Jaguar XJ – die stilprägende Ikone aus England ist in seiner Urform für viele die schönste jemals gebaute Limousine

Wir, das GTÜ-Classic-Team, blicken an einem dieser schönen Herbsttage zurück auf insgesamt acht Generationen der Jaguar XJ-Serie. Das Fotofahrzeug wurde entsprechend der besonderen Jahreszeit ausgewählt: Ein Jaguar XJ 6 4.2 L der zweiten Serie in Chestnut Brown.

Wenn es nach der ursprünglichen internen Projektbezeichnung bei Jaguar Ende der 1960er Jahre gegangen wäre, dann stünde die Bezeichnung XJ “eXperimental Jaguar” damals für eine Zwischenlösung und wäre alsbald von den Notwendigkeiten der Modellerneuerungen überholt worden. Die Formgebung dieses heute als Stil-Ikone geltenden Modells wurde noch weitgehend von Sir William Lyons, dem Gründer von Jaguar beeinflusst, der mit dem XJ seine Zukunftsvision aus der Perspektive der sechziger Jahre kreierte. Heute, rückblickend auf 50 Jahre Jaguar XJ, steht fest: kein anderes Modell des britischen Unternehmens hat dieses Flaggschiff jemals vom Sockel geholt. Die XJ Baureihe, ursprünglich nur als Ersatz für die damals auslaufenden Modelle MK II, 420 und X gesehen, überzeugte neben den klassischen Designlinien auch mit Leistung, Technologie und gediegenen Luxus. 

Um die XJ-Baureihe gebührend zu feiern, legte Jaguar zum 50jährigen Jubiläum den XJ50 auf, der sowohl den bewährten 3.0 Liter V6-Turbodiesel mit rund 300 PS aufweist und mit seiner Ausstattungslinie Premium Luxus, die wesentlichen Attribute seines XJ-Urahnen vorweisen kann. Diamantgedrehte schwarze 20-Zoll-Felgen mit den Doppelspeichen des XJ R Sport, Softgrain-Ledersitze mit Diamanten- oder Rautenmusterung für hohen Sitzkomfort, beleuchtete Einstiegsleisten und mit XJ50-Prägung auf den Mittelarmlehnen. Weitere Ausstattungshighlights sind die silberfarbenen Applikationen, Schaltwippen in Silber, Pedalerie aus Edelstahl und Dekorelemente in Walnuss-Echtholz, die schon in seinem Urahn vor 50 Jahren zu finden waren und dessen Stil-Element sich bis heute gehalten hat.

 

Die Geschichte einer lebenden Legende

Bei seinem Debüt vor 50 Jahren wurde der neue XJ mit einer 242 PS starken 4.2-Liter- Variante des bewährten XK-Reihensechszylinders mit Doppelvergaser angeboten. Für die kontinentaleuropäischen Märkte wurde zwar anfangs noch eine 2.8 Liter-Version mit 149 PS angeboten, aber das Programm des XJ konzentrierte sich in den Folgejahren auf die 4.2 Liter und 5.3 Liter Versionen. Das serienmäßige Vier-Gang-Schaltgetriebe war auf Wunsch mit Overdrive erhältlich, ein Automatikgetriebe gab es wenig später gegen Aufpreis. Sehr überzeugend war die Spitzengeschwindigkeit des 4.2 Liter-Modells, die bei annähernd 200 km/h lag und Jaguar mit seinen Konkurrenten Bentley und Rolls-Royce gleichziehen ließ. Anfang 1970 folgten dann die edlen Daimler-Versionen, die wie ihre Vorgänger unter der Bezeichnung “Sovereign” angeboten wurden, aber preislich um einiges höher als die Jaguar-Modelle zu haben waren. Erkennungsmerkmale der Daimler Sovereign waren die geriffelten Kühlerrippen mit Vertikalrippen und neben einer noch luxuriöseren Ausstattung gab es den Overdrive fürs Getriebe beim Daimler Sovereign ab Werk.

Alle Jaguar XJ und baugleichen Daimler Sovereign waren mit Einzelradaufhängungen, selbsttragender Karosserie und vier Scheibenbremsen ausgestattet. Für die Modellbezeichnung XJ 6 entschied sich Jaguar schlicht deshalb, weil der Wagen von einem Sechs-Zylinder-Motor angetrieben wurde, aber ab 1972 kamen dann noch die V12-Motor-Modelle hinzu, die als XJ 12 und Daimler Double Six auch eine Klimaanlage aufwiesen. Diese durchweg mit 5.3-Liter-V12-Motoren Jaguar- und Daimler-Modelle dominieren jahrelang den Markt der 12-Zylinder-Fahrzeuge. Die 1970er Jahren standen dann auch unter dem Motto noch mehr Platz und Luxus und das Topmodell erhielt einen um 102 mm verlängerten Radstand und mehr Platz im Fond. Daimler brachte den Double Six Vanden Plas mit Long-Wheelbase auf den Markt, der besonders luxuriös ausgestattet auch Einzelsitze im Fond hatte.

 

XJ Serie II – das heiß begehrte XJ C Coupe kommt

Nach knapp 100.000 gebauten Exemplaren wurde ab 1973 die überarbeitete XJ Series II vorgestellt, die den 2.8 Liter Motor abschaffte und durch neue 3.4 Liter-Variante mit 165 PS ersetzte. Bei Daimler kam eine Vanden Plas Sovereign Version dazu, die einen 4.2 Liter Motor hatte und generell mit langem Radstand geliefert wurde. Das Design wurde nur marginal überarbeitet, was dem US-Markt geschuldet war. Höhere Stoßstangen vorne und hinten erforderten eine Modifizierung der Scheinwerfer- und Kühlergrillpositionen. Hinzu kam ein neu konzipiertes Armaturenbrett, bei dem alle Instrumente jetzt im Blickfeld des Fahrers direkt hinter dem Lenkrad angeordnet waren. Der kurze Radstand der XJ Modelle wurde im Grunde nur bei dem neu vorgestellten XJ C Coupe beibehalten, das anfangs wegen Problemen der hinteren Seitenfenster erst 1975 erhältlich war und bereits nach zwei Jahren wieder eingestellt wurde. Heute zählt das knapp mit 10.000 Exemplaren hergestellte Coupe zu den seltenen und heißt begehrten Jaguar XJ Modellen. Erkennungsmerkmale sind neben der fehlenden B-Säule vor allem die mit Vinyl bezogenen Dachpartien. Das Coupe war als 4.2 Liter-Sechszylinder und als V12-Modell erhältlich und zählt zu den besonders edlen XJ Varianten.

Serie III kam dann Ende 1979 nach einem Pininfarina-Makeup auf den Markt. Auffallend an der Serie III sind die größere Glasflächen sowie eine schräger abfallende Heckscheibe. Das größere Glashaus ließ den XJ flacher erscheinen, obwohl die Kopffreiheit vor allem im Fond zugenommen hatte. Technisch kamen mit der Serie III ein Fünf-Gang-Getriebe für die Sechszylindermodelle und eine Benzineinspritzung für den 4.2-Liter-Motor als Novum in der XJ Serie. Noch bevor die Serie III Ende 1985 auslief, wurde die Bezeichnung Sovereign von Daimler auf Jaguar übertragen und blieb fortan den luxuriösesten Jaguar-Versionen vorbehalten. Die vierte Generation war dann der XJ40 mit einem kantigeren Outfit und neuem 6-Zylinder-Motor, der als letzte XJ Serie noch von Sir William Lyons beeinflusst war. Er starb 1985 und hinterließ mit den XJ-Serien I bis IV die umsatzstärksten Modelle der britischen Raumkatze.

Im Modelljahr 1990 löste ein neuer 4,0-Liter den 3,6-Liter-Motor ab, aber der XJ40 blieb bis 1994 im Programm und wurde mit über 200.000 Exemplaren ein neuer Verkaufsschlager. 1994 startete die fünfte Generation mit dem X300 durch, nachdem 1989 Ford die Marke Jaguar übernommen hatte und an der Entwicklung erheblichen Anteil trug. Mit der sechsten Generation kam dann der erste Jaguar XJ mit V8-Motor auf den Markt und der X308 brillierte 1997 mit V8-3.2 Liter Motor (237 PS) und dem V8-4.0 Liter Motor (284 PS). Die stärkste Variante war die Kompressor-Ausführung mit 363 PS. Die XJ6 und XJ12 Modellbezeichnungen hatten ausgedient und der XJ8 setzte die Tradition der XJ-Baureihe fort. Mit der siebten Generation 2003 setzte Jaguar erstmals auf eine Aluminiumversion und 2009 kam dann die achte und heute noch aktuelle XJ-Baureihe, die zum 50-jährigen Jubiläum mit dem XJ 50 der gesamten Baureihe ein Denkmal setzt.