Sommerpause ist vorbei: US-Auktionen legen kräftig vor Leichte Erholung dank Auktionstätigkeiten

Nach nunmehr drei Monaten leichten Rückgängen im Rating des weltweit umfassendsten Market Ratings für klassische Automobile und Sammlerfahrzeuge, kehrt der Hagerty Rating-Wert Mitte August 2019 in Richtung 64 Punkten zurück. Lag das Fünfjahreshoch weltweit im Mai 2015 noch bei 71,95 Punkten, so brachte das Fünfjahrestief im Juli 2019 gerademal 63,56 Punkte auf die Waage. Der jetzt sichtbare Anstieg in Richtung 64 Punkten ist mit dem Ende der Sommerpause erklärbar, da in den USA die Auktionen von Pebble Beach, Quail Lodge und Monterey stattfanden und nahezu über 550 klassische Fahrzeuge der Superlative über den Laufsteg gingen.

Laut dem Marktbeobachter und US-Marktführer in Sachen Versicherung klassischer Automobile, sind die Markttreiber zwar in den Auktionstätigkeiten zu sehen, aber auch der Gesamtmarkt konnte mit steigenden Verkaufzahlen bei den Händlern aufwarten. Die Aktivitäten auf dem Privatmarkt gingen allerdings etwas zurück, da sich die Hoffnung der Fahrzeughalter, die ihre Fahrzeuge zum Verkauf angeboten hatten, aufgrund des derzeitigen „Überangebotes“ nicht erfüllten. Wertsteigerungen sind seit Anfang des Jahres sehr selten und nur bei High-End-Fahrzeugen feststellbar. Das allgemeine Angebot verharrt auf dem Niveau des Jahreswechsel, macht aber angesichts der leichten Steigerung des August-Ratings bei vielen erneut Hoffnung auf leichte Zugewinne. 

Gleiches gilt für den Hagerty Market Index, der zusätzlich zu Marktbewegungen und Verkäufen auch die Veränderungen der Marktvolumen reagiert. Auch hier ist bei Vergleich des Fünfjahreshoch im August 2015 bei 186,43 Punkten zum Fünfjahrestief im Juli 2019 bei 149,13 Punkten ein leichter Anstieg auf den August-Index-Wert von 149,51 Punkte feststellbar. Betrachtet man die Auktionen in Quail Lodge, Pebble Beach und Monterey wird sehr schnell klar, dass diese Steigerung auf das qualitativ hochwertige Angebot dieser Auktionen zurück zu führen sind. 

Den Anfang nach der Sommerpause machte Bonhams am 16./17. August in Quail Lodge (Kalifornien) mit rund 220 Fahrzeugen, die einen Gesamtwert von rund 70 Mio. US-Dollar auswiesen. Allerdings konnte die exklusiven und teueren Klassiker beim Publikum nicht punkten und wieder einmal mehr gaben die Bieter den jungen Neo Klassikern den Vorzug. Bonhams konnte mit seinem Angebot nur rund 70 Prozent der Fahrzeuge an die Bieter bringen und unterm Strich nur 39 Prozent des Gesamtwertes realisieren. Fazit: Die meisten Fahrzeuge – mit Ausnahme der Neo Klassiker – gingen unter den Erwartungen des Versteigerers an neue Besitzer. Ausgerechnet das Motorrad, eine Brough Superior SS100 aus dem Jahre 1938 stahl den Automobilen die Show und wurde für 281.700 Euro einem neuen Besitzer zugeschlagen. 

Gooding & Co. sorgte am 16./17. August in Pebble Beach mit seinem hochdotierten Angebot von 138 Fahrzeugen und einem Motorrad für etwas Furore und konnte vor allem mit seinem großen Angebot von Ferrari Sportwagen punkten. Gooding & Co. konnte rund 77 Mio. US-Dollar realisieren, auch wenn rund acht Fahrzeuge der 20 wertvollsten Klassiker stehenblieben und das gewünschte Estimate nicht erreichten. Das Motorrad, einen Indian aus dem Jahre 1938, konnte nicht an einen neuen Besitzer übergeben werden und wurde bei 170.000 US-Dollar aus dem Rennen genommen. Das teuerste Auto war wie zu erwarten war, ein Ferrari 250 GT California Spider. Sehr gut schlugen sich auch Fahrzeuge aus dem Mittelfeld, darunter ein Aston Martin V8 Vantage, ein Austin-Healey 100/4 BN2 und ein Citroën DS 19 aus dem Jahre 1959 der für 193.500 Euro den Besitzer wechselte. Insgesamt konnte 107 Fahrzeuge verkauft werden, aber im Schnitt blieben die Gebote 73 Prozent unter dem mittleren Schätzwert.

Der dritte im Bunde nach der Sommerpause war RM/Sotheby´s, die drei Tage in Monterey rund 184 Automobile zum Kauf anboten. Der erste Tag war ausschließlich der Marke Aston Martin gewidmet, während die nachfolgenden Tage die Stunde der Superklassiker, Exoten und Spezialfahrzeugen war. Insgesamt standen Fahrzeuge für rund 210 Mio. US-Dollar zum Verkauf. Doch auch hier lief es nicht so gut wie erwartet. Rund die Hälfte des erhofften Umsatzes konnte erzielt werden und auch hier konnten von den 20 wertvollsten Klassikern nur 8 Fahrzeuge an neue Besitzer übergeben werden. Die Masse ging wieder an die Gruppe der neueren Fahrzeuge aus den 1990er und der Jahrtausendwende. Wäre da nicht noch der Fakt, dass rund 40 Prozent der Fahrzeuge ohne Mindestpreis angeboten wurden, wäre das Ergebnis wohl noch verhaltener. Berücksichtigt man hier, dass der teuerste Wagen ein McLaren F1 war der für fast 20 Mio. US-Doller einen neuen Besitzer fand, stimmt auch hier die Feststellung: Die Auktionshäuser brauchen viele Angebote, um einen entsprechenden Umsatz generieren zu können. Es wird nach wie vor selektiv gekauft, die Bieter werden jünger und die Fahrzeuge im mittleren Preissegment sorgen für entsprechende Umsätze.