Hanomag Partner: Mutiges Konzept und fortschrittliches Design - Neustart und Ende der Hanomag Pkw-Produktion vor 70 Jahren

Eigentlich sollte der Hanomag Partner der Produktionsneustart der Hanomag Personenwagen nach dem 2. Weltkrieg sein, aber der bei der Pressevorstellung optimistisch gewählte Slogan: „Hanomag baut wieder Personenwagen“ war schon nach kurzer Zeit wieder vergessen. Ein mutiges Konzept mit fortschrittlichem Design wanderte in die Schrottpresse, obwohl der zur IAA 1951 in Frankfurt a.M. vorgestellte Wagen seinen Mitbewerbern am Markt den Rang hätte streitig machen können. Der Hanomag Partner, von der Presse damals hochgelobt, blieb wegen produktions- und versorgungstechnischer Probleme ein unternehmerisches Sorgenkind, dessen rund 20 Prototypen noch im gleichen Jahr verschrottet wurden.

Hanomag Partner: Mutiges Design aber teuer

Nachdem im Jahre 1941 die PKW-Produktion bei der Hannoverschen Maschinenbau AG (Hanomag) zum völligen Erliegen kam, weil die notwenigen Presswerkzeuge in der „Ostzone“ festgehalten wurden, begann Hanomag damit etwas grundsätzlich Neues zu entwickeln. Das Ergebnis, in den ersten Nachkriegsjahren ständig verbessert, war der Hanomag Partner Personenwagen, der den Neubeginn des Automobilbaus bei Hanomag markieren sollte. Eigentlich stimmte alles an diesem Wagen. Er war mutig konzipiert, hatte ein fortschrittliches Design und das Zeug zum Traumwagen der 50er Jahre. Aber die Pressefotos (siehe Werksfotos Hanomag) mit einem flotten „Partner“ im Straßenverkehr täuschten über die Realitäten hinweg. Das hier im Straßenverkehr und beim Picknick abgebildete Automobil war eines von 11 Vorserien-Exemplaren die zur IAA 1951 hergestellt wurden und wenig später in der Versenkung verschwanden. Von den insgesamt 20 gebauten Versionen hat nur eines im Karmann-Museum überlebt, denn bei Karmann wurden damals die Karosserien gefertigt. Gewonnen hat das Rennen im deutschen Automobilmarkt beim Publikum eindeutig die technisch veraltete und zudem gewöhnungsbedürftigste Karosserieform der 50 Jahre – der VW Käfer. 

 

Technisch sehr innovativ bis auf den Motor

Billig und ein Dach über dem Kopf war die Devise der Deutschen. Auch aus diesem Grunde machte der Hanomag Partner gegenüber seinen teils hässlichen und technisch veralteten Mitbewerbern eine gute Figur. Es war die Zeit der Lloyd 600, Goliath GP 700, DKW Junior, Fuldamobil, Gutbrod Superior, Champion 400, Kleinschnittger und Goggomobile, die allesamt billiger aber auch unspannender waren. Der Hanomag Partner war weder das eine noch das andere, er war innovativ, sah gut aus, war aber für die meisten nicht erschwinglich. Der Hanomag Partner besaß Frontantrieb, wartete mit einer Breite von 1,70 Metern auf und hatte eine Karosserie, die von Karmann in Osnabrück entworfen und hergestellt wurde. Auffallend war, dass vorne drei Personen Platz nehmen konnten, während hinten zwei weitere Sitze vorhanden waren. Die Gesamtlänge des Hanomag Partners war mit 4 Metern nur wenig kürzer als die eines Opel Olympia. Einzig der 3-Zylinder Zweitakt-Vergasermotor mit 28 PS Leistung und 697 ccm Hubraum passte nicht so recht zum ansonsten stattlichen Erscheinungsbild des „Partners fürs Leben.“ 

 

Panoramascheiben und gute Sichtverhältnisse

Die weiteren technischen Details waren allerdings auf der Höhe der Zeit. Einzelradaufhängung an wartungsfreier Gummi-Drehfederung, hydraulische Teleskop-Dämpfer und Öldruckbremse. Der Partner besaß weiter ein vollsynchronisiertes Dreigang-Getriebe mit Lenkradschaltung, eine Einzelradlenkung mit geteilter Spurstange sowie eine freitragende Ganzstahlkarosserie. Und im Detail hatte dieses Fahrzeug bereits technische Lösungen, die weder bei Mercedes, Opel oder Volkswagen vorhanden waren: die 12 Volt-Anlage. Hinzu kam ein von außen und innen zugänglicher Kofferraum und Schalter für Licht und Blinker, die an der Lenksäule angebracht waren und eine optische und akustische Anzeige am Armaturenbrett besaßen. Weitere Neuheiten waren die vorne und hinten vorhandenen Panoramascheiben und die damit verbundenen besseren Sichtverhältnisse. Das hatte seinen Preis. 

 

Materialbeschaffungsprobleme und fehlende Bleche

Der Hanomag Partner sollte, so die Messe-und Prospekt-Unterlagen aus dem Jahre 1951, für 5.850 Mark angeboten werden. Ein Käfer Standard kam damals auf 4.500 Mark, der flottere VW Käfer Export auf 5.100 Mark und ein weiterer Konkurrent in dieser Klasse, der Plastikbomber Lloyd 600, kostete gerade mal um die 4.400 Mark. Nach der Vorstellung des Wagens auf der IAA 1951 in Frankfurt und parallel dazu in Berlin, kam dann sehr schnell das „Aus“ für den Partner. Offiziell waren es Probleme bei der Beschaffung von Karosserieblechen, die eine Produktion des Wagens als unrealisierbar erschienen ließen. Und in der Tat herrschte damals Rohstoffmangel, was auch die zeitgleiche Entwicklung Trabant im Osten zu spüren bekam, der dann als „Rennpappe“ auf den Markt kam. 11 Vorserienwagen (andere Quellen nennen 20 Vorserienwagen) wurden hergestellt, ein paar sollen überlebt haben, darunter einer im Karmann Museum und alle anderen landeten in der Schrottpresse. 

Hanomag konzentrierte sich nach dem Ausflug im Automobilbau auf den Nutzfahrzeugbau, auf den sie sich mittlerweile spezialisiert hatten und sehr erfolgreich waren. Kooperationen mit Vidal & Sohn (Tempo) in Hamburg-Harburg und Mercedes-Benz brachten kleine aber damals benötigte Transporter für das Handwerk und den Handel heraus, bis Mercedes-Benz diesen Transporterbereich vollständig übernahm und bei Hanomag nur noch die Landmaschinen und Traktoren die Grundlage im Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre bildeten.

 

Hanomag baute vor dem 2. Weltkrieg innovative Automobile

Was blieb waren die Erinnerungen an den teils fortschrittlichen und technisch guten Standard der Hanomag Vorkriegsfahrzeuge. Erinnert sei hier noch an den eleganten Hanomag Sturm, einen Wagen mit Sechszylindermotor, für den Hebmüller in Wuppertal und Gläser in Dresden in den späten 1930er Jahren elegante Cabrio- und Roadster-Aufbauten schufen. Doch die Hanomag Werke hatten vor dem Krieg auch kleinere Personenwagen im Programm. Beispielsweise der 1.3 Liter-Hanomag von 1939 mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie, der dem späteren Käfer nicht unähnlich sah. Das bekannteste Modell dürfte hingegen das „Kommissbrot“ sein, jener Volkskleinwagen mit zwei Sitzen und einem Einzylinder-Heckmotor, der 1923 das Licht der Welt mit der offiziellen Bezeichnung „Hanomag 2/10 PS“ erblickte und dessen Gene auch in dem Neustart-Modell Hanomag Partner steckten. Aber obwohl fortschrittlich und seiner Zeit voraus, kam es beim „Partner“ vor 70 Jahren zu keiner Serienproduktion und der Name Hanomag verschwand aus der Personenwagen-Geschichte der Bundesrepublik.