Sondermodelle – eine Klasse für sich

Sondermodelle sind meistens wertsteigernd. Somit ist die Kenntnis darüber bei der Erstellung eines Wertgutachtens wichtig. Erst vor wenigen Tagen erhielt die GTÜ-Classic wieder eine Anfrage über ein mögliches Porsche-Sondermodell, über das aber auch „im Netz“ nichts zu finden ist. Wir nehmen dies zum Anlass, erklären die grundsätzlichen Unterschiede und nennen einige Beispiele.

Der Volksmund spricht nämlich immer nur von Sondermodellen und oftmals sind diese nicht einmal beim Hersteller bekannt. Es müssen deshalb drei verschiedene Arten unterschieden werden, was auch für die preisliche Einstufung wichtig ist. Am wertvollsten sind die offiziellen Sondermodelle der Hersteller. Die Sonderausstattungen sind hier klar definiert und überliefert. Es gibt aber auch Sonderversionen der Importeure. Gerade die USA waren hier sehr kreativ, aber auch die Schweiz. Und in der dritten Ebene des Rankings gibt es sogar noch Sondermodelle einzelner Porsche-Zentren. Diese haben aber kaum eine Marktrelevanz. 

Der Porsche 911 ist aufgrund seiner Jahrzehnte langen Bauzeit geradezu prädestiniert für Sondermodelle. Und da Porsche-Fahrer schon immer den intensiven Bezug zum Unternehmen schätzten, gab es auch einen Markt für limitierte Ausführungen. Sondermodelle als verkaufsfördernde Maßnahme gab es beim Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen bereits seit den siebziger Jahren, in den letzten 20 Jahren entstand daraus ein regelrechter Hype. Premiumhersteller brachten ein Sondermodell nach dem Anderen und inflationierten das Thema. Immer mehr Spekulanten versuchten ein limitiertes Fahrzeug zu ergattern, doch die Geschäfte blieben aus. Der Markt war überhitzt und Aufpreise wurden kaum noch bezahlt.

Das erste Sondermodell der Elfer-Geschichte überhaupt erschien 1975 zur 25-jährigen Porsche-Produktion in Stuttgart. Alle 400 Fahrzeuge erhielten eine Plakette auf dem Handschuhkasten-Deckel. Sie trugen die Signatur von Ferry Porsche, die laufende Nummer sowie den Slogan „25 Jahre Fahren in seiner schönsten Form“. Die Elfer waren alle in Silbermetallic lackiert und bekamen zahlreiche M-Nummern-Ausstattungen (Extras).

Neben der europäischen Ausführung gab es auch 500 Einheiten für den US-amerikanischen Markt. Im Modelljahr 1980 fertigte Porsche sogar 400 Sondermodelle nur für den amerikanischen Markt, das Modell Weissach (M 439).

Rechtzeitig zu den Feierlichkeiten „50 Jahre Porsche“ auf dem Nürburgring im August 1981 gab es Sondermodelle für die gesamte Fahrzeugpalette, also auch für den 924 und den 928 S. Die Fahrzeuge waren in Meteormetallic lackiert und verfügten über eine besonders aufwendige Innenausstattung in einer weinroten Leder-Stoff-Kombination. Erstmals wurde auch die Unterschrift von Ferry Porsche auf die Kopfstützen aufgestickt. 

Im Jahr 1989 schließlich gab es die ersten Initiativen umsatzstarker Händler zum Modellwechsel vom sogenannten G-Modell zur Baureihe 964; so beispielsweise eine kleine 911 Cabrio-Sonderserie in Schwarz mit besonders reichhaltiger Innenausstattung. Amerika bot eine „Last Edition“ an.

Bedeutend und „ab Werk“ wurde es spätestens wieder anlässlich „30 Jahre 911“ im Modelljahr 1993. Es gab 911 Einheiten eines Carrera 4 unter der Karosserie des 911 Turbo in Viola-Metallic. Diese Version gilt in Sammler-Kreisen als einer der schönsten 911 überhaupt, was sich auch in den Marktpreisen deutlich widerspiegelt.

Bei den wassergekühlten Elfern waren der „Millenium-911“ (Oktober 2000) sowie die Geburtstags-Elfer „40 Jahre“ (IAA im September 2003) und „50 Jahre“ (IAA im September 2013) besonders anspruchsvoll umgesetzt. Zum 50-Jahre-Jubiläum „Porsche Import Schweiz“ im Jahr 2001 gab es nur für den Schweizer Markt ein limitiertes 911 Carrera 4 Cabriolet mit 18-Zoll-Rädern im Sportdesign. Eine komplette Auflistung aller Sondermodelle würde den Umfang dieses Beitrags sprengen. Trotzdem noch ein kurzer Blick in die Neuzeit: Das aktuellste Sondermodell aus Zuffenhausen ist ein Boxer, die Edition „25 Jahre“ im GT-Silbermetallic.

Und noch ein aktuelles Beispiel aus Frankreich: Alpine erinnert an die großen Erfolge der französischen Sportwagenmarke mit einem auf 1955 Exemplare (das Gründungsjahr) limitierten Sondermodell „A 110 Première Édition“, mit zahlreichen liebevoll umgesetzten Details. Auch die Supersportwagen der Hersteller Mercedes-Benz, Ferrari, McLaren, Lamborghini und Maserati hatten besondere Schmankerl im Angebot. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fotos: Porsche AG, historisches Archiv; Solitude GmbH