Automobildesign und seine kreativen Köpfe – Designing motion Automobildesigner von 1890 bis 1990

Automobildesign war in den Anfangsjahren eine anonyme Angelegenheit. Die Designer und Stylisten standen meist im Schatten der Markenwerbung obwohl ihre Entwürfe millionenfach auf den Straßen anzutreffen waren. Zudem war die Formgebung der Automobile bis in die Nachkriegszeit eine klare Domäne von Teamplayern. Bestes Beispiel dafür ist die Formgebung des Ford Mustang 1 von 1965, der gleich mehrere Väter in seiner Geburtsurkunde hat. Der Mustang war das Ergebnis eines konzerninternen Wettbewerbs, an dem sich die Ford-Designabteilung, Advanced und die Lincoln-Mercury Designabteilung beteiligte. Der Mustang, der heute Kultstatus genießt hat also eine lange Liste von „Schöpfern.“ Neben dem Vice President of Styling Eugene Bordinat über den Studioleiter David Ash bis hin zu den Designern Gale Halderman, Joe Oros und John Naijar reklamieren mehrere Entwickler die Urheberschaft.

Nachzulesen ist das in einem mehr als spannenden Buch über das Automobildesign von 1890 bis 1990 mit dem Titel „Designing motion“ das vom Autor Markus Caspers im Birkhäuser Verlag herausgegeben wurde. In einer umfassenden Einführung und Darstellung der wesentlichen Designepochen im Automobilbau und mit Arbeitsbiografien von über 200 ausgewählten Designern, die das Automobil zwischen 1890 und 1990 in Europa, USA und Japan eine Form gegeben haben, führt der Autor anschaulich in das Thema ein.

Angefangen von den Entwicklungen der Produktgestaltung ab 1910 begleitet der Autor uns durch 100 Jahre Stilgeschichte des Automobils. Dazu zählen ab 1928 auch die ersten Studios für Automobildesign, die in den USA unter Raymond Loewy ihre Arbeit aufnahmen, während in Europa noch die Konstruktion Vorrang vor der Form hatte. Allerdings konnte sich auch Europa nicht vor den Erkenntnissen der Studios verschließen, denn Formgebung, Farbe und Ästhetik waren klare Vorteile beim Verkauf. Hier war die Nachkriegszeit bis in 1960er Jahre stilführend und Namen wie Pininfarina, Michelotti, Ital Design, Touring oder Carlo Felice Bianchi Anderloni die neuen Stars am Himmel der automobilen Stylisten.

Der Autor führt in seinem Buch nicht nur durch die Epochen der Gestaltung, sondern zeigt auch die Abhängigkeiten vom Zeitgeist „Raketenzeitalter“ oder „Stromlinie“ bis hin zur Pontonform und der Trapez und Keilform in den 1980. Einfach, schlicht und funktional wie ein Küchengerät auf Rädern rollte der Panda vom Band und das Erdbeerkörbchen VW Golf Cabriolet, hat nicht von ungefähr seinen Namen.

Dieses reich bebilderte Buch zeichnet die Entstehung eines Berufszweigs nach und verfolgt die Entwicklung des Automobildesigns: in einer umfassenden Einführung sowie anhand der Arbeitsbiografien von über 200 ausgewählten Designern, die zwischen 1900 und 2000 in den USA, Europa und Japan dem Automobil in vielfältigen Produkten eine Form gegeben haben. Der lexikale Teil A-Z beginnt dann auch mit Hermann Ahrens (1904-1995), der bei Horch und Mercedes-Benz unter anderen den 500 K, 300 Adenauer und 190 SL in den 1950er Jahren entworfen hat. Oder Johann Beeskow der anfangs bei Erdmann & Rossi wirkte und nach dem Krieg den Rometsch oder einzelne Karmann-Modelle entwarf. Die Liste der rund 200 Namen mit Nennung und Abbildungen ihrer Modelle endet dann bei Zagato. Ugo Zagato, 1890-1968, der unter anderem zahlreichen Alfa Romeo, Lancia oder Aston Martin Modellen seine Linienführung aufs Blech schneiderte.

Das Besondere an diesem Buch sind sowohl die Tiefe als auch die Breite, in der der Autor das Thema behandelt. Es sind eben nicht nur die einschlägig bekannten, immer gleichen Namen aus Turin und Detroit, die normalerweise abgefeiert werden, sondern der Autor gräbt unbekannte Größen und große Unbekannte von dies- und jenseits des Atlantiks (einschließlich Japan) aus. Das Buch ist zudem spannend geschrieben und gut gestaltet.

Der Autor, Dr. Markus Caspers, ist Professor für Gestaltung und Medien an der Hochschule Neu-Ulm. Das Buch: Designing Motion: Automobildesigner von 1890 bis 1990, 200 Seiten, gebundene Ausgabe, Verlag Birkhäuser, ISBN-10: 3035609810 - ISBN-13: 978-3035609813.