Porsche 916: Selten, sehr teuer und nur 11 Exemplare gebaut / Sieht aus wie ein 914/6 hat aber die Gene des 911 S

Der Porsche 916 wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, ist aber eine der größten Raritäten der Marke Porsche, denn 1971/1972 wurden nur insgesamt 11 Exemplare hergestellt. Allesamt sind es Prototypen, die nach Abschluss des Projektes einen Stückpreis von 40.000 DM auf der Kostenrechnung hinterlassen. Ein großer roter Strich beendete das Kapitel des Sportwagens, den Porsche gegen den Dino von Ferrari ins Rennen schicken wollte. Eine Serienproduktion fand nie statt und die elf Prototypen wurden verkauft. Fünf davon blieben in der Familie Porsche und Piëch, für weitere wurden in Deutschland an treue Porsche Kunden verkauft und einer wurde in die USA exportiert. Wer einen bekam, ist unter Verschluss. Allerdings kamen zwei Porsche 916, die ursprünglich von der Familie Piëch genutzt wurden, in Auktionen unter den Hammer.

Ein 1971er Porsche 916, der Prototyp „Brutus“, einst von Corinna Piëch gesteuert, wurde im Februar 2019 bei Artcurial in Paris unter der Losnummer 124 angeboten und fand für 928.000 Euro einen neuen Besitzer. Ein Jahr später folgte der 916er aus dem Jahre 1972 mit der Serienendnummer 011 auf der Auktion von RM Sotheby´s in Punta Gorda, die am 15. August 2020 stattfand. Die Losnummer 151, ein gelber 916er mit Sonderausstattung, wurde früher von Ferdinand Piëchs Mutter Louise gefahren und fand für 957.000 US-Dollar einen neuen Besitzer. Über den Verbleib der anderen neun Fahrzeuge wird weiterhin Stillschweigen gewahrt.

 

Karmann Karosserien basieren auf 914/6 Modell

Die Karosserie des 916 basiert auf der Rohkarosserie des 914/6 und wurde bei Karmann in Osnabrück gefertigt. Anders als das abnehmbare Kunststoffdach des 914/6 besitzt der 916 aber ein Dach aus Stahlblech, das fest mit dem Windschutzscheibenrahmen und dem Sicherheitsbügel verschweißt wurde. Verstärkte Längsträger im Bodenblech waren notwendig, um zusätzliche Stabilität zu erhalten, denn der 916 bekam den modifizierten Sechszylinder des 2.4 Liter Porsche S Modells, der 210 PS (140 kW) Leistung entwickelt. Eingebaut wurde der Motor als Mittelmotor direkt hinter den Sitzen der Fahrgastzelle. Weitere Änderungen gegenüber den kleineren 914er Modellen waren ein Spoiler, ein Ölkühler und zwei Zusatzscheinwerfer, die in den Frontstoßfänger integriert wurden. Auffallend auch die Verbreiterung der Kotflügel um satte neun Zentimeter, um die wuchtigen Reifen der Größe 185/70 VR 15 auf 7J x 15 Zoll breiten Leichtmetallfelgen unterzubringen. Auch das Fahrwerk wurde vom 914/6 des Modelljahres 1971 abgeleitet, das mit Stoßdämpfern von Bilstein und Stabilisatoren an der Vorder- und Hinterachse montiert ist. Die Bremsanlage stammt hingegen vom Porsche 911 S und weist vier innenbelüftete Scheibenbremsen auf.

 

Individuelle Innenausstattung und Sonderwünsche geplant

Sehr aufwendig gehalten war auch die Innenausstattung. Hier sollte der Käufer nach eigenen Wünschen wählen können. Deutlich sichtbar wird diese individuelle Innenausstattung bei den beiden versteigerten Modellen. Während die Mutter von Ferdinand Piëch in einer kastanienbraunen Lederausstattung mit Cord Bezügen im Paisley-Muster Platz nahm, fuhr die Tochter Corina einen mit schwarzer Lederausstattung gelieferten Prototypen namens Brutus, der vollkommen in schwarz gehalten nur lindgrüne Felgenringe als Farbtupfer aufwies. Während das Fahrzeug der Mutter 1973 bereits den Besitzer wechselte und anschließend für 30.000 US-Dollar in die USA verkauft wurde, ging der gelbe Prototyp Brutus im Jahre 1974 an einen Oberst der kanadischen Armee, der damals in Deutschland stationiert war und das Fahrzeug 1978 an Porsche zu Generalüberholung zurückgab. Die Rechnung von Porsche damals betrug 12.649 DM für eine Motor- und Getriebe-Revision. Das Fahrzeug ging zurück in die USA und landete nach dem Tod des Besitzers in einem Museum.

 

190 PS Power: 1972 der schnellste und leichteste Porsche

Der erste Prototyp des Porsche 916 sollte ursprünglich im Jahre 1971 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt werden, doch zwei Wochen vor der Messe wurde das Projekt bei Porsche eingestampft. Bemerkenswert an der Geschichte ist jedoch, dass diese Prototypen allesamt verkauft wurden. Ungewöhnlich für Porsche, denn in der Regel hütet das Unternehmen seine Prototypen wie einen Schatz, bewahrt sie im Museum auf oder zerstört die Fahrzeuge, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben. Sehr selten entkommt mal ein Modell – und wenn, sind unzählige Sammler wie der Teufel hinter diesen Prototypen her. Dieser Porsche 916 wäre heute im Preisniveau eines 914/6 zu haben, wäre er in Serie gegangen. Stattdessen war nach 11 Fahrzeugen Schluss und die Fahrzeuge wurden für rund 14.000 Dollar verkauft. Ein S-Modell wäre heutzutage nicht so selten, wenn sein damaliger Preis nicht so hoch gewesen wäre. Für einen 916 bezahlte man damals 14.000 Dollar und für einen 911 gerade mal 11.000 Dollar. 1971/1972 war der Porsche 916 der schnellste und leichteste Porsche und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 230 km/h. Als Motor war der 2.6-Liter-Sechszylinder mit 210 PS (154 km) von Porsche vorgesehen. Abgestimmt war dieser Motor auf Superbenzin, aber man entschied sich dann doch für Normalbenzin und gab dem 2.4 Liter Aggregat mit 190 PS (140 kW) den Vorzug, der aus dem Porsche 911 S entnommen werden sollte. Doch auch diese Leistung reichte, um das Leichtgewicht aus dem Stand auf 100 km/h in knapp 7 Sekunden zu beschleunigen. Obwohl der 916 nie ein offizielles Modell der Verkaufspalette war, markiert er dennoch ein Stück der Porsche-Firmengeschichte. Wer heute einen haben will – falls mal einer angeboten wird – sollte rund 1 Million Euro bereithalten.