Passion Investment: Die Leidenschaft der Sammler

Der Herbst naht mit schnellen Schritten, die Landschaft wird bunter und die letzten Ausfahrten mit dem geliebten Oldtimer stehen auf dem Programm. Zeit etwas ruhiger zu werden und das Engagement in die rollenden Sachwerte zu überdenken. Der Generationswechsel ist im vollen Gange, das Automobil wird im Gefolge der Klima-und CO2 –Diskussion zum Streitobjekt und die Wertigkeit und Akzeptanz der Sammlerfahrzeuge ändert sich schleichend. Dass Anleger in Sachwerte investieren ist ja hinlänglich bekannt und dass diese Sachwertanlagen nicht nur aus Gold und Edelsteinen bestehen, hat auch der Letzte begriffen. Angesagt sind Kunst, Whisky, Wein, hochwertiger Schmuck und eben auch das Sammlerobjekt „Seltene Automobile.“ Seit Jahren führte dieses Sammlerportfolio unangefochten die Hitliste der Spekulationsobjekte an, doch der Wertewandel in der Gesellschaft, die geänderten Prioritäten der kommenden Generationen und die immer schwieriger werdende Suche nach geeigneten Fahrzeugen hat dazu geführt, dass das Automobil nicht nur in der gesellschaftlichen Wertigkeit, sondern auch unter Sammlern von Sachwerten seine Spitzenposition eingebüßt hat.

Folgt man den Veröffentlichungen des „Knight Frank Luxury Investment Index (KFLII)“ der von den wichtigsten Marktbeobachtern Ende 2018 zusammengetragen wurde, dann ist das Sammlerobjekt Automobil auf den 4. Platz in der Gunst der Investoren zurückgefallen. Die Spitze hat nunmehr die Kunst übernommen, gefolgt vom KFLII-Portfolio und den edlen Weinen (siehe Grafik untenstehend). Vor fünf Jahren sah das noch anders aus, hier führte das Investment in Automobilen noch auf Platz 1 mit einer Rendite von 81%, während die Kunst mit rund 40% Rendite auf Platz 4 verharrte. Damit hatte das Automobil im Jahre 2008 die Spitze der Sachwert-Renditen übernommen und bis 2018 gehalten. Aktuell geben die Index-Beobachter dem Automobil noch eine Rendite (Wertsteigerung) von 6%.

 

Aber nicht nur Kunst erzielt gute Erlöse, der KFLII-Index und auch Wein haben sich in der Gunst der Anleger auf die Plätze 2 und 3 mit ihren Erträgen hochgearbeitet. Oldtimer beherrschen zwar hin und wieder die Schlagzeilen. Aber in letzter Zeit sind die Wertsteigerungen gegenüber den Boomjahren doch eher moderat. Dabei ist es nach wie vor nicht nur das Modell entscheidend für den Erfolg, sondern auch seine Vorbesitzer. So hatte beispielsweise ein einfacher VW-Golf, die massenhaft hergestellt wird, für stolze 188.938 Euro den Besitzer gewechselt, weil der Vorbesitzer Josef Ratzinger hieß, der zum Zeitpunkt des Verkaufs als Papst Benedikt XVI. die katholische Kirche führte. Jürgen Klinsmann, bekannter Fussballstar der Bundesliga, kann über solch eine Summe nur schmunzeln: Sein ehemaliges Auto, ein VW-Käfer Cabriolet, ging für über 300.000 Euro weg. Spezialwissen und ein glückliches Händchen sind deshalb gefragt. Und wenn einer Walter Röhrls ersten 911er Porsch ergattern kann, mit dem der Rallye-Experte einst seine Frau zum Standesamt gefahren hat, ist eine satte Rendite bei einem eventuellen Verkauf sicher.

 

Allerdings ist die Sache beim zweiten Blick nicht so einfach, wie es zu sein scheint. Wilde Einkäufe sind daher eine denkbar schlechte Grundlage. Schließlich erzielen nur wenige Investitionsobjekte solche Traummargen. Der überwiegende Teil kommt nicht mal annähernd an diese teilweise horrenden Ergebnisse. Genau aus diesem Grund muss der Anleger mit Fachwissen glänzen, das nicht unbedingt wirtschaftlicher Natur ist, aber dennoch den Wert des Gegenstandes beeinflusst. Zudem muss ein Gespür vorhanden sein für die künftige Entwicklung, denn auch Kunstgegenstände besitzen nicht für alle Ewigkeiten ihren Wert. Was heute en vogue ist, kann schon morgen niemanden mehr interessieren. Und wie bei chinesischem Porzellan oder im Kunstbereich die Jugendstil-Richtung, die heute keinen mehr interessieren, so gehen die Vorkriegsfahrzeuge der Boomer-Generation am Interesse der heutigen Sammler und Vertreter der Generation Y vorbei. Gefragt sind heute die sportlichen und schnellen Fahrzeuge der 1980er bis 1990er Jahre. Generell aber ist eine Abnahme des Interesses am Automobil nicht mehr zu leugnen. Auch die aktuellen Verkaufszahlen belegen diesen Wandel im Mobilitätsverhalten der nachrückenden Generation. Kurzum: Wir reden hier nicht vom Niedergang eines Sachwertes auf vier Rädern, sondern über die gesellschaftlichen Veränderungen und Einstellungen. Es ist deshalb sicherlich keine schlechte Idee heute innovative und zeitgemäße Fahrzeuge zu kaufen, die in zwanzig Jahren aufgrund ihrer Einzigartigkeit gesuchte Renditeobjekte werden. Wie wärs beispielsweise mit dem ersten am Markt verfügbaren Hydrogen- oder Wasserstoff-Automobil, das bereits vor 10 Jahren von mehreren Herstellern angeboten wurde.