Bestandszahlen, Angebots- und Nachfrageverschiebungen in der Oldtimerszene

Der Markt für klassische Automobile in Deutschland – allgemein als Oldtimer- und Youngtimer-Markt bezeichnet – leidet im Moment etwas an der leicht sinkenden Käufernachfrage innerhalb eines hohen Preisniveaus, das seinen Höhenpunkt im vergangenen Jahr überschritten hatte. Gleichzeitig sind sowohl im Angebots- und Nachfragesegment Verschiebungen feststellbar. Dazu zählen vor allem die Verjüngung der Kaufinteressenten und insbesondere das steigenden Angebot der Vor- und Nachkriegsfahrzeuge bis in 1950er Baujahre. Große Veränderungen ergeben sich auch im Segment der Youngtimer - Automobile von 20 bis 29 Jahren. Wo genau diese Marktverschiebungen im Fahrzeugangebot und bei den Käufern und Besitzer der klassischen Fahrzeuge stattfinden, lässt sich anhand umfangreicher Markterhebungen darstellen. Sowohl KBA (Kraftfahrt Bundesamt), VDA (Verband der Deutschen Automobilindustrie), BBE Automotive und IfD Allensbach, haben dazu zahlreiche aufschlussreiche Erhebungen durchgeführt, von denen wir hier die Aussagekräftigsten vorstellen wollen.

Danach ist das Automobil der große Verlierer bei den Befragten. Von ehemals 51,2 Prozent interessierter Befragter sind Ende 2017 noch 41,9 % an einem Automobil interessiert. Das ist ein Verlust von 9,3%. Etwas moderater, aber ebenso nachlassend ist das Interesse an Oldtimer Automobilen und normalen Motorrädern. Beide Fahrzeuggruppen fielen von 2009 bis 2017 von 22.6 Prozent auf 18.9 Prozent, was einem Verlust von 3.7% entspricht. Den geringsten Interessensverlust hatte die Fahrzeuggruppe Oldtimer Motorräder. Von ehemals 15,2 Prozent im Jahre 2009 blieben 2017 noch 12,8 Prozent an Oldtimer Motorrädern interessiert. Das entspricht einem Verlust von 2.4 Prozent der Befragten. Begründet wird dieses nachlassende Interesse an Kraftfahrzeugen vor allem mit der Altersgruppe der Jugendlichen bis 25 Jahre. Diese Gruppe praktiziert bereits alternative mobile Konzepte wie öffentlicher Nachverkehr und Car Sharing, besitzt zwar noch einen Führerschein, aber ist am Kauf oder Besitz eines Kraftfahrzeuges kaum oder weniger interessiert. Erstaunlich war hingegen die vergleichsweisen stabilen Zahlen zu Interessenslage bei Oldtimer Motorrädern.

 

Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche führen die H-Kennzeichen an

Wer kennt sie nicht, die alljährlichen Statistiken zum Bestand der H-Kennzeichen in Deutschland. Mit Stichtag 01. Januar 2018 waren das 536.515 Personenkraftwagen, die mit einem H-Kennzeichen auf den Straßen fuhren. Interessanter sind jedoch die Marken und Modelle, die sich hinter dieser Zahl verbergen. Deshalb als nächste Schautafel (Abb. 2) der Bestand an ausgewählten Oldtimern mit H-Kennzeichen in Deutschland in den Jahren 2017 und 2018 nach Modellen.

 

Von den rund 15 Spitzenreitern führt der Volkswagen Käfer 2018 mit 36.258 Fahrzeugen die Liste der H-Zulassungen an. 2017 waren es lediglich 34.643 Käfer mit H-Kennzeichen. Das Krabbeltier wird verfolgt vom Mercedes W123 mit 19.718 H-Zulassungen in 2018 und 18.578 H-Zulassungen in 2017. Der Porsche 911/ 912 folgt auf Platz 3 mit 15.840 H-Zulassungen in 2018 und 14.052 H-Zulassungen in 2017. Generell konnten alle 15 Spitzenreiter ihre Bestandszahlen verbessern, einzig die Mercedes Heckflosse mußte Federn lassen. Waren es 2017 noch 6.097 H-Zulassungen bei der Heckflosse, so konnte dieses Modell nur noch 5.799 H-Zulassen vorweisen – rund 298 Heckflossen verschwanden aus der Zulassungsstatistik.

 

Entwicklung der Oldtimerpreise (Oldtimer Index) in Deutschland bis 2018 

Bei der Ermittlung des Oldtimer Index (Abb. 3) werden ausschließlich Fahrzeuge des Zustandes Note 2 herangezogen. Dazu zählen Fahrzeuge mit generell gutem Zustand, leichte Gebrauchsspuren und Mängel und Fahrzeuge, die auf dem deutschen Markt als gängige Fahrzeuge gelten. Sehr seltene und teure Exemplare werden hingegen nicht in die Berechnung einbezogen und berücksichtigt. Für den Oldtimer Index wurden 88 repräsentative Fahrzeuge ausgewählt, die die Typenvielfalt in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes bestmöglich abbilden und unabhängig von ihren Zulassungszahlen gewichtet. Der Index wird lediglich einmal jährlich ermittelt, da ansonsten saisonale Schwankungen das Gesamtbild verzerren könnten. 

Der Oldtimer-Index startete im Jahre 1999 mit einem Zähler von 1.000 Indexpunkten und erreichte im Jahre 2018 einen Indexwert von 2.609 Punkten. Binnen 20 Jahre stiegen die Oldtimerpreise im Durchschnitt um 1.609 Punkte. Zwar dürften die Oldtimerpreise weiterhin moderat steigen oder auf hohem Niveau stagnieren, allgemein ist jedoch feststellbar, dass das Interesse an Kraftfahrzeugen nachlässt.

 

Das Interesse am Kraftfahrzeuge läßt allgemein spürbar nach 

Das Institut IfD Allensbach hat in einem Erhebungszeitraum von 2008 bis 2017 nach den Schwerpunkten der Interessen im Hinblick auf die Kraftfahrzeuge rund 1.406 Personen bundesweit nach ihren Vorlieben befragt (Abb. 4). Die Befragung erfolgte im Rahmen einer Stichprobe aus der deutschen Gesamtbevölkerung ab 16 Jahren und bezog sich auf vier Kraftfahrzeuggruppen: Automobile allgemein, Oldtimer Automobile, Motorräder allgemein, Oldtimer Motorräder. Das nachfolgende Schaubild zeigt eindeutig, das allgemein ein Nachlassen des Interesses in allen Fahrzeuggruppen in den Jahren 2008 bis 2017 stattfand.

Der Oldtimer und Youngtimer ist schon lange keine Randerscheinung mehr auf dem automobilen Parkett. Deutlich sichtbar ist dies in der Statistik zur Anzahl der zugelassenen Classic Cars in Deutschland (Abb. 1) in den Jahren 2008 bis 2020 (in Tausend), wobei unter dem Begriff Classic Cars alle Personenkraftwagen zusammengefasst werden, die älter als 15 Jahre sind. Nach Meinung der Experten wird sich der Bestand an Classic Cars im Jahre 2020 auf rund 8.8 Mio. Fahrzeuge belaufen, seine Wachstumsphase jedoch etwas einbremsen.