3.0 CSi mit Bosch-Benzineinspritzung, was serienmäßige 200 PS bedeutete. Trotzdem aber wanderten die meisten in dieser Form gebauten 929 Einheiten nicht in die Hände von Rennfahrern und wurden mit weit mehr Komfortdetails bestellt. Im Juli 1973 nahm die BMW Motorsport GmbH die letzten Maßnahmen vor. Mit dem 206 PS starken 3.153 ccm-Triebwerk entstanden zunächst nochmals 110 Einheiten als sogenannte „Sportversion“. Zu dieser Ausführung gehörten ein gewaltiger Frontspoiler aus Kunststoff und schwarze Luftleitkanten auf den vorderen Kotflügeln. Mit geliefert wurde darüber hinaus ein Dachspoiler sowie ein ausladender Heckspoiler. Diese Aerodynamikhilfen waren aber im deutschen Straßenverkehr nicht erlaubt. Zwischen Juni 1974 und November 1975 wurde nochmals eine Kleinserie von 57 Fahrzeugen aufgelegt. Danach endete die Geschichte des 3.0 CSL, nicht aber im Motorsport.

Die Dreiliter-Coupés wurden die erfolgreichsten Tourenwagen der siebziger Jahre und stießen die erfolgsverwöhnten Ford Capri vom Thron. Zwischen 1973 und 1979 wurden alle Tourenwagen-Europameister-Titel gewonnen. Bekannte Fahrer wie Harald Ertl, Niki Lauda, Ronnie Peterson, Dieter Quester und Hans-Joachim Stuck dominierten die damals noch durch Markenvielfalt geprägten Felder.

GTÜ Classic durfte exklusiv auf die brandaktuelle Fotoproduktion von Matze Stange zurückgreifen. Diese entstand Anfang März im Rahmen der Anlieferung des legendären BMW 3.5 CSL aus dem BMW-Museum in der Motorworld Region Stuttgart in Böblingen. Dort ist auch unser GTÜ-T2-Bulli beheimatet, der dem Fototeam bei den Arbeiten bereits um 8.00 Uhr morgens bei nur drei Grad Celsius als willkommene Ausgabestelle für Café und Butterbrezeln diente.

Der Werkswagen von 1973 mit seinem charakteristischen Streifendesign und den großen Spoilern prägte das Bild der Tourenwagen-Szene. Das hier gezeigte Fahrzeug fuhren Hans-Joachim Stuck und Chris Amon. Mit 370 PS bei 8.000 Touren pro Minute gehörte der 6-Zylinder-Reihenmotor zu den stärksten Triebwerken im Starterfeld.