Historische Servicewagen und historische Transporter von Rennfahrzeugen – vom Mercedes-Langhauber bis zum Porsche-Konzeptfahrzeug

Heute gehört es fast schon zum „guten Ton“ einer hochwertigen Oldtimer-Veranstaltung, dass der ein oder andere historische Transporter von Rennfahrzeugen im Fahrerlager zu finden ist – zumal diese historischen Zeitzeugen immer einen Blickfang darstellen. GTÜ Classic hat die Anfänge des Revivals dieser besonderen Fahrzeuggattung recherchiert.

Tatsächlich gibt es einen Pionier. Robert Fink kaufte vor 20 Jahren einen Mercedes L 315 (Bezeichnung bei der Auslieferung L 6600) von 1954, um damit seine Oldtimer zu transportieren. Der mächtige Sechszylinder-Lastwagen wurde in der Lehrlingswerkstätte der Münchner Niederlassung am Frankfurter Ring von Grund auf restauriert und sollte dann im Mercedes-Museum ausgestellt werden. Da das heutige 3.500 Quadratmeter große Museum noch nicht fertig gestellt war (erfolgte dann im Jahr 2006), lehnte Direktor Max Gerrit von Pein ab. Daraufhin kam Oldtimer-Enthusiast Fink zum Zuge. „Ich musste erste einmal einen LKW-Führerschein machen“, schmunzelt der 72-jährige heute – „und dann vor allem das Problem mit der Höchstgeschwindigkeit lösen“, führt der Münchner weiter aus. Mein 315 war als Kipper eingesetzt und bei 60 Stundenkilometern war Schluss. Abhilfe schaffte ein Bus-Getriebe, das ich nach zähen Verhandlungen von Mercedes noch bekam. Somit beschleunigt der 148 PS starke 8,3 Liter Diesel den LKW mit einem Gesamtgewicht von rund 14 Tonnen heute theoretisch auf komfortable 115 Stundekilometer, gleich ob mit einem Alfa Romeo P3, einem Porsche 356 Speedster oder selbst einem Bentley Blower huckepack.

Unvergessen sind die Momente, als Robert Fink im Jahr 2003 erstmals im Fahrerlager des Nürburgrings oder am Red Bull-Hangar zum Start des Gaisberg-Rennens auftauchte und mit endlos langen Rampen seinen Alfa Romeo P 3 von 1932 ablud.

Ein Enthusiast aus Stuttgart war so fasziniert, dass er das Transportthema seines Monopostos innerhalb weniger Monate umsetzte. Bereits am 18. September 2004 fuhr Sigmund Walter einen Tempo Matador aus dem Jahr 1963 - mit einem „Formcar“ von 1964 huckepack - beim „Hillevent“ in Tübingen ins Fahrerlager. Das patinierte Gespann begeisterte und das Abladen des Formel Vau-Renners war deutlich einfacher, wie bei der Fink-Fuhre. 

Während sich die Szene für Transporter historischer Rennfahrzeuge zaghaft weiterentwickelte, erfreuten dafür in den Folgejahren Servicefahrzeuge vom Typ VW T1 oder T2 die Besucherherzen von Oldtimerveranstaltungen; besonders beliebt als Rekreation von Porsche-Servicewagen. 

Im Jahr 2006 ergänzte Earl of March (heute Duke of Richmond) seine Einladung zum Goodwood Revival um die Kategorie historische Transporter von Rennfahrzeugen. Wer diesen zusätzlichen Transport auf sich nahm, bekam damals noch die Fähre bezahlt und konnte sich im Veranstaltungsareal mit den seltenen Fahrzeugen frei bewegen. Sigmund Walter nahm diese Chance mit seinem Tempo Matador wahr und belud die Pritsche mit dem in Leonberg gebauten Formel-Junior-Rennwagen „Mitter-DKW“.

Das erste Treffen für historische Transporter von Rennfahrzeugen und Servicewagen wurde vor 10 Jahren in Stuttgart erdacht. Die Solitude GmbH lud erstmals zu so einem Treffen vom 15. bis 17. April 2011 im Rahmen der Hockenheim Historic auf den Hockenheimring ein. Highlight war der Fiat 642 RN 2 Bartoletti-Transporter, welchen sich 1957 die Scuderia Ferrari bauen ließ. Dieser rechtzeitig zu diesem Treffen in jedem Detail wunderschön restaurierte Transporter wurde zusammen mit dem Alfa Romeo P3 (Ex Robert Fink) sowie einem Ferrari 250 Testarossa von 1958 präsentiert.

Auch der Belgier Mike Tempels gehört zu den ersten, welche sich mit historischen Transportern beschäftigten. Er restaurierte einen Opel Blitz „Porsche Renndienst“ und machte diesen mit modernerer Technik auch für längere Strecken nutzbar. Zusammen mit einem passenden Anhänger gehört das Gespann seit über fünf Jahren zum Fundus des Porsche-Museums. Der damalige Archiv-Chef Dieter Landenberger bekam in dieser Zeit auch einen VW T13-Servicewagen eines Porsche-Teams mit erhöhtem Dachaufbau aus Skandinavien angeboten – und Porsche kaufte. Dieser Wagen inspirierte die Designer in Weissach. Es entstand im Jahr 2018 die Porsche Vision „Renndienst“. Die Zeichnungen mündeten in einem Hartmodell im Maßstab 1:1. Das Resultat ist ein futuristischer „Raumgleiter“ mit spannenden Proportionen. Die Studie verdeutlicht, wie sich die Porsche-DNA, in diesem Fall ein familienfreundliches Raumkonzept für bis zu sechs Personen, auf ein für die Marke bisher unbekanntes Fahrzeugsegment übertragen lässt. Die Zukunft hat begonnen.