Sicher ist: Der Fahrspaß und die Leidenschaft bleiben

Die automobile Welt hat sich in den letzten Wochen einschlägig verändert: Die Lungenkrankheit Corvid-19 mutierte zum Veranstaltungskiller und verdrängte die Diskussion über die Geschwindigkeitsbegrenzung aus der Medienlandschaft. Erst untersagten die Schweizer Behörden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern wie „The ICE“ in St. Moritz und in Folge auch die 90. Ausgabe des Genfer Automobilsalons. Dann zog das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen nach und die Veranstalter der Techno Classica zogen die Reißleine. Die S.I.H.A. möchte in den Juni verschieben. Die Diskussion, wer auf welchen Kosten sitzen bleibt, wird ihren Höhepunkt erreichen.

Die Kosten sind die eine Seite der Medaille, das fehlende Schaufenster und somit die fehlende internationale Präsentationsfläche, aber ist der weitreichendere Schaden. Die großen Hersteller reagierten deshalb auf die Absage des Genfer Salons mit digitalen Weltpremieren. Die kompletten Pressekonferenzen, die Experten-Walkarounds und der Media Talk waren teilweise in voller Länge als Video „on Demand“ zu sehen. Insgesamt waren in Genf über 100 Weltpremieren angekündigt.

Diese Budgets sind natürlich in der Welt der Oldtimer nicht vorhanden, auch nicht in den Klassik-Abteilungen der Hersteller. Welche Folgen es für die Branche haben wird, wenn durch die Verlegung der Techno Classica das internationalste Schaufenster der Brache im Frühjahr fehlen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall aber bestimmen große Unsicherheiten innerhalb der nächsten Monate die Veranstaltungslandschaft. Davon betroffen sind auch die für dieses Jahr erwarteten Jubiläen, welche die Automobilhersteller würdigen wollen: vom Alfa-Romeo-Start im Jahr 1910 über die Markteinführung des Audi quattro im Jahr 1980 bis hin zum 60. Geburtstag des elegantesten jemals gebauten Schweden-Coupés, dem Volvo P 1800. Tatsächlich gibt es 2020 über 300 automobile Jahrestage.

Erst vor zehn Tagen schloss die „Retro Classics“ in Stuttgart ihre Pforten. Sie wird die vorläufig letzte Oldtimer-Messe gewesen sein. Als Highlight war die ROFGO Gulf Heritage Collection zu sehen. Die GTÜ berichtete auf einer Pressekonferenz über die neuen H-Kennzeichen-Klassiker. Darunter befinden sich Kultautos wie der bei Porsche gefertigte Mercedes-Achtzylinder 500 E oder der von 1990 an in Deutschland erhältliche Mazda MX 5. Aber auch die ersten BMW 3er (E 36) und der Audi 100 (C4) mit Sechszylinder werden künftig steuerbegünstigt eingestuft. Aus den frühen 1990er-Jahren stammend, handelt es sich zumeist um technisch ausgereifte Fahrzeuge mit noch einfacher und damit auch beherrschbarer Elektronik sowie guter Ersatzteilversorgung. Die GTÜ mit ihrer Expertise im Old- und Youngtimer-Bereich ist der Ansprechpartner für die „Neueinsteiger“, mit deutschlandweit rund 130 GTÜ-Classic-Partnern. Sind einmal all die Regularien wie die Erlangung einer H-Zulassung und das Wertgutachten zur Einstufung der Versicherung erfüllt, sollte der individuelle Fahrspaß wieder in den Vordergrund rücken. Für den Genuss mit Old- und Youngtimern benötigen wir keine Massenveranstaltungen. Es reicht, wenn wir unsere eigenen Instinkte wieder schärfen und kleine Impulse aufnehmen: beispielsweise aus einer Ausgabe des „Curves“-Magazins. Das Ergebnis könnte sein, mit ein paar Freunden das „schöne Unterwegssein“ zu zelebrieren. Fahrspaß also, ganz ohne Geschwindigkeits- und Adrenalin-Kicks. Außerdem ist die Corvid-19-Ansteckungsgefahr auf der Landstraße oder in den Bergen noch nicht nachgewiesen.

Für die Oldtimersaison 2020 wollen wir Ihnen deshalb ein Zitat mit auf die Fahrt geben. Curves-Herausgeber Stefan Bogner beschreibt: „Eine Kurve ist die sinnlichste Verbindung zwischen zwei Punkten.“

Schöne automobile Momente wünscht

Ihre GTÜ