ZDK, VDA und VDIK zur neuen BBE-Studie “Markt der Classic Cars” - Konsolidierung im Corona-Jahr und leichtes Wachstum im Jahre 2021

Die BBE Automotive GmbH in Köln präsentierte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Verbänden ZDK, VDA und VDIK die neue Studie zum Markt der Classic Cars. Die Pressekonferenz wurde am 07. Dezember 2020 auch als Livestream aus der historischen Empfangshalle der Motorworld Köln-Rheinland übertragen. Präsentiert wurde unter anderen der aktuelle Bestand an Classic Cars auf Basis der Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und einer bundesweit angelegten Befragung von etwa 300 Werkstätten mit Classic-Engagement. Erstmals wurde zudem der Oldtimerbestand Deutschlands bezüglich des Wertes analysiert und in sieben trennscharfe Segmente gegliedert. Bei den Oldtimern ergibt sich in Summe etwa ein Bestand von einer Million Fahrzeuge, allerdings sind das lediglich etwa 1,8 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands in Deutschland. Davon wären rund 200.000 Fahrzeuge über 07er Kennzeichen oder in Museen und Sammlungen stehend gar nicht zugelassen.

Die Branche kommt konsolidiert aus dem Corona-Jahr

Mit der neuen 4. Studie liegen umfassende und verlässliche Daten über den Markt der Classic Cars in Deutschland vor, so die beiden Redner Fritz Cirener (VDA) und Matthias Kemmer (ZDK), die in ihren Grußworten ebenso wie der live zugeschaltete Sprecher des VDIK, Dr. Thomas Almeroth, einen optimistischen Blick in die Zukunft der Branche wagten. In den kommenden Jahren sei sogar mit einem leichten Wachstum zu rechnen, nachdem die Branche konsolidiert auf dem Corona-Jahr komme.

Im Fokus der Studie und relevant für die Classic-Car-Branche stehen die Old- und Youngtimer, die in der Freizeit als Hobby oder Anlageobjekt genutzt werden. In Summe sind es ca. 1,4 Millionen Fahrzeuge. Der Bestand an „Classic Cars“ (Young- und Oldtimer ab 15 Jahren) ist gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent gewachsen und umfasst derzeit rund 9,5 Millionen Fahrzeuge. Mit zweistelligen Wachstumsraten entwickeln sich lediglich die Fahrzeuge ab 25 Jahren dynamisch. Aus dem hochwertigen Bestand der mindestens 25-jährigen Youngtimer könnten jährlich in etwa 70.000 zum Oldtimer werden. Bei Youngtimern zwischen 15 und 19 Jahren hingegen stellt sich bereits eine leicht rückläufige Entwicklung ein.

 

Classic Cars Bestandsbewertung: 24 Milliarden Euro

Im Rahmen der Studie erfolgte die neue Segmentierung des Bestands um sieben trennscharfe Segmente. In Expertenrunden wurde in der aktuellen Studie erstmals eine bestandsorientierte Bewertung vorgenommen. Im Ergebnis wird deutlich, dass Oldtimer kein so teures Hobby darstellen, wie gern angenommen wird. Es dominiert das Volumensegment im Wert von 10.000 Euro bis zu 50.000 Euro mit einem Anteil von 51 Prozent. Eine kleine Gruppe von lediglich 8 Prozent aller zugelassenen Oldtimer hat einen höheren Wert als 50.000 Euro. Die zweitgrößte Gruppe mit 41 Prozent der zugelassenen Oldtimer liegt beim Wert bis zu 10.000€. Das Premiumsegment mit seinen 8 Prozent aller zugelassenen Oldtimer steht aber für 38 Prozent des gesamten Fahrzeugwerts in Höhe von 24 Milliarden Euro. „Der Einstieg in die Oldtimerszene ist erschwinglich“, so Gerd Heinemann, Geschäftsführer von BBE Automotive, zur Bestandsbewertung.

 

Bedeutender Wirtschaftsfaktor „Classic Cars“

Die Branche ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung: Mehr als 3.500 Werkstätten und Autohäuser mit über 9.000 Beschäftigten engagieren sich hier, 3.000 Händler liefern Teile, und von 4.000 Events im Jahr profitieren viele Branchen. Die Branche meldet ein durchwachsenes Jahr 2020. Corona hat erwartungsgemäß Auswirkungen gezeigt und bei 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmer zu Umsatzeinbußen geführt. Es herrscht aber Optimismus für das Jahr 2021. Nach wie vor bewegen die Branche die Rekrutierung geeigneter Fachkräfte, die häufig schwierige Teilebeschaffung und Hilfestellung bei komplexen Reparaturen. Auch der fehlende Austausch mit Kollegen wird bemängelt. BBE sieht große Chancen für die Branche durch Vernetzung: „Hier fehlt es derzeit aber an Strukturen“, so Martin Sölter, Senior Consultant der BBE Automotive.

 

Hohe Akzeptanz in der Gesellschaft

Aktuelle Ergebnisse aus der 2020er Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) zeigen, dass sich 43 Prozent der Bevölkerung freuen, wenn sie einen Oldtimer sehen, und jeder Dritte gerne einmal mit einem Oldtimer fahren würde. Immerhin 17 Prozent würden gerne selbst einen besitzen. Zusammenfassend sind Oldtimer für fast jeden Zweiten etwas Besonderes, charmant und bieten auch Zugang zu Gleichgesinnten. Erwähnenswert sind auch die jungen Autofahrer, denn die unter 30-Jährigen stellen mit 23 Prozent die größte Gruppe mit „Interesse an der Fahrt mit einem Oldtimer“ dar. Der zugelassene Bestand wird von deutschen Marken dominiert 

 

Deutsche Marken dominieren, Japan holt aber auf

Im Oldtimer- und auch im Youngtimer-Bestand dominieren die deutschen Marken. Am häufigsten vertreten sind die Marken Volkswagen und Mercedes-Benz. Sie stehen für 43 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge. Volkswagen stellt auch die Top 3 Modelle, angeführt vom Käfer mit 53.000 Einheiten, gefolgt vom Golf (41.000) und dem VW Bus (37.000). Die zwei Importmarken Fiat und GM schaffen es mit mehr als 20.000 Einheiten unter die Top10. Japanische Marken folgen den Deutschen Marken auf Platz zwei.

 

Deutliche Unterschiede im regionalen Bestand

In Deutschland können die Oldtimerhochburgen über den Fahrzeugbestand identifiziert werden. Grundsätzlich befinden sich diese insbesondere in den kaufkraftstarken Gebieten der Großstädte und in deren Umlandsorten. Am Beispiel der Stadt Bottrop, mit einem vergleichsweise hohen Oldtimeranteil von 3,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 1,8 Prozent) wird aber deutlich, dass auch andere Regionen durchaus Hochburgen bei Oldtimern darstellen. Die Bestandsstruktur unterscheidet sich hier deutlich von kaufkraftstarken Gebieten mit Mercedes- und Porsche-Dominanz: Hier verfügen Marken wie Opel, Ford und Volkswagen über eine größere Bedeutung und bekräftigen die starke, emotionale Bindung zum historischen Kulturgut.

 

Die Branche kann wesentlich professioneller agieren

Im Ergebnis der Studie zeigen sich die Autoren und Partner bestätigt mit der Entwicklung und blicken optimistisch in die Zukunft. Angemahnt aber werden gemeinsame Maßnahmen zur Professionalisierung in Form von starken Netzwerken zur Optimierung des täglichen Geschäfts. Auch bei der Selbstdarstellung und Sichtbarkeit der Marktakteure lokal, aber insbesondere im Web, wurden klare Defizite erkannt. Viele präsentieren sich nicht aktiv mit ihrer Kompetenz und Dienstleistung, verfügen über wenig Classic-Ambiente und nutzen ihre Chancen zur eindeutigen, regionalen Positionierung mitunter nur unzureichend.

 

Die Studie ist bei der BBE Automotive GmbH im Internet abrufbar.