Restomod: Für Puristen die Pest, aber eigentlich nicht aufzuhalten - Außen möglichst nah am Original, aber innen modernste Technik

Ein Aufschrei in Halle 3 einer beliebigen Oldtimer-Messe, gefolgt von heftigen Diskussionen über Originalität, historisch korrekte Restaurierung und der Fluch dieser neuen Modewelle, die als „Restomod“ wie die Corona-Pandemie durch die Szene wabert. Die Rede ist von einer bereits seit Jahren zaghaft in Erscheinung getretenen Restaurierungswelle, die zwar möglichst nah am Erscheinungsbild des Originals arbeitet, aber unter dem Blech vorwiegend modernste Technik verwendet, eben wie es der Name schon sagt: RESTO (Restaurierung) und MOD (mit modernster Technik). Die Krone des Ganzen setzen aber jetzt jene Restomod-Fahrzeuge diesem Trend auf, die auch noch den Verbrennungsmotor verbannen und durch alternative Antriebe ersetzten. Allen voran die elektrogetriebenen Tesla Powerpacks, die in allen Leistungsstufen zu haben sind und für jedes Auto modifiziert werden können.

Die Zukunft der Klassiker?

Allen voran stürmen zwei Unternehmen auf den Markt, die als Vorbild für weltweit hunderte kleine Unternehmen dienen, die diesen Trend aufgreifen und mit Marketingbotschaften wie „die Zukunft der Klassiker ist elektrisch“ oder „wir bewahren die Vergangenheit, indem wir die Zukunft annehmen!“ die beschauliche Oldtimerszene aufschrecken. Die einen, Lunaz Design, sitzen im britischen Silverstone und modeln dabei mit Vorliebe Jaguar, Daimler, Rolls-Royce oder Minis auf Restomod-Standard um. Dabei wird im Rahmen einer Frame-Off-Restaurierung das originale Erscheinungsbild möglichst nah am Original belassen, aber was Performance, Lackierung, technischer Komfort, Sicherheitsausstattung, Motor, Getriebe, Fahrwerk, Lenkung, Bremsanlage oder Innenausstattung angeht, wird so ziemlich alles durch modernste Technik ersetzt. Als letzten Schritt kommt dann noch die Umweltverträglichkeit auf den Restomod-Bauplan und der ehemals historische Jaguar XK120 erhält einen Elektroantrieb neuester Bauart. Dabei setzt Lunaz Design auf firmeneigenen Antriebsstränge, die entweder als Einzel- oder Doppelmotor mit einem Drehmoment von bis zu 700 Nm und max. 375 PS ausgestattet werden. Neben diesen emissionsfreien Antrieben, pflanzt Lunaz ABS, Traktionskontrolle, Klimaanlagen, LED-Scheinwerfer, Servolenkung, Infotainmentsysteme und entsprechend strapazierfähige neue Materialien des Interieurs in die ansonsten klassische Außenhaut. Weitere Stromer wie Bentley S2 Flying Spur, Rolls-Royce Silver Cloud oder Phantom V folgten dem Jaguar XK120 und die Nachfrage nach diesen hochmodernen „Klassikern“ steigt – trotz bitterer Kritik der Klassikerszene – denn der Bedarf scheint enorm groß zu sein.

 

Volkswagen und Porsche mit Tesla-Powerpack

Ein weiterer Vertreter dieser elektrifizierten Restomod-Fahrzeuge ist die im kalifornischen San Diego beheimatete Tuningschmiede Zelektric Motors, die ausschließlich alle Volkswagen- und Porsche-Modelle in flinke, umweltfreundliche Fahrzeuge mit eigens anpassbaren Tesla-Powerpacks anpasst. Seit Jahren liefert Zelektric Motors Porsche 911, 912, VW-Porsche oder Volkswagen Käfer, Kübelwagen und Volkswagen Transporter, Busse und Campingwagen im Restomod-Stil mit neuester Technik und starken Elektromotoren. Auf den ersten Blick auch hier die Devise – so nah wie möglich am Original, aber mit moderner, sauberer Technik. Der Markt scheint diesen Trend der elektrifizierten und mit allem Komfort ausgestatteten „Klassiker“ zu mögen, denn auch in Deutschland haben sich bereits mehrere Tuner und Restaurierer aufgemacht, um Restomod-Dienste anzubieten. Dabei werden wir bei den großen Vorbildern die Fahrzeuge der Kunden im Rahmen einer Frame-Off-Restaurierung komplett zerlegt und mit neuen Materialien (Karbon, Aluminium, Edelstahl) neu aufgebaut. Vom Original auf dem ersten Blick nicht zu unterscheiden, entpuppen sich erst beim genauen Hinsehen die technischen Neuerungen und modernen Materialien. Fahrwerke, Federungen, Bremsen, Lenkung, Chassis und Rahmenaufbauten sind dabei ebenso konserviert, wie die Lackierung und das Innenleben. Letztendlich wird dem „Klassischen Nachbau“ ein Elektroantrieb eingepflanzt und auf das Fahrzeug abgestimmt.

 

Fahrkomfort, Sicherheit und Umweltfreundlich

Als Gründe für diese Restomod-Begeisterung geben die Besitzer und Käufer solcher Fahrzeuge dann auch gerne an, hier vor allem aus Umweltgründen und wegen der mit Sicherheit kommenden schärferen Emissionsbestimmungen, aber auch im Hinblick auf mehr Fahrkomfort und Sicherheit den Klassiker umarbeiten zu lassen. Auf das H-Kennzeichen verzichtet diese Klientel gerne, denn Null Emission wird ja steuerlich ebenso belohnt wie das H-Kennzeichen. Letztendlich kommt dann aber mit einem Augenzwinkern auch gerne das Argument der Alltagstauglichkeit und die Gesichter der Verkehrsteilnehmer, wenn so ein Restomod-Klassiker an der Ampel mit Elektropower durchstartet oder auf der Autobahn vorbeischwebt. Und für Puristen hat diese Restomod-Gemeinde schon lange kein Verständnis mehr, denn die würden sich ja schon bei einer Kreuzschlitzschraube bekreuzigen, wo eigentlich eine Schlitzschraube hingehört. Bleibt die Frage, ob sich dieser Restomod-Trend durchsetzen wird. Noch geben rund zwei Drittel der Befragten zur Antwort, dass sie nur mit originalen Klassikern fahren wollen, doch ein Drittel der Oldtimerbesitzer sieht das weniger eng. Ihrer Einschätzung nach werden schärfere Umweltgesetze oder Sicherheitsbestimmungen die alten Verbrenner eh aus dem Markt drängen und bei der Abwägung Historisch oder Nicht, Design und klassische Formen, bringt ein elektrifizierter Restomod mit klassischem Aussehen keine Nachteile.