Die Wintersaison ist Schnee von gestern. „Rallye-Look“ wird zum neuen Fahrzeugtrend. Die GTÜ berät als Full-Service-Dienstleister.

Noch vor wenigen Jahren blieben die Garagen, Scheunen und Hallen, in denen Oldtimer abgestellt waren, im Winter verschlossen. Der Winterschlaf dauerte in der Regel sogar fünf bis sechs Monate. Dementsprechend häufig wurde über das perfekte „Einmotten“ diskutiert und auch geschrieben. Dieses jährlich wiederkehrende Procedere haben wir auch irgendwie noch in unseren Köpfen – ist aber Schnee von gestern.

Denn, die Oldtimer-Szene brodelt auch im Winter. Und wie. Aktuellstes Beispiel ist das GP Ice Race, welches  am 1. und 2. Februar 2020 im Wintersport-Mekka Zell am See-Kaprun stattfand. Rund 16.000 Fans strömten zu diesem Motorsport-Spektakel, welches erst zum zweiten Mal von den beiden Initiatoren Ferdinand Porsche, dem Sohn von Aufsichtsratchef  Dr. Wolfgang Porsche, und seinem Studienfreund Vinzenz Greger ausgetragen wurde.

Nachfolgende Auflistung der Starparade macht deutlich, welche Dimension und welches Potential diese Winter-Veranstaltung hat. Volkswagen präsentierte den Elektro-Rennwagen ID.R sowie den spektakulären VW eR1; Rallyecross-Star Tanner Foust pilotierte einen Volkawagen Beetle R und Christian Menzel den MINI ALL 4, der die Rallye Dakar 2012 gewann; Audi-Werksfahrer Daniel Abt begeisterte mit dem Formel E-Audi e-tron FE06; Porsche zeigte den Elektro-Rennwagen 99x; Porsche-Werksfahrer Jörg-Bergmeister driftete mit dem Dakar-Sieger-Porsche 911 Carrera 3.2 4x4 um den Parcours; der ehemalige Rallye-Weltmeister Stig Blomqvist steuerte mit dem Audi Sport quattro S1 das leistungsstärkste Rallye-Auto der Geschichte und DTM-Champion René Rast bewegte einen Audi RS 5 DTM; Ski-Legende Marcel Hirscher brillierte mit dem Audi S1 EKS WRX; der deutsche Rallyemeister Fabian Kreim gewann das Skoda „Ice Race of Champions“ und schließlich fuhr DTM-Ass Philipp Eng einen Rallye-BMW M3. Das größte Spektakel aber war Strietzel Stuck im March 741 Formel 1-Boliden aus dem Jahr 1974, bestückt mit Spikes-Zwillingsreifen auf der Hinterachse.

Bei diesem Feuerwerk an Attraktionen blieb kaum Zeit, sich mit den Spezialitäten im Fahrerlager zu beschäftigen. Dabei gab es hier einige hoch spannende Projekte zu entdecken wie beispielsweise einen aufwendigen Umbau der Porsche-Betriebssportgruppe. 25 der insgesamt rund 350 Mitglieder arbeiteten vor der Veranstaltung Tag und Nacht, um ein 993 Cup-Triebwerk in einen extrem erleichterten 997 zu transplantieren. Gefahren wurde der 997 „Air“ schließlich von den Porsche-Werksfahrern Marc Lieb und Patrick Long.

Weit weniger aufwendige Umbauten zeigten in Zell am See einen neuen Trend auf. Viele Straßen zugelassene Fahrzeuge werden im Rallye-Look modifiziert, vor allem Porsche. Die Bandbreite reicht vom 356 der fünfziger Jahre über die luftgekühlten Elfer der achtziger Jahre bis hin zu den wassergekühlten 996 oder gar Cayenne der ersten Serien. Zusatzscheinwerfer, Verbreiterungen, mit Ersatzreifen bestückte Gepäckträger, Sportsitze, Überroll-Käfige und auffällige Lackierungen verwandeln ein braves Alltagsfahrzeug schnell in ein cooles Sportgerät. Doch es ist bei weitem nicht alles erlaubt, was gefällt. Deshalb empfehlen wir: Holen Sie sich Rat von Spezialisten, wenn Sie ihr Fahrzeug modifizieren wollen.

Es gibt in Deutschland mehr als 2.300 selbständige und hauptberuflich tätige GTÜ-Kfz-Sachverständige. Die Gesellschaft für Technische Überwachung mbH hat sich in den letzten Jahren konsequent zum Full-Service-Dienstleister entwickelt und ist mit ihrer Oldtimersparte GTÜ Classic auch bestens auf diesen neuen Trend vorbereitet.

Aufgefallen ist im Rahmen des GP Ice Race aber auch, wie viel junge Menschen sich für dieses Motorsport-Festival begeisterten und teilweise auch mit Youngtimern anreisten, meist mit Volumenmodellen der 1980er- und 1990er-Jahre wie BMW 3er und 5er, Mercedes 190er, VW T3 oder Volvo 240. Diese Fahrzeuge sind für die kalte Jahreszeit bereits gut geeignet. Vor allem auch, weil die Hersteller hauptsächlich in den achtziger Jahren begonnen haben,  Rostschutzmaßnahmen (Porsche verwendete sogar schon von 1976 an verzinkte Bleche) durchführten und Sicherheitsstandards vorhanden waren; zudem werden die Winter hierzulande immer milder, mit der Folge, dass es an deutlich weniger Tagen Salz auf den Straßen hat. Dadurch werden auch die Winterpausen immer kürzer, zumal es immer mehr Anlässe gibt, auch in der kalten Jahreszeit seinen Oldtimer oder Youngtimer einzusetzen. Neben den Oldtimer-Messen (Der Auftakt war Mitte Januar die InterClassics in Maastricht und Ende Januar die Bremen Classic Motorshow) gibt es zahlreiche etablierte Rallyes, allen voran die Planai-Classic gleich Anfang Januar. Wir möchten Ihnen aber heute noch zwei ganz besondere Schmankerl empfehlen: „The Ice“ am 29. Februar 2020, „The international Concours of Elegance St. Moritz“. Zelebriert wird ein sehr elitärer auf rund 40 Fahrzeuge beschränkter Schönheitswettbewerb mit Fahrzeiten auf dem zugefrorenen See. Familiär hingegen ist am 21. und 22. März 2020 die „Alpine Classique“ in Chamrousse, eine besondere Kombination aus historischem Skifahren, Oldtimern, Motorrädern, Vespas, Musik und Tanz.